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STUTTGART/ Staatsoper: MIDNIGHT IN VIENNA – Neujahrskonzert des Staatsorchesters, Cornelius Meister,

01.01.2020 | Konzert/Liederabende

Neujahrskonzert „Midnight in Vienna“ des Staatsorchesters Stuttgart am 1.Januar 2020 in der Staatsoper/STUTTGART

Sprühend und schwungvoll

 Eigentlich war dieses Neujahrskonzert eine Hommage an den legendären Dirigenten Carlos Kleiber. Es enthielt nämlich ausschließlich Werke, die dieser in seinem ersten Wiener Neujahrskonzert 1989 dirigiert hat. Die Beziehungen des württembergischen Hofes zu Wien waren übrigens ausgesprochen eng. So war König Friedrich in Wien sehr beliebt, weil er so viel Trinkgeld gegeben habe. Schwungvoll und stürmisch zugleich kam die Ouvertüre zur Operette „Die Fledermaus“ von Johann Strauss (Sohn) daher, wobei die spritzigen Rhythmen hier vom Staatsorchester Stuttgart unter der Leitung von Cornelius Meister ausgesprochen elektrisierend verdeutlicht wurden. Mit viel Ironie und Hintersinn interpretierte das gut aufeinander abgestimmte Staatsorchester unter Meister anschließend die Polka francaise „Im Krapfenwaldl“ op. 336 von Johann Strauss (Sohn), wobei die kunstvollen thematischen Verbindungen immer wieder in reizvoller Weise hervorblitzten. Der Walzer „Accelerationen“ op. 234 von Johann Strauß (Sohn) bestach ebenfalls mit rasanten Tempi und atemlosen chromatischen Läufen, die sich jedoch nie verflüchtigten. Die musikalischen Einfälle sprühten hier nur so hervor, wobei die unbeschwerte Heiterkeit immer wieder glanzvoll triumphierte. Reizvoll war auch die vergnügliche Begegnung mit der „Moulinet-Polka“ als knisternd interpretierte Polka francaise op. 57 von Josef Strauss, wobei Cornelius Meister die harmonische Vielschichtigkeit dieses Werkes mit feiner Ironie betonte. Das Staatsorchester Stuttgart folgte seinen Intentionen mit viel Einfühlungsvermögen. „Eljen a Magyar!“ hieß es dann bei der ansprechend musizierten Ungarischen Polka schnell op. 332 von Johann Strauss (Sohn), wo man meinte, dass die Musiker des Staatsorchesters Stuttgart plötzlich wirklich Paprika im Blut bekommen hätten. Wie Ping-Pong-Bälle spielten sie sich dann außerdem bei der „Bauern-Polka“ von Johann Strauss (Sohn) die Noten zu, wobei Cornelius Meister die ausdrucksvolle melodische Entwicklung nie außer Acht ließ. Bei „Die Libelle“ als Polka mazur op. 204 von Josef Strauss ging wiederum in atemlos-rasanter Weise die Post ab. Das Staatsorchester Stuttgart arbeitete unter Cornelius Meister die rhythmische Entwicklung der Komposition eindringlich heraus.

Bildergebnis für beate ritter
Beate Ritter. Foto: Matthias Baus

Großartig gestaltete die begnadete Sopranistin Beate Ritter die halsbrecherischen Koloraturen beim berühmten „Frühlingsstimmen-Walzer“ für Sopran und Orchester op. 410 von Johann Strauss (Sohn), wobei der wiegend-schwungvolle Rhythmus nie zu kurz kam. Von Johann Strauss (Sohn) und Josef Strauss war die „Pizzicato-Polka“ als Polka francaise op. 234 mit großer Präzision zu hören, wobei die Pizzicati-Tupfer mit stechender Schärfe daherkamen. Das „Plappermäulchen“ op. 245 als gewitzte Polka schnell von Josef Strauss geriet zu einem weiteren akustischen Höhepunkt dieses abwechslungsreichen Konzertprogramms. Als Zugabe gab es noch den berühmten Walzer „An der schönen blauen Donau“ von Johann Strauss (Sohn) und den „Radetzky-Marsch“ von Johann Strauss (Vater) zu hören. Tosender Schlussapplaus und verdiente Ovationen.

Alexander Walther

 

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