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STUTTGART/ Staatsoper: IL BARBIERE DI SIVIGLIA – mit hinreißend komödiantischem Ensemble

09.04.2016 | Oper

Stuttgart: „IL BARBIERE DI SIVIGLIA“ 7.4.2016 – mit hinreißend komödiantischem Ensemble

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Eine der vielen Pointen: Diana Haller (Rosina) und Enzo Capuano (Dr. Bartolo). Copyright: A.T.Schaefer

Die 120. Aufführung von Beat Fähs Inszenierung im immer noch mit Beifall bedachten in verschiedenen Rottönen surrealistisch gestalteten Bühnenraum von Volker Pfüller war weniger ein Beispiel für perfektes Funktionieren, um so mehr ein äußerst lebendiges Vergnügen, das das Publikum mit besonders viel Heiterkeits-Ausbrüchen und wiederholt spontanen Ovationen quittierte. Zu vollem Recht, denn es war ein bestens miteinander könnendes Ensemble am Werk, das sich durch die Zuschauer-Reaktionen gegenseitig immer weiter hoch schaukelte und die Bälle an Pointen regelrecht zuwarf. Dass darüber hinaus auch die Einzelleistungen im oberen, in zwei Fällen gar im Spitzenbereich angesiedelt waren, ließ auch reine Stimmfetischisten auf ihre Kosten kommen.

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Vergnügliche Gesangsstunde mit Kontrabaß statt Klavier: Diana Haller (Rosina) und Sunnyboy Dladla (Almaviva). Copyright: A.T.Schaefer

Diana Hallers heller Mezzosopran hat noch mehr an Farben wie auch an Volumen gewonnen und serviert ihre pfiffige, mit viel Augenzwinkern belebte Rosina in der reizvollen bruchlosen Kombination von vollen runden Tiefen und leuchtenden, beweglichen und sicher ausgekosteten Höhen. Zudem setzt sie in der Gestaltung der Verzierungen noch ungeahnte Nuancen frei, die das weite Feld von Rossinis melodisch rhythmischen Eingebungen unterstreichen. Der andere Leuchtturm heißt wieder einmal Adam Palka – nicht nur in seiner überragenden schlanken Größe und einer auf den Punkt gebrachten, nie aufgesetzten Mimik, ganz besonders durch seinen Bass, dessen müheloser, durch alle Register tragfähiger und qualitätvoll bleibender Entfaltung und in der ohne Druck erzielten Durchschlagskraft nur Bewunderung entgegen gebracht werden kann. Wie dieser Basilio seine Verleumdungs-Schilderung mit schwarzer Stimmfarbe dynamisch anschwellen lässt und zuletzt mit einem eingelegten, lange ausschwingenden baritenoralen Spitzenton krönt, da bleibt wahrlich der Mund offen stehen.

Eine erfreuliche Erstbegegnung gab es mit dem dunkelhäutigen südafrikanischen Sunnyboy Dladla, der als Conte Almaviva auch bei zunehmender Komik immer die Haltung des Aristokraten durchschimmern lässt, gleich bei seiner Auftritts-Kavatine gute tenore di grazia-Anlagen hörbar machte und dem im weiteren Verlauf mit ansprechend schattiertem Timbre, gut sitzender Höhe und noch ausbaubarer Technik in den Koloraturen durchaus auch die manchmal eingelegte fioriturenreiche Arie vor dem Happy end zuzutrauen gewesen wäre.

André Morsch steigerte seinen Figaro nach etwas trockenem Beginn zu einer runden vokal-schauspielerischen Leistung, gespeist aus seinem nicht all zu großen, phasenweise etwas rauen und dennoch viel Charme einbringenden Bariton sowie fühlbarem Spaß an spontanen spielerischen Überraschungen, zu denen nicht zuletzt wieder die während der Konfussionsstarre des ersten Finales wie ein Gegenstand waagrecht auf eine andere Position getragene Haushälterin Berta gehört. Opernstudio-Mitglied Esther Dierkes erfüllt deren Klage-Arie mit dem erforderlichen saftigen Sopran-Biss. Die dauernden Querelen im Hause des Dr. Bartolo haben sie zu einem verschreckten, sich immer wieder an die Wände klammernden Wesen werden lassen. Enzo Capuano  ist optisch der ideale knorrige Vormund und verfügt über einen gut sitzenden, beweglichen Bassbariton, mit dem er – abgesehen von einem etwas tonarmen Parlando – köstlich mit den Tiraden seiner Muttersprache spielt. Eine kleine Formation der Herren des Staatsopernchors, angeführt von Stephan Storck als Offizier komplettierte das Ständchen und die beiden Finali.

Maurizio Barbacini brachte die Rossini-Räder nach einer noch etwas flach geratenen Ouvertüre gehörig in Schwung, neigte aber auch dazu, den Sängern immer wieder mit dem klanglich transparent und luftig musizierenden Staatsorchester Stuttgart davon zu hetzen, doch vermochte das blitzschnell reagierende Solisten-Ensemble die dadurch entstandene mangelnde Übereinstimmung aufzufangen und auszugleichen. Die Begeisterung eines solchen, mit erfreulich viel Jugendlichen besetzten Publikums hat es ohnehin nicht schmälern können.                                                                                                   

Udo Klebes

 

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