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STUTTGART/ Wilhelma-Theater: ENOCH ARDEN – Melodram für Sprechstimme und Klavier von Richard Strauss nach Alfred Lord Tennyson

10.11.2019 | Konzert/Liederabende

STUTTGART: Internationale Hugo-Wolf-Akademie: „ENOCH ARDEN“ von Richard Strauss am 9. November 2019 im Wilhelma-Theater/STUTTGART

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Symbol des Ursprungs

 Zum 80. Geburtstag der bedeutenden Sängerin und Opernregisseurin Brigitte Fassbaender wurde dieser besondere Melodramen-Abend zusammen mit dem ausgezeichneten Pianisten Wolfram Rieger in beeindruckender Weise dargeboten. Schon die auf- und absteigenden Wellenbewegungen zu Beginn blieben stark im Gedächtnis. Geschildert wird in dem Melodram „Enoch Arden“ nach Alfred Lord Tennyson für Sprechstimme und Klavier von Richard Strauss die Freundschaft zwischen Enoch Arden, Philipp Ray und Annie Lee. Annie muss sich jedoch zwischen dem draufgängerischen Enoch und dem zurückhaltenden Philipp entscheiden. Nach Jahren glücklicher Ehe mit Enoch heuert dieser auf einem Frachter an, um den Unterhalt für seine Familie zu sichern. Und nachdem sie jahrelang vergeblich auf Enoch gewartet hatte, nimmt sie schließlich Philipps Heiratsantrag an. Als Enoch doch noch zurückkehrt, gibt er sich seiner Familie wohl auch wegen Philipp nicht zu erkennen. Erst auf dem Sterbebett sagt er die Wahrheit.

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Brigitte Fassbaender. Foto: Marc Gilsdorf

Brigitte Fassbaender gelang es bei der Aufführung in ganz hervorragender Weise, den seelischen Gehalt und geradezu metaphysischen Geist dieses Werkes zu  Gehör zu bringen. Der versierte Pianist Wolfram Rieger war ihr dabei ein einfühlsamer Begleiter. Dieses vom Fin-de-Siecle beeinflusste Melodram bestach hier vor allem aufgrund der präzis akzentuierten Herausarbeitung der einzelnen Motive. Ein Allegretto-Motiv beschrieb Annie, eine expressiv anmutende Triolenfigur Philipp und ein auftrumpfendes Motiv Enoch. Nach pathetischen Passagen verklang das Werk bei Enochs Tod in melancholischen Sequenzen. Wolfram Rieger arbeitete als Pianist vor allem die dynamischen Kontraste eindringlich heraus. Leidenschaftlichen Aufschwüngen folgten virtuose und fast artistische Passagen, die von der Sprechstimme Brigitte Fassbaenders sehr überzeugend bereichert wurden. Ekstatische Gefühlsaubrüche und deklamatorische Höhepunkte ergänzten sich so fabelhaft. Das Ende Enoch Ardens erinnert sogar ein wenig an „Tristan und Isolde“ von Richard Wagner: „Ein Schiff! Ein Schiff! Ich bin gerettet!“ Wie akustisch sehr weiträumige Harfenklänge interpretierte Wolfram Rieger die Arpeggien, die sich harmonisch sphärenhaft ausbreiteten. Das für die Musik von Richard Strauss so typische Symbol des Ursprungs strahlte hier immer wieder leuchtkräftig hervor, vereinigte die verschiedenartigen thematischen Zusammenhänge. So konnten sich die greifbaren, plastischen Melodien gut entfalten. Auch die crescendoartigen Steigerungen und chromatischen Verästelungen arbeitete Wolfram Rieger am Klavier minuziös heraus. Insbesondere die berückende Klangpracht der Musik von Richard Strauss trat hier in aller strahlenden Deutlichkeit hervor.

Als Zugabe war noch das kurze Melodram „Das Schloss am Meer“ für Sprechstimme und Klavier zu hören, das ebenfalls von Richard Strauss stammt. Herzlicher Schlussapplaus, „Bravo“-Rufe.  

Alexander Walther

 

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