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TERNITZ/ Stadthalle: MARIA STUARDA / konzertant. Eine Produktion der „Amici del Belcanto“

09.11.2014 | Oper

AMICI DEL BELCANTO: 8.11. – Stadthalle Ternitz: MARIA STUARDA

(Heinrich Schramm-Schiessl)

 Unbenannt
Clara Polito

 Was ist das Geheimnis des Erfolges der „Amici del Belcanto“ mit ihren konzertanten Opernaufführungen? Ganz einfach, es ist die wechselseitige Begeisterung eines Publikums, das fast ausschließlich aus Opernfreunden besteht und einer Sängerschar die ohne Gage, nur gegen Spesenersatz, auftritt – und das mit einer Begeisterung, wie man es auf professionellen Bühnen selten erlebt. Auch wenn man das eine oder andere durchaus auch kritisch sehen kann – so ist zum Beispiel die Akkustik in dieser Mehrzweckhalle alles andere als ideal – so herscht eine Athmosphäre, wie man sie heute kaum woanders erlebt.

 Für diese seit 1992 vierzehnte Aufführung wählte man nach zweimal Verdi diesmal wieder ein Werk Gaetano Donizettis aus, zumal man auch mit dem „Verein der Freunde der Musik Gaetano Donizettis“ dessen 40-jähriges Bestandsjubiläum feierte. Leider konnte der ursprünglich Plan, den „Belisario“, der in Österreich erst einmal (Graz 1997) aufgeführt wurde, zu bringen, infolge Besetzungsproblemen nicht verwirklicht werden, und so gaben die „Amici“  „Maria Stuarda“, eine Oper, die wir zwischen 1985 und 1996 auch an der Staatsoper im Repertoire hatten. Warum sie von dort verschwunden ist, weiß wahrscheinlich nur der damalige Direktor.

Die Aufführung selbst war sehr gut, zumal die beiden zentralen Frauenrollen ausgezeichnet besetzt waren. Clara Polito sang die Titelrolle mit schön geführter Spinto-Stimme und effektvoll gesetzen Acuti. Silvia Beltrami stand ihr als Elisabetta um nichts nach. Sie verfügt über eine typische italienische Mezzostimme mit einer breiten Mittallage und ebenfalls sehr sicheren Höhen. Belcanto-Puristen rümpfen wahrscheinlich etwas die Nase, aber ich liebe einfach auch bei diesen Werken diesen dramatischen Aplomb, weil er einfach eine weitere Dimension öffnet.

Von den Herren – in diesem Werk vom Komponisten etwas stiefmütterlich behandelt – war eindeutig Duccio Dal Monte als Talbot der Beste. Seine große Stimme sprengte fast den Rahmen des Saales aber er bemühte sich um eine saubere Gesangslinie und versuchte in den Duetten auf den jeweiligen Partner einzugehen. Dem gegenüber gefiel mir Alessandro Luciano als Leicester weniger. Er war zwar um eine stilistisch gute Stimmführung bemüht, allerdings hat er kein wirklich spezifisches Timbre und in der Höhe wird die Stimme etwas steif. Marco Filippo Romano – laut seiner Vita eher im Buffo-Fach zu Hause – sang den Cecil etwas rauhstimmig. Die junge Tirolerin Magdalena Renwart legte als Anna eine Talentprobe ab.

 Das Orchester und der Chor der Staatsoper Banska Bystrica unter der Leitung von Marian Vach – seit Beginn dieser Aufführungen immer deren musikalischer Leiter – spielte engagiert wie immer und bemühte sich durchaus um eine gewisse Italianitá.

 Am Ende – und damit kehre ich praktisch an den Beginn dieses Berichtes zurück – gab es wie schhon während der ganzen Aufführung viel Jubel für alle Mitwirkenden.

 Heinrich Schramm-Schiessl

 

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