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Tchaikovsky: SNEGUROCHKA – Schauspielmusik nach „SCHNEEFLÖCKCHEN“ …

27.12.2015 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

0888751765627 Tchaikovsky: SNEGUROCHKA – Schauspielmusik nach „SCHNEEFLÖCKCHEN“ von Alexander Ostrowski – MDR Leipzig Radio Symphony Orchester und Chor unter Kristjan Järvi – SONY CD

Die vorliegende Publikation ist dem Eröffnungskonzert im Leipziger Gewandhaus/Saison 2014/15 gewidmet, die thematisch auf die nordischen Jahreszeiten rekurrierte. Also hat man die selten aufgeführte Schauspielmusik Snegurotschkan von Tchaikovsky gewählt, quasi als musikalischen Leitfaden zum Programm.

Das Bolshoi Theater hatte 1873 das Stück bei Tchaikovsky und Ostrowski gemeinsam in Auftrag gegeben. Tchaikovski steuerte zum Libretto 19 musikalische Nummern bei: Introduktion, Tänze, Zwischenaktmusiken, Chöre und Strophenlieder. 

Wie bei Dvoraks Rusalka geht es bei Schneeflöcken – die nur in der Kälte des Winters überleben kann – um ein Fabelwesen, das sich eine menschliche Seele und die Fähigkeit zu lieben wünscht. An der Unvereinbarkeit von Menschen- und Märchenwelt im sagenhaften Reich des Zaren Berendej geht sie schließlich zugrunde. Der junge Mizgir, Bräutigam von Schneeflöckchens Freundin Kupava, verliebt sich kurz vor der Hochzeit  in diese Tochter von Väterchen Frost und der Frühlingsfee. Als sie seine Liebe erwidert, kommt es wie es kommen muss: sie schmilzt vor den Augen ihres Geliebten dahin. Wohl als Preis dafür, dass der Sonnengott den kalten Frühling beenden kann. Die Liebe einer einzelnen als Opfer für das Allgemeinwohl wird im Finale hymnisch besungen.

In volksmusikhaftem Ton wird eine freudige, frühlingshafte Stimmung mit melancholischen Einsprengseln beschworen. Tchaikovsky hat eine große Partitur für Orchester, Chor und Solisten erschaffen. Annely Peebo (Mezzo) und Vsevolod Grivnov (Tenor) leihen u.a. dem Lel, der Frühlingsfee, dem Frost und dem Brussiilo ihre Stimmen.

Kristjan Järvi leitet das vorzügliche MDR-Orchester sowie den MDR Radio Chor. Mit Hingabe und musikalisch träumerisch lässt er das romantische Märchen Raum gewinnen. Der Hörer, ob klein oder groß,  kann sich wie bei Hänsel und Gretel, dem schlauen Füchslein oder Rusalka von feenhafter Instrumentierung, tänzerischer Folklore und einem unglaublichen Melodienreichtum verzaubern lassen. Manchmal vermeint man in der musikalischen Sprache schon die großen Ballette Schwanensee und Nussknacker zu erahnen.

Die CD ist jedenfalls herrlich dazu geeignet, sich in diesem (zu) milden Winter in eine sonnenglänzende Schneelandschaft träumen zu können.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

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