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TAKE SHELTER

21.03.2012 | FILM/TV

Ab 23. März 2012 in den österreichischen Kinos
TAKE SHELTER
USA  /  2011 
Regie: Jeff Nichols
Mit: Michael Shannon, Jessica Chastain u.a.

Ältere Leute erinnern sich noch an die Zeit vor der Wende, als die großen Machtblöcke einander gegenüber standen und viele Menschen von der Eventualität eines Atomkriegs gerade gepeinigt waren und mit Angstzuständen reagierten. Als dann die wirtschaftlichen Probleme das Gleichgewicht des Schreckens ablösten, konnte man sich vor anderen Dingen fürchten (Klima, Umwelt etc. bieten sich zwanghaft an).

Nun aber gibt es wieder Filme, die – abgesehen von 2012 und den Untergangs-Prophezeiungen der Mayas – tatsächlich die große Katastrophe beschwören. Lars von Trier war mit seiner „Melancholia“ da der große, wenn auch recht affektiert gestaltete Wurf. Der Film von Jeff Nichols versetzt das Thema irgendwo ins amerikanische Nowhere, in eine Kleinstadt in Ohio, und konfrontiert uns mit den Ängsten eines Durchschnittsmannes, Bauarbeiter mit Frau und Tochter, die taubstumm ist…

„Take Shelter“ bedeutet, Unterschlupf suchen bzw. finden, und diesen sicheren Bunker baut sich Curtis LaForche (Michael Shannon mit schier unbeweglich-starrer, gequälter Miene) hinten auf seinem Grundstück. Das Geheimnis des Films besteht die längste Zeit darin, dass er uns nicht einweiht, was ihn umtreibt – und warum er es tut. Seine Frau begreift es übrigens auch nicht, und ist es faszinierend, wie Jessica Chastain (kaum eine Darstellerin hat in der letzten Zeit eine schnellere und überzeugendere Karriere im amerikanischen Film gemacht als sie) versucht, loyales Verständnis für unbegreifliches Handeln aufzubringen…

Nach und nach bekommt man mit, dass Curtis unter schweren Alpträumen leidet, in denen schwere Stürme eine Rolle spielen, dass schon seine Mutter (Kathy Baker) – wie sich herausstellt – schizophren ist, und dass diese Ängste nach und nach so von ihm Besitz nehmen, dass er seinen Job verliert und nicht weiß, wie er die teure Behandlung beim Psychiater zahlen soll. Vor allem aber ist er besessen davon, dass ein Sturm die Welt zerstören wird, und so sperrt er sich und seine Familie dann eines Tages in seinen Bunker ein. Um ihn nach einem Sturm mit dem Erstaunen zu verlassen, dass es die Welt noch gibt – aber man lässt als Kinobesucher eine ungelöste Situation und eine schwer belastende Imagination hinter sich.

Warum man sich das antun soll, wird eigentlich nicht klar, weil hier kein Spannungsfilm gedreht wurde, sondern einfach eine Psycho-Studie über unbesiegbare Ängste. Vielleicht geht es auch um eine Metapher über die „große Bedrohung“ schlechthin – aber doch recht trocken dargeboten. Wenn dergleichen im Kino nicht mindestens in Krimi und Mord verpackt wird, wirkt es einfach nur bedrückend – und nicht so schrecklich interessant, wie Film nun einmal sein sollte …

Renate Wagner

 

 

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