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SZILIEN /Palermo und Catania: I DUE FOSCARI und LA TRAVIATA

02.12.2012 | KRITIKEN, Oper

SIZILIEN:  PALERMO UND CATANIA

PALERMO:  ”I DUE FOSCARI” 24., 25., und 27. NOVEMBER


Renato Bruson. Foto: Teatro Palermo

 Am 24. 11. gab es sofort nach der Landung in Palermo die Generalprobe für die zweite Besetzung, die tatsächlich eine gewesen sein musste. Claudio Sgura ist ein sehr junger Bariton mit schöner, ausgeglichener Stimme. An so manch darstellerischer Reaktion konnte man sehr deutlich erkennen, wie er sich um den „alten Dogen“ Francesco Foscari bemüht. Sung Kyo Park ist ein „gstandener“ Tenor mit sehr robuster, höhensicherer Stimme ging er an den Jacopo Foscari ran. Monica delli Carri sang sehr flackrig die verzweifelte Lucrezia Contarini. Diese drei noch sehr jungen Sänger waren am 28.11. und 1. 12. für die Vorstellungen eingeteilt. Luiz Ottavio Faria war mit passend rauer Stimme der böse rachsüchtige Jacopo Loredano. Er sang alle Vorstellungen, also 25., 27., 29. 2. 12. sowie die 2. GP.

 Stefano Ranzani dirigierte mit viel Routine und dem passenden Gspühr für Verdis Jugendwerk.

Premiere und 27. 11.

 Beide Male erlebten wir Leo Nucci als verzweifelten Dogen Francesco Foscari, der von Pflicht und Vaterliebe zerrissen wird. Das ist so sensationell gewesen, dass es einem die Luft nahm. Der großartige reife Bariton hat damit Meilensteine gesetzt. Piero Pretti als zu Unrecht verurteilter Jacopo Foscari zeigte stimmliche tenorale Künste und ist ein Meister der Pianophrasierung. Eine tolle Stimme ist auch Lucrecia Garcia als Lucrezia Contarini.

 Die Inszenierung von Joseph Franconi Lee ist einfach, das Bühnenbild von William Orlandi toll (derauch die Kostüme gut traf).

 
CATANIA:  „LA TRAVIATA“ 28. und 30. NOVEMBER


Yolanda Auyanet, Shalva Mukeria. Foto: Teatro Catania

 Ein sehr erfreuliches Wiedersehen und hören gab es mit Shalva Mukeria als Alfredo. Gerne erinnerte ich mich an seine sensationellen Arturo in den Puritani (er würde sehr gerne wieder in Wien leben und an der Staatsoper singen). Dass seine Stimme für diese Rolle nicht ganz ideal ist, konnte er mit wunderbaren Stilgefühl ausgleichen. Yolanda Auyanet sang eine Violetta, wie es immer und überall sein soll. Silvio Zanon als Germont Pere allerdings schwächelte leider ab der Arie. Dieses Trio sang am 28. die Premiere.

Die zweite Vorstellung war mit einem anderen Trio besetzt. Daniele Schillaci stand der ersten Kollegin in nichts nach, sogar sang sie so manche Pianophrase noch schöner und intensiver. Der Alfredo war Deniz Leone, ein netter Typ, ein wenig Poohbär, der noch sehr unausgegoren klang. Die Stimme ist schön und trägt sehr gut, aber zum Feinschliff ist der Weg noch sehr lange. Dafür ist der Bariton Piero Terranova als alter Germont ein tolle Entdeckung.

 Die Inszenierung von Giuseppe DiPasquale ist traditionell – mit vielen guten Ideen, auch das kann man machen! Auch die Kostüme von Dora Argento sind zum Teil prachtvoll, aber für so manche Chordame gut aus dem Fundus geholt. Auch so soll es sein!

 Giampaolo Maria Bisante musizierte beide Abende mit viel Gefühl Verdis sehr heikles Stück. Wie immer sehr gut die Chöre unter Tiziana Carlini.

Alle Vorstellungen waren ausverkauft!!!!

Italien hat immer noch viel Liebe zur großen Oper und zu  einer Aufführungspraxis, die der Komposition entspricht. Also eine Reise wert – und im Winter kann man noch der hiesigen Eiseskälte einige Zeit entkommen.

Elena Habermann

 

 

 

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