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TEL AVIV: SALOME – Neuinszenierung. Kurzbericht von der 2. Vorstellung in Alternativbesetzung

10.01.2019 | Oper


Der Besucherraum. Foto: Dr. Klaus Billand

TEL AVIV/ISRAEL: Kurzbericht SALOME– 1. Reprise/Alternativbesetzung 9. Januar 2019

 

Vorgestern Abend folgte die erste Reprise von 11 Vorstellungen der zeitweise auch aufgrund der überwältigenden Lichtregie von Avi Yona Bueno (Bambi)so beeindruckenden „Salome“-Neuinszenierung von Itay Tiran. Mit der zweiten Besetzung in den wichtigsten Rollen war der Saal der Israeli Opera Tel-Aviv-Yafo mit über 1.500 Plätzen wieder nahezu vollbesetzt. Es wurde der Abend des Sebastian Holecek als Jochanaan. Mit einer klaren Diktion, die sogar seine Anklagen zu Beginn in der Zisterne trotz des – sicher unnötigen – Verstärkungsnachalls noch verstehbar werden ließ, sang er den Propheten mit einem klangvollen und ausdrucksstarken Heldenbariton bei guter Resonanz, der auch in den Spitzentönen bestens ansprach. Dennoch fand Holecek zu berührender Lyrik mit seinem offenbar auch von emotionalen Faktoren bestimmten balsamischen Timbre, als es zu der Galiläa-Erzählung kam – sozusagen das „Waldweben“ des Jochanaan. Hier zeigte sich der Facettenreichtum einer Stimme mit hoher Qualität. Es ist zumindest verwunderlich, warum Sebastian Holecek nicht die Premiere sang. Und was seinen Heimatort Wien betrifft, so muss man angesichts dieses prächtigen Jochanaan mit Bedauern feststellen, dass der Prophet im eigenen Lande wieder einmal nichts zu gelten scheint…

 Die Israelin Merav Barnea war schon aufgrund ihres Alters nicht die Kindfrau der Elisabet Strid, vermochte aber nach gewissen stimmlichen Anlaufschwierigkeiten die Rolle schauspielerisch überzeugend auszufüllen. Mit einem deutlich tiefer gelegenenSopran konnte sie einigen Momenten in der Auseinandersetzung mit Jochanaan eine besondere Note verleihen. Allerdings wurde zunehmend ein starkes Tremolo hörbar.

Hubert Francis sang einen jüngeren, aber ebenso dekadenten Herodes als Chris Merritt am Vorabend, mit einem kraftbetonten Tenor bei etwas geringerem tenoralem Aplomb. Er wusste der Figur darstellerischstarkes Profil zu verleihen. Diesmal konnte man in der letzten Sekunde sogar noch das Einstechen der Sklaven sowie das gleichzeitige Ausholen des hinter ihm stehenden Henkers mit der Machete auf ihn sehen… Herodias war nun Edit Zamir mit einer großartigen schauspielerischenLeistung und einem zur Rolle genau passenden Mezzo. Eitan Drori sang einen jüngeren Narraboth mit einem guten, aber nicht so trompetenhaften Tenor wie Robert McPherson in der Premiere. Diesmal trat auch das leading team vor das Publikum und bekam einhelligen Applaus, zusammen mit Dan Ettinger und dem Israel Symphony Orchestra. Nach der Premiere war das Erscheinen des Leading teamaus logistischen Gründen nicht möglich.

Es gab wieder fast 10 Minuten Applaus für diese wahrlich sehens- und hörenswerte„Salome“ im Heiligen Land, was der Produktion in Tel Aviv eine zusätzliche, ganz besondere Note verleiht.

Klaus Billand aus Tel Aviv

 

 

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