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STUTTGART/ Staatsoper: „A Marvellous Party“ als 5. Liedkonzert in der Staatsoper Stuttgart

27.04.2022 | Konzert/Liederabende

„A Marvellous Party“ als 5. Liedkonzert in der Staatsoper Stuttgart am 26.4.2022

Portugiesischer Ausflug mit viel Humor

Eine ungewöhnliche Kombination präsentierten Catriona Smith (Sopran), Maria Theresa Ullrich (Mezzosopran) und Nicholas Kok (Klavier) beim fünften Liedkonzert im Foyer der Staatsoper. Dabei wurden nämlich die musikalischen Verbindungen der schottisch-britischen und portugiesischen Kultur beleuchtet.

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Catriona Smith. Foto: Matthias Baus

Catriona Smith zeigte bei „O can ye sew cushions?“ von Benjamin Britten die Nähe zum Impressionismus, zur Folklore und Verismus auf, wobei immer wieder eine humorvolle Verbindung bestand. Ein Höhepunkt war dann die Wiedergabe von fünf Liedern aus Portugal durch die Mezzosopranistin Maria Theresa „Gigi“ Ullrich, die ja portugiesische Wurzeln besitzt, wodurch diese Lieder eine authentische Note erhielten. Dies zeigte sich sogleich bei  „Entschluss“, „Ein Briefelein“ und „Johannistag“ des Liszt-Schülers Jose Vianna da Motta, wo die Sängerin vor allem die thematischen Verbindungslinien sehr schön betonte. „Toada Popular“ von Claudio Carneyro und „Amar, mas saber amar“ aus „Cancioneiro popular“ von Francisco de Lacerda begeisterten zudem mit elektrisierenden Rhythmen.

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Maria Theresa Ullrich. Foto: Matthias Baus

Catriona Smith entführte das Publikum dann bei der „Suite O Bairnsangs“ von Thea Musgrave in die Welt der alt-schottischen Folklore, die durch die Augen eines kleinen Kindes betrachtet wird. Bei „A Charm of Lullabies“ von Benjamin Britten waren die beiden Sängerinnen dann zusammen mit dem einfühlsamen Pianisten Nicholas Kok ganz in ihrem Element. Lieder wie „A Cradle Song“ oder „Sephestia’s Lullaby“ begeisterten mit formvollendeter Deklamation und gerieten so zu Schmuckstücken von reizvoller Kontrapunktik und Unterhaltungsstil, wobei ein Schuss Ironie nie fehlte. Auch die kunstvollen thematischen Abwandlungen kamen nicht zu kurz. Operette, Bossa Nova und Filmmusik standen dann im zweiten Teil dieses abwechslungsreichen Programms im Fokus, wobei Maria Theresa Ullrich gleich zu Beginn bei „La bella Tangolita“ und „Toujours l’amour“ von Paul Abraham brillierte. Gegenwartsnahe Harmonik und moderne Tanzrhythmen feierten dabei wahre Triumphe. „Sag mir nicht Adieu“ von Peter Fenyes und „I’ve Been to a Marvellous Party“ gerieten zusammen mit Catriona Smith zu weiteren gesanglichen Ereignissen, die Nicholas Kok mit zahlreichen pianistischen Delikatessen würzte. Auch Catriona Smiths Interpretation von „A Nightingale Song in Berkeley Square“ perlte wie Champagner. Und auch die prickelnden Motive von „Blah-blah-blah“ von George Gershwin hinterließen mit ihrer Nähe zum Jazz und zum Verismo einen starken Eindruck. Bei der temperamentvollen „Bossa“-Passage ging es mit fetzigen Rhythmen sogar nach Brasilien. Maria Theresa Ullrich beschwor bei „Dindi“ von Antonio Carlos Jobim melodischen Zauber und Poesie, was sich bei „Lobo Bobo“ von Joao Gilberto und „Eu velejava em voce“ von Eduardo Dusel rasant fortsetzte.

Zum Abschluss ging mit „Chitty Chitty Bang Bang“ von Richard & Robert Sherman richtig die Post ab. Zuletzt wurde nach Songs wie „Lovely Lonely Man“ und „Doll on a Music Box“ sogar das Publikum mit eingebunden. Man feierte die Künstler gebührend. Dieses Liedkonzert wurde wieder in Kooperation mit der Internationalen Hugo-Wolf-Akademie präsentiert.

Alexander Walther

 

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