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TED

01.08.2012 | FILM/TV

Ab 3. August 2012 in den österreichischen Kinos
TED
USA  /  2012
Regie: Seth MacFarlane
Mit: Mark Wahlberg, Mila Kunis, Giovanni Ribisi u.a.

Man kann „Ted“ als das nehmen, was er rein äußerlich ist: als einen Kinderfilm für Erwachsene, denn so sehr den Kindern die verbale und tatsächliche Zügellosigkeit des Teddybären auch gefallen würde – da ist schon ein bisschen sehr viel Unterleibshumor dabei, fäkal, sexuell, you name it. Da käme selbst Adam Sandler, dessen Filme unter der Gürtellinie ganz oben rangieren, ins Staunen.

Aber im Grunde ist „Ted“, die Geschichte des sprechenden Teddybären, natürlich ein Gleichnis, und dieses erzählt vom „Kind im Manne“. Kinder, zumal einsame, sprechen mit ihren Plüschtieren oder Puppen, und sie bilden sich auch ein, Antwort zu bekommen. Aber das findet meist nur in ihrem Kopf statt. Die Grundidee dieses Films von Seth MacFarlane (der im Original auch die Stimme von Ted beisteuert), besteht darin, dass Ted – wir leben in einer wundergläubigen Welt – eines Tages während eines Gewitters zum Leben erwacht, weil der einsame kleine John sich das so sehr wünscht. Und der lebendige, sprechende Ted ist für alle als solcher erkennbar.

Witzig sind des Filmes zeitbezogene Seitenhiebe (und da gibt es eine Menge): So wird Ted sofort ein Medienstar – aber eben nur für die üblich kurze Zeit. Ist das Thema einmal ausgelutscht, interessiert sich niemand mehr für ihn. Nur John, für den er der beste Freund bleibt. Und diesem John begegnen wir bald 35jährig und in Gestalt von Mark Wahlberg (leicht erstaunt, denn man hätte diesen Schauspieler als anspruchsvoller in Bezug auf Drehbücher eingestuft). Zusammen mit Ted führt er das echte Peter Pan-Leben derer, die nicht älter werden wollen: Die beiden saufen, fluchen, furzen begeistert herum, ja huren auch gelegentlich (Ted einmal mit vier Damen zugleich – und der Fußboden wird dabei sehr dreckig).

Da John aber normal genug ist, eine Freundin zu haben (und noch dazu eine, die aussieht wie Mila Kunis! Ein Teufelsmädchen und verständnisvoll auch noch), stößt Ted – also sein Rest von „Ich will nicht erwachsen werden!“ – mit seiner Beziehung – des Lebens Forderung: „Jetzt benimmt dich doch endlich wie ein Erwachsener!“ – zusammen, und das bisweilen recht heftig.

Es ist „herzzerreißend“, sich nach und nach von Ted zu trennen, denn er ist schließlich ein Stück des männlichen Selbsts, der kleine Junge, der nicht aufgeben und nicht verschwinden will. Und weil Ted außerdem als Teddybär eine Persönlichkeit entwickelt, die für sich selbst steht – ja, da soll man als Kinobesucher doch fast schluchzen, wenn es ihm an den Kragen geht…

Im Film pendelt sich das „Gleichnis Ted“ harmonisch aus, die Frau begreift, dass sie dem Mann ein Stückchen Ted lassen muss, Ted begreift, dass er nicht immer Alleinherrscher im Manne sein kann – und möglicherweise werden viele Kinobesucher all das ohnedies nicht als Gleichnis begreifen, sondern als die vordergründige „Buddy-Komödie“, die mit ihren Zoten jene anspricht, die sich über dergleichen kugelig lachen können. (Was wohl nur beweist, wie viel „Ted“ noch in ihnen steckt…)

Renate Wagner  

 

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