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THE BIG WEDDING

04.06.2013 | FILM/TV

 

Ab 7. Juni 2013 in den österreichischen Kinos
THE BIG WEDDING
(USA  /  2013)
Drehbuch und Regie: Justin Zackham
Mit: Robert De Niro, Diane Keaton, Susan Sarandon, Robin Williams, Ben Barnes, Katherine Heigl, Topher Grace, Amanda Seyfried u.a.

Wenn man selbst nicht mehr der/die Jüngste ist, freut man sich, in Filmen jenen Stars zu begegnen, mit denen man gemeinsam alt geworden ist – wenn es sich gelegentlich auch mit einem Seufzer vermischen mag: Ach, De Niro, Du großer Taxi-Driver, Du großer „letzter Tycoon“, Du Schöpfer unvergänglicher Gestalten, Du Teil der Filmgeschichte, wo sie am besten war, warum musst Du auf Deine alten Tagen ununterbrochen in albernen Komödien herumhüpfen? Aber natürlich – wenn er es tut, dann gewinnt auch noch das Trivialste Kraft…

In diesem Sinn: „The Big Wedding“ ist eine der oberflächlichen US-Komödien von heute, die entweder unter Teenies mit Apple Pies oder unter Oldies spielen, die auch noch ganz lustig sind: Ja, man glaubt es gern, dass Robert De Niro, Diane Keaton oder Susan Sarandon nicht nur fröhlich jung waren, sondern auch fröhlich alt sein können (Papa schlüpft mit Ex-Frau gleich unter die Bettdecke, was die gegenwärtige Dame seines Lebens begreiflicherweise nicht so gerne sieht). Zusammengetrieben wird die Familie wie üblich durch ein Hochzeitsfest, und dieses, von Betulichkeitsspezialist Justin Zackham (etwa „Das Beste kommt zum Schluss“ mit Jack Nicholson und Morgan Freeman) geschrieben und inszeniert, ist wirklich außergewöhnlich besetzt.

Also, Künstler-Bohemien-Papa (Robert De Niro) und seine gegenwärtige Gefährtin Bebe (Susan Sarandon – man überrascht die beiden gleich bei Sex am Küchentisch) verheiraten ihren liebenswerten Adoptivsohn Alejandro (Ben Barnes, Filmfreunden als Dorian Gray in der jüngsten Verfilmung dieses Oscar-Wilde-Romans in Erinnerung). Dazu taucht Ex-Gattin Ellie auf (die unverändert hinreißende Diane Keaton), die schließlich damals die Mama war, als man ihn adoptierte – und Leyla (Katherine Heigl, die brave Blonde, muss diesmal unglücklich sein) und Jared (Topher Grace, immerhin) sind ja auch offenbar ihre Kinder…

Da ist schon ein ganz schönes Stück Familie zusammen. Aber weil man ja so multi-kulti und liberal-großzügig ist (um nicht missverstanden zu werden: Es ist schön, wenn amerikanische Filme das zeigen, sie können ja auch schlechtere Eigenschaften der Nation verherrlichen wie etwa ihren Militarismus!), ist natürlich auch die „echte“ kolumbianische Mama von Alejandro eingeladen (Patricia Rae), die mit einer bildschönen Tochter auftaucht (Ana Ayora) – und im Gegensatz zur bigotten Mama ist diese zu allem aufgelegt, vor allem zur Verführung von Sohn Jared.

Der katholischen Latino- Mama darf man aber nicht sagen, dass die Adoptiveltern ihres Sohnes – i gitt! – geschieden sind, also, was tun: Ellie muss wieder in ihre Rolle als Gattin schlüpfen (was sie und Don, wie erwähnt, prompt missbrauchen, als sie ein Bett teilen), und Bebe, die erst empört davonrauscht, überlegt es sich und erscheint dann als Kellnerin beim Hochzeitsessen…

Hochzeit: Unter Robin Williams als Priester tut man es nicht mehr, aber Father Monaghan ist nicht ganz so penetrant wie andere Gottesmänner, die dieser Schauspieler schon auf die Leinwand gebracht hat. (Hallo, Robin Williams! Good Morning, Vietnam, erinnern Sie sich noch an den Club der toten Dichter oder den König der Fischer? Auch in „Mrs. Doubtfire“ und „Zeit des Erwachens“ – mit Robert De Niro – waren Sie sensationell!) Ja, und ein Bräutchen gibt es auch, das WASP-Töchterchen Missy (Amanda Seyfried, glupschäugig wie immer, verkommt in einer Neben-Nebenrolle), die recht unangenehme, hochnäsige Eltern mitbringt. Wenn diese dann bei der Hochzeitsfeier vorgeführt werden, hat das reiche weiße Amerika nicht so viel zu vermelden.

Kurz, man muss nur die Beteiligten aufzählen, um sich plastisch vorzustellen zu können, was da alles passiert, wobei der Regisseur viel Lust an nicht immer geschmackvollem Sex zeigt und am Ende den Familienkitsch so triefen lässt, wie es das amerikanische Kino verlangt: Alle happy, alle schwören sich ewige Liebe und Treue. Nicht der Rede wert. Aber die Besetzung!

Renate Wagner

 

 

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