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THE CLARINOTTS – Ernst, Daniel & Andreas Ottensamer auf der Klarinette

15.12.2015 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

clarinots THE CLARINOTTS – Ernst, Daniel & Andreas Ottensamer auf der Klarinette u.a. mit Mendelssohn, Mozart, Rossini, Ponchielli, Francaix, Koreny – Deutsche Grammophon CD

Alle drei Ottensamers auf einmal: Das bedeutet Klarinettenspiel vom Feinsten, kultiviert, klangschön, voller verspielter Erprobung aller möglichen Klangfarben und -schattierungen, klassisch dargeboten ohne Extreme und Exzentrik. Der Hörer darf sich dazu über ein Programm freuen, das ausgetretene Pfade meidet und neue Begegnungen mit kaum bekannter Musik ermöglicht. Begleitet werden die drei exzellenten Instrumentalisten, die sich unter dem Namen The Clarinotts (seit 2005) eine gemeinsame Marke geschaffen haben, von den Wiener Virtuosen. Also für alle, die es nicht wissen: Ernst Ottensamer ist seit 1983 Soloklarinettist bei den Wiener Philharmonikern und hat – richtig geraten – zwei Söhne, die mittlerweile auch weltberühmt auf dem gleichen Instrument geworden sind. Daniel Ottensamer ist ebenfalls bei den „Wienern“ aktiv, dessen Bruder Andreas hat es nach Berlin zu den Berliner Philharmonikern verschlagen. Auch nicht schlecht. 

Alle drei musizieren selbstverständlich auf Grundlage der Wiener Schule. Die Wiener Klarinette besitzt eine weitere Bohrung und eine dickere Wandung, der Ton ist samtig und voll, verlangt aber vom Spieler viel Luft. 

Man könnte meinen, das Programm dieser Debüt CD bei der Deutschen Grammophon sei ein wildes Potpourri. Alle Stücke eint aber ein Bezug zur Bühne und können mit Oper, Tanz, Ballett, Film oder Live-Auftritten in Verbindung gebracht werden. Bei Mendelssohn-Bartholdys Konzertstück für Klarinette, Bassetthorn und Orchester Op. 113 und der Opernparaphrase auf „Soave il vento“ von Mozarts Cosi fan tutte kann man sich zurücklehnen und einfach diese bekannten Piècen herrlich gespielt genießen. Die Fantasie über Themen aus Verdis Rigoletto von Franz und Karl Doppler klingt eher nach Haydn als nach feurigem Verdi. Hier ist mir auch das Spiel zu gemäßigt und etwas brav geraten.

Das ändert sich bei Rossinis „La danza“ und vor allem Ponchiellis „Il convegno“ (bedeutet das Rendez-vous), wo Virtuosität, Leichtigkeit und traumwandlerisches Musikantentum jene sonnig verführerische Italianità erfühlen lassen, die man bei Verdi vermisst hat. Beim Petit Quatour von Jean Francaix, einem langsam französisch inspiriertem Walzer,  schlägt der Ton in getragene Melancholie um. Cinema I von Bela Koreny den drei Klarinettisten gewidmet, basiert auf der Handlung von Paul Verhoevens Film Basic Instinct. Prächtig, wie hier Stimmung und Action des Films sich in neuen Rhythmen und einer tricky Instrumentierung (Klavier Christoph Traxler) spiegelt. Für mich die faszinierendste Nummer der CD. Die Kompilation wartet noch mit zwei Raritäten auf: Dem Karnevalsmorgen von Luiz Bonfá und „The Chase“ (Jagd) von Olivier Truan. Ersteres Stück ist durch den Soundtrack des Films Orfeu Negro berühmt geworden. Die drei Musiker werden hier vom fabelhaften Jazzpianisten Frantisek Janoska begleitet. Brasilianische Stimmung garantiert. Das witzig virtuose Schlussstück von Olivier Truan überlässt der Vater den Söhnen Andreas und Daniel. Ein gelungenes gemeinschaftliches Debüt.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

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