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STUTTGART: ROMEO UND JULIA – Harmonie und Feuer

20.03.2016 | Ballett/Tanz

Stuttgarter Ballett: „ROMEO UND JULIA“ 20.3.2016 – Harmonie und Feuer

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In Harmonie und großem Vertrauen: Anna Osadcenko (Julia) und Jason Reilly (Romeo). Copyright: Hidemi Seto

 Nach den letzten Aufführungen während der großen Asien-Tournee im Herbst 2015, wo die Rollen-Neulinge ihre eigentlichen Debuts hatten, stand der Comapgnie bei dieser ersten Vorstellung die Freude und Begeisterung für Crankos Choreographie im Gesicht geschrieben – so viel Animo, Schwung, in den Volksszenen gar feurige Ausgelassenheit durchpulste das Geschehen auf der Bühne. Auch der diesmal von Alexander Mc Gowan mit auffallend viel amüsantem Gestaltungs-Engagement angeführte Faschingstanz machte so richtig Lust, diesen artistischen Einstreuer mal wieder genauer zu beobachten, wo die Blicke sonst oft auf den seitlich in Nachdenklichkeit versunkenen Romeo konzentriert sind.

Der in der Ausstrahlung eher gemütlich wirkende Matteo Crockard-Villa verwandelte sich in einen provokative Blitze aussendenden und mit dem Degen bedrohlich zulangenden Tybalt. Robert Robinson kombinierte seinen tragikomisch bewegenden und überzeugend gezeichneten Mercutio nach anfänglicher Bein-Konfusität in seinem quirligen Solo mit weitreichenden und sauberen Sprung- und Dreh-Sequenzen. So charmant, grundsympathisch und mit weich federndem Bewegungs-Duktus sich Marti Fernandez Paixa als neuer Benvolio vorstellte, dürfte der Romeo in nicht allzu weiter Ferne liegen. James Fisher fand als Graf Paris nach der ersten verwackelten Hebung im Madrigal mit Julia zu geerdeter Sicherheit und entsprach Romeos Kontrahenten durch noble Haltung wie auch passend zurückhaltender Ausstrahlung.

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Ausgelassene Freunde mit Zigeunerinnen: Robert Robinson (Mercutio), Jason Reilly (Romeo) und Marti Fernandez Paixa (Benvolio) v.l. Copyright: Hidemi Seto  
 
 Das Liebespaar war mit seinen Rollen bereits gut vertraut, jedoch bislang mit anderen Partnern. Jetzt fanden Anna Osadcenko und Jason Reilly wie im richtigen Leben auch auf der Bühne in Liebe und spürbarer Harmonie zusammen, so dass vor allem die beiden Pas de deux zu einer Lehrstunde an fließender Einheit gerieten. Obwohl beide über die jungen Liebenden hinausgewachsen sind,  vermochten sie ein Stück weit Unbeschwertheit über die Rampe zu bringen. Während er mit seiner Verschmelzung aus kraftvoller Dynamik und sanfter Emotionalität für sich einnimmt, erreicht sie im Ringen um Julias Entscheidung für den Scheintod ihren Höhepunkt dramatischer Gestaltung.

Zusammen mit bewährten Kräften in den weiteren Rollen summierte sich alles in allem zu großer Geschlossenheit.

Crankos Choreographien sind zwar ein Garant für ein ausverkauftes Haus, aber wie an diesem Abend nicht automatisch für eine in der Luft liegende Begeisterung. Davon hätte sich dieses Ensemble schon etwas mehr verdient.

 Udo Klebes

 

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