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TED 2

24.06.2015 | FILM/TV, KRITIKEN

FilmPlakat Ted 2~1

Ab 25. Juni 2015 in den österreichischen Kinos
TED 2
USA  /  2015 
Drehbuch und Regie: Seth MacFarlane
Mit: Mark Wahlberg, Amanda Seyfried, Jessica Barth, Morgan Freeman, Liam Neeson u.a.

Natürlich erinnert man sich an Ted! So ein kiffender (und das Kiffen lustvoll zur Lebensregel erhebender!), Bier-saufender und hundsordinärer Bär begegnet einem nicht alle Tage. 2012 wurde das Stofftier lebendig und der beste Freund von John. Schlechte Manieren, dass es höher nicht geht, aber ja doch liebenswert, weil Menschen sich an ihre eigenen Teddybären erinnern und es wohl kaum ein positiver besetztes Spielzeug gibt…

Wie erinnerlich, war im ersten Film der lebende Ted ein Dorn im Auge von Johns Freundin – und was soll man sagen: Drei Jahre später ist die Freundin weg, John und Ted sind immer noch da, und in Film 2 geht es so schamlos komisch zu wie beim ersten Mal.

Nur das Thema, das sich Seth MacFarlane (Drehbuchautor, Regisseur und im Original Teds Stimme) ausgedacht hat, ist nicht so lustig und vor allem nicht so ganz gescheit für eine Komödie, in die ein bisschen viel hineingepackt ist. Der  Genre-Mix fällt auf: Wenn man zu Beginn bei Teds Hochzeit (mit einer Menschenfrau, wohl gemerkt!) dabei ist, gibt es Tanzszenen wie weiland in den großen Musikfilmen von Fred Astaire (wie sie heute nur noch die Eisrevue bietet). Zwischendurch darf auch ausführlich die Heldin auf der Gitarre klimpern. Und ein ausführlicher finaler Besuch bei einer New Yorker Comic-Messe, wo verkleidet alles herumläuft, was man sich vorstellen kann (von Darth Vader bis zu den Ninja Turtles), ist auch als Unterhaltungsaufputz für eine Geschichte gedacht, die ihr Thema nicht so recht findet – oder vielleicht auch das falsche. Thema nämlich…

Denn über kurz oder lang sind Ted und seine Prolo-Menschengattin Tami-Lynn (Jessica Barth, köstlich ordinär-billig-kreischend) gar nicht mehr so harmonisch in ihrer Ehe. Um diese zu retten, möchte Ted Vater werden. Die Sequenzen, in denen man sich auf die Suche nach Spender-Sperma macht, sind tief, tief, tief unter der Geschmacksgrenze geblödelt – wie es eben schon Teds Erfolgsrezept im ersten Film war. Aber dann kommt man angesichts des Adoptionsvorhabens zum wahren Thema: Denn da stellen die Behörden fest, dass Ted kein Mensch, sondern eine „Sache“ ist. Was das vollmundige Kerlchen schmerzt und vor Gericht treibt…

Immer an seiner Seite: der getreue John. Da Ted ja bekanntlich total aus dem Computer kommt, besteht die Schauspielkunst des Mark Wahlberg darin, in die Luft zu spielen, und das macht er sehr überzeugend. Aber auch er bekommt seine Menschenpartnerin: Die Jung-Anwältin Samantha nimmt sich ernsthaft des Teddybären und seines Menschen-Freundes an… ja, ja, Happyend, sowieso. Dass die junge Dame einmal als „Gollum“ bezeichnet wird, erscheint angesichts der Glupschaugen von Amanda Seyfried ein durchaus gelungener Vergleich.

Nun, es gelingt ihr – so nett sie es auch macht – beim ersten Anlauf nicht, Ted vor Gericht als „Menschen“ durchzusetzen. Aber da taucht ja noch als gütiger Deus ex Machina der große Morgan Freeman auf, und ihm glaubt das Gericht dann: Dieser Bär ist ein Mensch.

Bis es so weit ist, darf noch Giovanni Ribisi als gestörter Donny (man erinnert sich: einst der rabiate ursprüngliche Besitzer des Bären) unseren Ted bedrohen, damit er in letzter Minute gerettet werden kann. Und eine kleine Köstlichkeit am Rande gibt es auch noch: Offenbar aus Freundschaft zum Regisseur hat sich Liam Neeson für ein Cameo bereit erklärt und zieht mit brillant-ernster Miene einen köstlichen Blödelauftritt als Kunde im Laden ab…

Was die Handlung von „Ted“ betrifft, so ist sie natürlich nicht besonders intelligent: Demnächst erfindet Disney wieder einen sprechenden treuen Hund, und dann werden dessen Bürgerrechte eingeklagt… man kann gar nicht ausdenken, wohin das führt. Macht aber nichts, darauf kommt es nicht an. Dieser Film wendet sich (da er nicht unbedingt kindergerecht ist) an die vielen, vielen, an die Millionen Kinder in den Erwachsenen (die es wohl nicht nur in den USA, wo die schlichteren Gemüter zuhause sind, gibt). Und diese werden sich freuen, dass für eine weitere Fortsetzung alle Möglichkeiten offen sind …

In den österreichischen Kinos wird sich „Ted“ übrigens ganz anders anhören als in den deutschen. Auf dem Erfolg der heimischen „Schweinchen Babe“-Fassung aufbauend, hat man eine wienerische Synchronisation (mit Stefan Puntigam als Ted) hergestellt. Da wird kaum ein einschlägiger „Volksausdruck“ aus dem Unterleib-Bereich ausgelassen und in ordinärst-primitivem Wienerisch geschwelgt. Na, dafür gibt es ja ein Publikum  – Mundl schau oba: Ted, der anarchische Bär (Kinderspielzeug ist der keines!), spricht mit deinem Zungenschlag…

Renate Wagner

 

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