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STUTTGART/ Schauspielhaus: JUNGE CHOREOGRAPHEN

27.03.2015 | Allgemein, Ballett/Tanz

Junge Choreografen im Schauspielhaus Stuttgart BRAUT MIT GRUPPE

Gefeierte Vorstellung der Noverre-Gesellschaft am 26. März 2015 im Schauspielhaus

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McGowans „Non ducor, duco. Foto: Stuttgarter Ballett

Neun Choreografien von jungen hoffnungsvollen Choreografen wurden im Schauspielhaus vorgestellt. Die Freunde des Balletts der Noverre-Gesellschaft kamen an diesem Abend auf ihre Kosten. Vier Nachwuchskünstler des Stuttgarter Balletts waren mit dabei: Robert Robinson und Roger Cuadrado gaben ihr eindrucksvolles Noverre-Debüt. Fabio Adorisio und Alexander McGowan zeigten zum wiederholten Male neue Choreografien. Gleich Alexander McGowans „Non ducor, duco“ gefiel mt der Musik von Yann Tiersens „Comptine d’un autre ete, lapres-midi“, „La valse d’Amelie“ sowie Great Danes „I Do My“ und „Invite Only“ aufgrund suggestivster Ausdruckstechnik, wobei Angelina Zuccarini, Nicholas Jones und Alexander McGowan die verschiedenen Stilebenen souverän auffächerten. Da gewannen sogar nebensächliche Details ungeahnte Intensität. Nicht weniger eindringlich wirkte dann „Let me fall“ von Hector F. Fernandez mit der subtilen Musik von Georg Mertens („Cathedral Ciaconna“) für Solo-Cello (Kostüm: Rodrigo Julz Moral und Hector Ferrer Fernandez). Agnes Su und Adam Russell-Jones fanden im Pas de deux in berührender Weise zusammen. Dies bewiesen sie vor allem beim Cello-Glissando, dessen Linienführung ausdrucksvoll betont wurde. Roger Cuadrados „Sin“ mit der Musik von Luz Casals „Pienza en mi“ mit den beiden ausgezeichneten Solisten Claudia Faubel und Fabio Adorisio gewann hier immer deutlicheren Zauber. Dynamische Wellenbewegungen variierten alle Gefühlsskalen der Liebe in differenzierter Weise. Man war als Zuschauer von dieser grandiosen Darbietung sehr bewegt. Faszinierend erschien ebenso Robbie Birds „A Disaster of Exquisite Proportions“ mit Eigenkomposition und Text, wobei die Tanzsolisten Paula Rezende und Ludovico Pace sich nicht nur auf Zehenspitzen berührten. Ihre Pirouetten gestalteten sie jedenfalls mit immer glanzvollerer Eleganz und Souveränität. Man lauschte den Feinheiten der Musik gefühlvoll nach. Einziger Wermutstropfen waren hier die allzu ausladenden Textpassagen, die zuweilen den tänzerischen Fluss erschwerten. Guillaume Hulots „Who stays lasts“ mit der Musik von Wolfgang Amadeus Mozarts „Le petit riens“ zeigte elektrisierenden Zauber, der sich im Zuschauerraum rasch verbreitete. Chromatische Finessen und harmonische Vielschichtgkeit wurden von den beiden hervorragenden Solisten Anna Osadcenko und Jason Reilly tänzerisch nuanciert nachgezeichnet. Arabesken, Figurationen und Kaskaden blitzten bewegungstechnisch immer leuchtkräftiger hervor (Kostüme: Proef proefdesign.com, Osaka-Japan). Auch der zweite Teil begeisterte aufgrund seines hohen tänzerischen Niveaus. Fabio Adorisios „in2“ überzeugte mit der Musik von Philipp Glass‘ „dead things“ aufgrund der Anschlagspräzision, mit der die Pianistin Catelijne Smit agierte. Alle Reize der „minimal music“ wurden so gekonnt ausgekostet. Rachele Buriassi und Alexander Jones berührten den Flügel immer wieder sehr grazil und beschworen magische Sphären. „Zweisamkeit“ mit der Musik von Ane Brun („From me to you“) und den facettenreichen Kostümen von Kerstin Stahl begeisterte mit Robert Robinson und Theophilus Vesely (Tänzer des Augsburger Balletts) aufgrund unglaublicher Geschwindigkeit und Körperbeherrschung. „Carry me shadow“ von Emrecan Tanis mit einer Eigenkomposition von M. Sadik Tanis („Helios“, „Dragonfly Across an Ancient Sky“) überraschte mit den beiden exzellenten Solisten Özkan Ayik und Adam Russell-Jones tatsächlich als unheimliches Schattenspiel der besonderen Art.

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Maged Mohameds „Paradise, Foto: Stuttgarter Ballett

Zuletzt war dann Maged Mohameds „Paradise“ zu sehen – eine Arbeit, die auch aufgrund der einfallsreichen Kostüme von Louise Flanagan und der aufwühlenden Musik von Hesham Nazih bestach. Hier stand eine Braut im Mittelpunkt, die offensichtlich von vielen Männern begehrt wurde, denen sie sich aber zuletzt erfolgreich entzog. Außer Alicia Amatriain (der Stuttgarter Starsolistin) gefielen die Tänzer des Bayerischen Staatsballetts aufgrund des okkulten Charakters ihrer Darstellung. Cyril Pierre, Wladimir Faccioni, James Lyttie, Ilya Shcherbakov, Luca Giacclo und Olzhas Tarlanov wuchsen allerdings zur Einheit zusammen, die mit der jungen Frau einen aussichtslosen psychischen Kampf zu führen schien. Vor allem Alicia Amatriain konnte sich dabei in besonderer Weise profilieren. Insgesamt gefielen die jungen Choreografen mit abwechslungsreichen und spannungsvollen Schöpfungen.

Das Pubikum im Schauspielhaus feierte sie mit Ovationen.  

 Alexander Walther

 

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