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Susanna Kubelka: ADIEU WIEN – BONJOUR PARIS

26.07.2012 | buch

Susanna Kubelka:
ADIEU WIEN – BONJOUR PARIS
Roman. 444 Seiten. Amalthea Verlag, 2012

Susanna Kubelka ist wieder da. Eine zeitlang gab es die Unterhaltungsromane der Oberösterreicherin – zwischen intellektuell und erotisch changierend – in schneller Folge. Dann war sie längere Zeit in Schweigen verfallen, um ihr Publikum nun mit einem kaum verhehlten biographischen Schlüsselroman zu beglücken (das taten andere auch, etwa Brigitte Schwaiger). Ja, wenn man nachrechnet, dann ist die Heldin Kitty Valentin derselbe Jahrgang wie die Autorin, und sie hat auch dieselbe Dissertation über englische Autorinnen des 18. Jahrhunderts verfasst. Wer der berühmte amerikanische Journalist war, mit dem sie ein unglückliches, aber interessantes Verhältnis hatte, ist nicht unbedingt common knowledge, aber wohl auch nicht so wichtig. Beschrieben wird, wie auch schon in anderen Büchern der Autorin, am eigenen Schicksal die Geschichte einer Emanzipation.

Das Ganze spielt 1971, und sich als Leser in einer Welt ohne Handys und Computer zu bewegen, ist geradezu nostalgisch. Die Autorin, obwohl mittlerweile fünfzig plus und mehr, gleitet gekonnt in einen hektisch-ekstatischen Jungmädchenton zurück, für den sie selbst damals schon zu alt gewesen sein dürfte. Aber es ist ja auch aufregend – als Dolmetscherin in Wien den großen Mann kennen zu lernen, ihm durch Zufall in Paris wieder zu begegnen und dann ein ziemlich luxuriöses Geliebten-Leben mit ihm zu führen, beste Hotels und Restaurants, Geld spielt keine Rolle. Jungmädchenträume. Dass der Mann verheiratet ist (wie auch nicht?), kompliziert die Sache, dass er dann in Paris in zwei Haushalten lebt – mal mit Frau, mal mit Geliebter – ist auf die Dauer anstrengend. Aber Kitty macht schon klar, woran die Beziehung scheiterte: Dass sie nach und nach eine genau so gute und am Ende anerkannte Journalistin wurde wie er – nein, das hat der Macho nicht vertragen.

Tja, schließlich und endlich hat sie ihn verlassen. Einen anderen geheiratet. Ob das auch biographisch ist, weiß man nicht, aber wie gesagt – was soll’s. Was Susanna Kubelka da mit großer Ausführlichkeit beschreibt, dürfte die Zielgruppe ziemlich junger Frauen anpeilen. Solche, die sich ihre Träume sonst in Hochglanzillustrierten abholen. Das Schicksal der Kitty Valentin hat vergleichsweise den Nachteil, dass es – und das ehrt die Autorin wieder – auch die Schattenseiten der angeblichen Traummänner aufzeigt.

Renate Wagner  

 

 

 

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