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THE DARK KNIGHT RISES

24.07.2012 | FILM/TV

Ab 27. Juli 2012 in den österreichischen Kinos
THE DARK KNIGHT RISES
USA  /  2012 
Regie: Christopher Nolan
Mit: Christian Bale, Anne Hathaway, Tom Hardy, Joseph Gordon-Levitt, Michael Caine, Gary Oldman u.a.

Man kann über diesen Film nicht schreiben, als wäre nichts geschehen. Bei seiner Premiere vor einer Woche hat in Aurora, einer Kleinstadt in der Nähe von Denver / Colorado, der 24-jährige James Holmes ins Publikum geschossen, dabei zwölf Menschen getötet und zahlreiche verletzt. Ein Amoklauf wie alle anderen? Vielleicht. Doch der Täter nannte sich „Joker“, wie der allererste Batman-Bösewicht (damals mit sardonisch-bösem Grinsen gespielt von Jack Nicholson) und trug angeblich eine Gasmaske, die an die Gesichtsmaske von „Bane“ erinnert, dem Bösewicht dieses finalen „Batman“-Films.

Man hat den jungen Mann bereits dem Gericht vorgeführt, wo er schweigt, und man wird sich an ihm – wie an seinem norwegischen Kollegen im Grauen – die Finger wund schreiben und die Köpfe blutig diskutieren. Zweifelsfrei gültige Antworten darauf, wie dergleichen geschehen kann,  wird man keine finden, aber sicherlich werden als Motive auch die Filme befragt wie jene „Batman“-Streifen, die die Bösewichte noch mehr zu verherrlichen scheinen als die Welten rettenden Helden.

Sicher allzu feuilletonistisch wäre es, von einem „Fluch“ zu sprechen, der über den „Batman“-Verfilmungen schwebt, ist doch während des Vorgänger-Films „The Dark Knight“ der Darsteller des Bösewichts, Heath Ledger, verstorben. Die Tragödie von „The Dark Knight Rises“ hat jedenfalls den Kassenerfolg des Films in den USA nicht geschmälert – ungeachtet der nicht allzu überzeugenden Qualität des Streifens. Wie sehr die „Bösen“ der Leinwand Rollen-Modelle für Verbrecher werden, ist angesichts der Bluttat von Aurora natürlich nicht zu beantworten, wenn es auch verlockend wäre, es sich leicht zu machen und dies zu behaupten. Tatsache ist bloß: Dass aus dem gezeigten Bösen real Böses entspringt, zählt zu den großen Tragödien unseres so total medialen Jahrhunderts.

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Der Kinosommer 2012 gestaltet sich bislang nicht sonderlich aufregend, aber immerhin etwas ereignisreicher als im Vorjahr, wo die Blockbuster nahezu ganz fehlten. Heuer gab es immerhin einen neuen „Spiderman“, wenn es auch gewissermaßen der alte war (ohne innovative Akzente für die Geschichte, bloß ein neuer Hauptdarsteller), und uns erwartet noch Ridley Scotts „Prometheus“, eine Art „Alien“-Prequel. Dazwischen kommt nun noch einmal Batman auf die Leinwand, letztmals wohl, denn am Ende stehen wir an seinem Grab bzw. an jenem von Bruce Wayne, der bekanntlich in das Kostüm der rettenden Fledermaus gestiegen ist…

Aber Regisseur Christopher Nolan hat seinen neuen „Batman“-Ansatz mit Christian Bale in der Hauptrolle ohnedies als Trilogie angelegt, und lässt nun auf „Batman Begins“ und „The Dark Knight“ als Finale „The Dark Knight Rises“ folgen – die düsterste aller Geschichten, über zweieinhalb nicht immer fesselnde Stunden lang, die eine entscheidende Schwäche hat: Die Menschen treten angesichts der Action stärker in den Hintergrund, als es der Sache gut tut. Die genüsslich ausgemalten Katastrophen fallen zwar gewaltig aus, mit wahren Zerstörungsorgien, die in Materialschlachten ausarten – am Ende soll (wie üblicherweise bei James Bond) Gotham City, mit einer Atombombe zerstört werden, Batman opfert sich selbst, um dies zu verhindern, und rettet die Welt, wie es sich für einen ultimativen Helden gehört. Apropos Gotham City – haben die ersten „Batman“-Filme (jene vor Nolans Trilogie) doch noch eine Ästhetik gepflegt, die dem Comic huldigte, und entsprechende Kunstwelten auf die Leinwand gebracht, so ist Gotham nun eindeutig als New York zu erkennen (samt „Saks Fifth Avenue“), und es erscheint geradezu pervers, diese Stadt, die in der Realität genügend Horror mitbekommen hat, nun noch einmal auf der Leinwand zu demolieren… Aber wahrscheinlich sucht ein großer Teil der Besucher dieser Filme weit mehr Tschin-Bumm-Krach als Menschengeschichten. Dann muss nämlich auch das Drehbuch nicht strikter Logik folgen, wenn man vordringlich den Kopf vollgedröht bekommt – und dieser Film hat viele gedankliche „Löcher“.

Die Menschen treten, wie gesagt, in den Hintergrund, die Zeichnung der Charaktere lässt einiges an Farbigkeit vermissen. Schon „Batman“ selbst begegnet uns als zerstörter Bruce Wayne: Christian Bale ist ein glänzender Schauspieler, der gewaltig kämpfen muss, um Profil zu bekommen Anfangs lebt er gänzlich zurück gezogen und geht müde am Stock. Er muss sehr viel erleiden (darunter, dass er lange von seinem Feind gefangen gehalten wird), bis er sich wieder in seinem schwarzen Lederkostüm in die Lüfte schwingen darf. Aber er bleibt zu lange kraft- und fast farblos, ist nicht der schillernde Held, um den sich alles dreht. Die Auftritte im Batman-Kostüm sind rar, und wenn Nolan es auch interessant finden mag, den Mythos als menschlichen Loser darzustellen – einem Film tut das sicherlich nicht gut.

Wenn man von einer Schauspielerin erwartet hätte, dass sie dank ihres Aussehens und ihrer Persönlichkeit an die Catwoman der Michelle Pfeiffer heranreicht, ist es wohl Anne Hathaway, aber auch sie reüssiert nicht in erwartetem Ausmaße (nicht nur, weil das Kostüm mit den Katzenohren nicht wirklich überzeugt). Aber es liegt natürlich auch an Schlampereien des Drehbuchs, dass man ihre Motivationen eigentlich nicht wirklich kennt, manches einfach hingestellt und nicht erklärt wird (wer ist die blonde Freundin, die da immer wieder an ihrer Seite auftaucht?)

Die andere Frau im Spiel ist Marion Cotillard (die als Piaf einst gar nicht verdient den „Oscar“ bekam). Man hat sie oft schon viel besser gesehen als hier, wo sie als entschlossenes Frauchen mit Locken wahnsinnig altmodisch und gar nicht fesselnd wirkt. Dass dann eine Schlusspointe mit ihrer Person zusammen hängt, rettet rein gar nichts mehr.

Am schwächsten ist wohl der „Bösewicht“ ausgefallen, denn Darsteller Tom Hardy ist nur mit einer Ledermaske à la Hannibal Lecter vor dem Gesicht zu sehen (mit Ausnahme einer Sekundensequenz in der Rückblicke, und wer den Schauspieler Hardy nicht kennt, wird das Gesicht wohl nicht mit der Maskenfratze von Bale zusammen bringen). Psychologiefrei kann er somit gar nicht als Figur reüssieren. Ein brutales Muskelpaket, das uns nie verrät, warum es etwas tut, eine Inkarnation des Schreckens. Zu simpel, zu wenig interessant.

Dass die guten, alten Gesichter von Michael Caine, Gary Oldman und Morgan Freeman wieder da sind, entschädigt nicht ausreichend, zumal Caine sich mit einer vagen Ausrede als treuer Butler schon im ersten Drittel des Films aus schwer erkennbaren Motiven verabschiedet, um dann erst wieder am Grabstein seines Herrn zu stehen.

Gedreht wurde einmal nicht auf 3 D, sondern im IMAX-Format, was den Vorteil hat, dass man sich die Brillen erspart und der Effekt dennoch gewaltig ist, auch dank der überbordend lauten und effektvollen Musik von Hans Zimmer. Regisseur Nolan hat sich längst vom guten, alten Comic entfernt, zeichnet realistisch erkennbar unsere Zeit und beschwört düstere Weltuntergänge durch das Böse schlechthin.

Vermutlich werden sich Batman-Fans auch von der Warnung, dass es hier sehr wenig Batman gibt, kaum vom Besuch des Films abhalten lassen, und was man bekommt, ist in der Machart eindrucksvoll genug. Aber man hätte lieber mehr greifbare Menschengeschichten als eintönige Untergangsvisionen gesehen.

Renate Wagner 

 

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