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THE CABIN IN THE WOODS

03.09.2012 | FILM/TV

Ab 7. September 2012 in den österreichischen Kinos
THE CABIN IN THE WOODS
USA  /  2011 
Regie: Drew Goddard
Mit: Chris Hemsworth, Richard Jenkins, Fran Kranz, Jesse Williams u.a.

Man erinnert sich an „Big Brother“ – wo normale (?) Leute (gegen Bezahlung) anderen normalen (?) Leuten „normales Leben“ vorspielten und sich rund um die Uhr dabei beobachten ließen: eines der scheußlichsten Beispiele von geilem Voyeurismus in der jüngsten Fernsehgeschichte. Wobei die Lust des Menschen, seinesgleichen tatsächlich unbemerkt zu beobachten, zu seinen Lieblingsspielen gehört. Dies erweist sich sehr bald als der Angelpunkt dieses Horrorfilms, der solcherart eine weitere Ebene eingezogen bekommt.

Als Kinobesucher lernt man, besorgt zu sein, wenn junge Leute sich aufmachen, ein einsames Wochenende im Wald zu verbringen – es geht nie gut aus, es ist die klassische Ausgangssituation für unsäglichen Horror. Auch hier sind es fünf Jugendliche (Chris Hemsworth, Kristen Connolly, Anna Hutchison, Fran Kranz, Jesse Williams – nur Hemsworth, danach „Thor“ in dem Götterspektakel, ist bekannt), die auf das Abenteuer aus sind, sich ein bisschen vor der Welt zu verstecken. Wenn man ultimativ vernetzt ist, kann es ja auch schon mal ein tolles Gefühl sein, wenn keine Handys funktionieren und man sich allein in Nirgendwo fühlt… Also geht’s los, zwei Girls, drei Boys im College-Alter, als Charaktere unterschiedlich genug, um auch Prototypen darzustellen, und sie wollen wohl nur den konventionellen „Spaß“ haben, was immer man darunter versteht. Und es gehört absolut dazu, dass sie zu Beginn pathetisch gewarnt werden, sich auf das Abenteuer einzulassen.

Eine zweite Handlung läuft parallel, aber erst nach einiger Zeit begreift der Zuschauer (man muss es verraten, denn das ist die Geschichte), dass die Männer, die da in einer Laborsituation vor der üblichen Wand von Fernsehmonitoren sitzen (einer davon ist Richard Jenkins, eines der interessanten Gesichter des US-Kinos), ihren Fokus auf die Leute richten, die in die scheinbar einsame Waldhütte kommen, ja tatsächlich unter ihnen hausen.

Einerseits ist es also der übliche Horrorthriller – die rätselhaften Begebenheiten, wobei ein seltsames Haus zur Grundausstattung dieser Art von Filmen gehört. Da will man erst neugierig eine scheinbar verfallene Holzhütte erobern, die an allen Ecken und Enden knarrt und über rätselhafte Wände verfügt, durch die man per Einwegspiegel in die anderen Zimmer schauen kann. Auch die schaurigen Gemälde haben es in sich. Und natürlich erlebt man unliebsame Überraschungen, zumal in Richtung Keller. Und wenn es nur das wäre, wär’s vergleichsweise ein bisschen wenig – und zu Beginn sieht es nach nicht mehr aus.

Aber es ist viel mehr: Man erlebt den Sadismus, der in „The Big Brother Is Watching You“ steckt, die Bösartigkeit derer, die hier im Labor sitzen, Menschen künstlich in Situationen tödlicher Angst versetzen, sich daran ergötzen und ihre Psychospielchen als Experiment menschlicher Verhaltensweisen treiben. Jedes Grauen, das die jungen Leute erleben, ist mit technischen Tricks „gemacht“ – und auf Leben und Tod geht es allemale. Das ist das eigentlich Schaurige dran. Und dann wetten die Kerle im Keller auch noch als Gesellschaftsspiel, was die einzelnen tun werden, wenn man ihnen diese oder jene wahnwitzige Option bietet…

Und das Interessante an diesem Film von Drew Goddard ist im Grunde, dass die Story spannend bleibt, auch wenn man sie durchschaut und nun auf ganz andere Art mit den jungen Protagonisten bangt, die es mit übermächtigen Gegnern zu tun haben. Kurz, Horror-Fans werden hier auf andere Weise, zumindest auf einer wesentlichen Ebene mehr  gefordert, als sie es gewöhnt sind. Da die wahren Freaks des Genres ja oft pfiffige Intellektuelle sind, ist das genau der „surreale“ Film für sie.

Renate Wagner

 

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