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THE ART OF THE LOUVRE’S TUILERIES GARDEN

27.11.2013 | buch

BuchCover Tulerien gross~1

THE ART OF THE LOUVRE’S TUILERIES GARDEN
High Museum of Art, Atlanta /
Yale University Press,
176 Seiten, Querformat, 2013 

Ausstellungen sind etwas Wunderbares – aber leider Vergängliches. Da arbeiten Kuratoren monate-, oft jahrelang daran, zu einem Thema Informationen über die entsprechenden Exponate in aller Welt zusammentragen, sich um Leih- und Transportfragen zu kümmern, sie dann möglichst sinnvoll und möglichst wirkungsvoll in passenden Räumlichkeiten zu präsentieren.. Dann kann das Publikum Dinge, die noch nie zusammen geführt wurden, ein paar kurze Monate lang von Angesicht zu Angesicht betrachten – und dann wird alles wieder abgebaut, verpackt, zurückgeschickt. Und was bleibt, ist der Katalog. Glücklicherweise…

Die Franzosen hätten sich nicht mit mehr Liebe eines so speziellen Themas annehmen können, wie es die Amerikaner nun taten. Es geht um einen Park – auf Deutsch kurz „die Tuilerien“ genannt. Er liegt im Herzen und Zentrum von Paris, ein bemerkenswertes Areal zwischen der Seine und der Rue de Rivoli, dem Place de la Concorde mit seinem Obelisken und dem Louvre als den „Begrenzungen“. Viel zentraler kann man in Paris nicht angesiedelt sein. Dokumentiert wurde er nun mit aller Akribie und Reichhaltigkeit in Atlanta, Georgia, als Ausstellung des High Museums of Art. Das Katalog-Buch zeigt die Bilder, arbeitet die wissenschaftlichen Ergebnisse auf.

An sich ist dieser „Garten“ (die französische Bezeichnung lautet denn auch „Jardin“) rund um ein Schloss angelegt worden, das die mächtige Catherine de Medici (1519-1589) für sich bauen ließ, Königin von Frankreich als Gattin von Heinrich II., Mutter dreier (!) Könige, Franz II. (Gatte von Maria Stuart), Karl IX. und Heinrich III., schließlich Schwiegermutter jenes Heinrich IV., der die Dynastie der Bourbonen begründete. Die machtvolle Dame gab ab 1564 einen Palast im Stil ihrer Heimat, in italienischer Renaissance in Auftrag. Später wollte man es mit dem Louvre verbinden, aber das Gebäude verlor seine Bedeutung, als Ludwig XIV. sich Versailles errichten ließ. Immerhin, es existierte weiter, und während der Französischen Revolution lebte hier Marie Antoinette mit ihrer Familie in Gefangenschaft. Ein knappes Jahrhundert später, es war wieder Revolution, wurden das Schloss (dessen enorme Größe man an erhaltenen Fotografien ermessen kann) im Mai 1871 im Zuge des Aufstands der Pariser Kommune in Brand gesteckt und in der Folge abgerissen. Zwei Seitenteile blieben – sie werden als Museen genützt.

Tuileries Palast 
Der Garten hat überlebt, der Palast der Catherine de Medici nicht…

Der Garten hingegen überlebte alles und erfreute sich auch des Interesses sowohl der Könige wie der Pariser Bevölkerung und vor allem der Künstler. Der Katalog zur Ausstellung im High Museum of Art in Atlanta geht nun reich bebildert der Geschichte des Gartens ebenso nach wie seiner Konzeption als bewusste „Gartenarchitektur“, die immer wieder neu überdacht wurde. Am wesentlichsten war in diesem Zusammenhang der vor 400 Jahren geborene, hoch bedeutende Gartengestalter André le Notre (1613-1700), der auch für viele andere französische Parkanlagen (u.a. Versailles) und auch für die Gestaltung von St. James’s Park in London verantwortlich war.

Historische Stiche zeigen die Veränderungen im Laufe der Jahrhunderte, aber stets handelte es sich um streng gestaltete „Kompositionen“ abgezirkelter Flächen, wie sie für französische Gärten typisch waren, nie ließ man, wie die Engländer, der Natur ihren Lauf. Die Welt der Künstlichkeit erschließt sich auch im doppelten Sinn, wenn man auf alten Stichen jene Edeldamen im Park sieht, deren Perücken so hoch waren wie sie selbst groß… Ein anderes satirisches Gemälde (von Alexis Peyrotte) zeigt eine Schar von Affen, höfisch gewandet, in menschlichen Posen, und nennt sich „das Carousel der Affen oder Politik im Tuilerien Garten“…

Der Garten, der schon 1667 als erster öffentlicher Park Europas auch dem Volk zugänglich gemacht worden war, war ein Ort der Belustigung – hier stiegen Ballone hoch (vielfach gemalt und dargestellt), hier gab es große Ausstellungen, hier erging man sich im Spaziergang, hier spielten Kinder. Malte man in früheren Jahrhunderten vor allem die höfischen Ereignisse und Empfänge rund um Schloss und Garten, wurde das 19. Jahrhundert zur hohen Zeit des Jardin als Motiv für große Maler – Edouard Manet, Vuillard, Claude Monet, Camille Pissarro, auch Menzel, später Kokoschka huldigten dem Park zu allen Jahreszeiten, teils als Landschaft allein, teils als Genrebild. Große Kunst ist hier zu besichtigen.

Besonders großen Raum widmet das Buch den historischen Fotografien des Parks, wobei es auch zahlreiche Ansichten der Palastruine nach dem Brand (und vor der Demolierung) zu sehen gibt. Alltagsleben im Park, aber auch künstlerisch-poetische Fotos, die mit Licht- und Schatteneffekten arbeiten, und reichliche Dokumentation des Figurenschmucks, auf den man hier immer großen Wert legte – bis in die Gegenwart.

So steht am Ende auch ein Interview mit Henri Loyrette, bis vor kurzem Direktor des Louvre, der sich nun für den Tuilerien-Park vor seiner Haustüre verantwortlich fühlt. Ihm ist klar, dass es nie nur darum gehen kann, die Historie zu bewahren:  Es sei die Tradition, die befehle, diesen Garten immer weiter zu entwickeln, so wie es seit der Renaissance immer wieder geschehen ist…

Renate Wagner

 

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