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STUTTGART/ Staatsoper: VERLEIHUNG DER HUGO WOLF-MEDAILLE AN GUNDULA JANOWITZ

"Du holde Kunst, ich danke Dir"

06.10.2019 | Konzert/Liederabende

Verleihung der Hugo-Wolf-Medaille an Gundula Janowitz in der Staatsoper Stuttgart (6.10.2019)

„DU HOLDE KUNST, ICH DANKE DIR“

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Die Hugo Wolf-Medaille

Verleihung der Hugo-Wolf-Medaille an Gundula Janowitz am 6.10.2019 in der Staatsoper/STUTTGART Juliane Banse (Sopran) und Benjamin Appl (Bariton) gestalteten zusammen mit Wolfram Rieger (Klavier) in eindrucksvoller Weise den musikalischen Teil dieser Matinee. Juliane Banse verlieh den Liedern „Ständchen“, „Die Mainacht“ und „Unbewegte laue Luft“ von Johannes Brahms mit einer reichen dynamischen Klangfarbenskala ungeahnte Lebendigkeit. Die leidenschaftliche Emphase dieser Musik kam dann auch im Duett „Vergebliches Ständchen“ mit Benjamin Appl in überzeugender Weise zu Gehör. Lyrisch-intime Charakterzüge und expansive Gestaltungsweise wechselten sich hier facettenreich ab. Benjamin Appl interpretierte dann Robert Schumanns „Frühlingsfahrt“, „Meine Rose“ und „Belsazar“ mit nie nachlassender gesanglicher Strahlkraft. Intime romantische Seelengründe blitzten hier immer wieder in geheimnisvoller Weise auf, wobei sich die tönenden Arabesken und Girlanden in ein reizvolles Melos verwandelten. Chromatische Fortschreitungen, Vorhaltwirkungen mit raschem Moll-Dur-Wechsel oder kontrapunktierende Linien zeigten sich bei dieser ausdrucksvollen Wiedergabe in beglückender Weise. Das Duett „Unterm Fenster“ zeigte Juliane Banse und Benjamin Appl zusammen mit dem einfühlsam begleitenden Pianisten Wolfram Rieger als ein überaus versiertes Künstlerduo, das den Klängen sensibel nachlauschte. Pathos und chromatische Ausdruckssteigerung lebten auch bei der subtilen Interpretation von Hugo Wolfs „Italienischem Liederbuch“ mit Juliane Banse, Benjamin Appl und Wolfram Rieger auf, die sich bei den einzelnen Liedern sehr gut ergänzten. Der Ausdruck differenzierter subjektiver Empfindungen bestätigte sich bei „Ein Ständchen Euch zu bringen“, „Heut Nacht erhob ich mich“, „Gesegnet sei, durch den die Welt entstund“ oder „Ihr seid die Allerschönste weit und breit“ – Lieder, die Benjamin Appl mit innigem Ausdruck und weichem Timbre vortrug. Auch Juliane Banse interpretierte die Lieder „Mein Liebster singt am Haus im Mondenscheine“, „O wär dein Haus durchsichtig wie ein Glas“, „Gesegnet sei das Grün und wer es trägt“ oder „Du denkst, mit einem Fädchen mich zu fangen“ voller gesanglicher Reinheit und Klarheit, wobei auch hier die feinen dynamischen Abstufungen positiv ins Gewicht fielen. Rhythmische Präzision und kantable Passagen vereinigten sich zudem bei Juliane Banses Wiedergabe von „Verschling‘ der Abgrund meines Liebsten Hütte“, „Du sagst mir, dass ich keine Fürstin sei“, „Nun lass uns Frieden schließen“ und „Ich hab in Penna einen Liebsten wohnen“. Benjamin Appl gestaltete die weiteren Nummern „Geselle, woll’n wir uns in Kutten hüllen“, „Hoffärtig seid Ihr, schönes Kind“, „Sterb‘ ich, so hüllt in Blumen meine Glieder“ und „Wir haben beide lange Zeit geschwiegen“ mit leidenschaftlicher Erregung und reizvollen Modulationen.

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Gundula Janowitz. Foto: Katharina Janowitz

Der Vorstandsvorsitzende der Internationalen Hugo-Wolf-Akademie Prof. Dr. Hansjörg Bäzner betonte, dass die Preisverleihung bereits zum achten Mal stattfinden würde. Die Interpretationen von Gundula Janowitz seien oft mit einem „Gesang der Engel“ verglichen worden. Darauf ging auch der Wiener Musikkritiker Dr. Wilhelm Sinkovicz in seiner Laudatio ein, der daran erinnerte, dass Hugo Wolf auch ein scharfzüngiger Musikkritiker gewesen sei. Er selbst habe eine Gundula-Janowitz-Biografie schreiben wollen, die diese beim Mittagessen jedoch in einem Halbsatz abgelehnt habe. Sinkovicz stellte die besonderen menschlichen Qualitäten von Gundula Janowitz bei seiner Rede in den Vordergrund. Sie sei eine in Berlin geborene Grazerin. In der Schule habe sie im Singen nur die Note „befriedigend“ erhalten, was aber ihren Ehrgeiz nur angestachelt habe. So habe sie dann unter Hans Knappertsbusch bei den Bayreuther Festspielen gesungen – und  Herbert von Karajan habe ihr Talent an der Wiener Staatsoper entdeckt und gefördert. Sie sei eine berühmte Kaiserin in Richard Strauss‘ „Frau ohne Schatten“ gewesen – und die „Vier letzten Lieder“ von Richard Strauss würden zu ihren besten Interpretationen zählen.

Gundula Janowitz selbst bedankte sich beim Publikum mit dem berührenden Satz: „Du holde Kunst, ich danke dir“.    

Alexander Walther

 

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