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STUTTGART: ROMEO UND JULIA – Ballett – Wiedersehen mit Leidenschaft

10.12.2012 | Ballett/Tanz, KRITIKEN

Stuttgarter Ballett: „ROMEO UND JULIA“ 09.12.2012 – Wiedersehen mit Leidenschaft

Bei der dritten „Romeo und Julia“-Vorstellung dieser Spielzeit konnte sich sowohl das Publikum über ein Wiedersehen – mit einem beliebten Solistenpaar – freuen, als auch die Solisten selbst, die nach langer Zeit wieder die Gelegenheit hatten, gemeinsam das berühmte Liebespaar aus Verona zu verkörpern. MARIJN RADEMAKER merkte man den Spaß an der Rolle bereits von der ersten Szene mit Rosalinde an, in der er voll überschäumender Jugendlichkeit strahlt. Er lässt ab da das Publikum ganz genau die Entwicklung, die Romeo während des Stückes durchmacht, beobachten: vom verspielten Jungen, über den leidenschaftlichen Verliebten bis zum gereiften und vom Schicksal enttäuschten Mann, der beschließt ohne seine Geliebte nicht mehr leben zu wollen. Er stellt einen vom ersten Augenblick an in Julias Bann gezogenen, überschwänglichen Romeo dar, der vor allem in der Balkonszene dynamisch-leidenschaftlich seine Liebe zum Ausdruck bringt. Rademaker ist in der Rolle des Romeo einfach so in seinem Element, dass Choreographie und seine fehlerlose Technik zweitrangig sind und man nur gebannt seiner hingebungsvollen Interpretation folgt. ELIZABETH MASON bildet dazu als Julia eine sehr stimmige Ergänzung: am Anfang ebenso verspielt wie er, verwandelt sie sich in der scheuen, von der Liebe überraschten jungen Frau, die dann gar nicht anders kann, als in der Balkonszene auf berührende Art ebenfalls ihre Liebe zu gestehen. Masons eigene Interpretation der Rolle wird vor allem in der Szene bevor sie das betäubende Gift einnimmt sichtbar, in der sie Entsetzen einerseits und Entschlossenheit andererseits gleichermaßen authentisch zu vermitteln vermag. Mit ihrer ätherischen Ausstrahlung verzaubert sie das Publikum, kann dabei jedoch auf berührende Art immer natürlich bleiben.

Ein bereits miteinander vertrautes Paar, das auch durch die zahlreichen schwierigen Hebebewegungen, trotz leichter Unsicherheiten, die in Folgevorstellungen wohl vollends verschwunden sein werden, überzeugen kann. Vor allem im 3. Akt, in dem beide ihrer verzweifelten Leidenschaft freien Lauf lassen, wird sichtbar, wie gut sie miteinander harmonieren. Ein wunderschönes Paar, das man in diesen Rollen gerne wieder auf Stuttgarts Bühne sehen will.

Als lustvolle, jedoch auch vom Drama betroffene Zigeunerin, zog vor allem OIHANE HERRERO die Blicke des Publikums immer wieder gekonnt auf sich, während ALEXANDER ZAITSEV einen unbekümmerten, bis zum Tode scherzenden Mercutio routiniert, aber nie gewöhnlich wirkend zeigte. Gleichermaßen überzeugend interpretierte DAMIANO PETTENELLA die Rolle des Tybalt, mit entsprechend aggressiver Note. ROLAND HAVLICA hatte wohl in die Rolle des Benvolio noch nicht ganz wieder hineingefunden, was vor allem durch einige Unstimmigkeiten zum Schluss des bis dahin perfekten Pas de trois mit Romeo und Mercutio sichtbar wurde, er vermittelte dennoch glaubhaft den treuen Kameraden. Einzig Rollendebutant DAVID MOORE wird durch eine etwas blasse Präsenz der Bedeutung des Grafen Paris nicht ganz gerecht.

 Das gesamte Corps de ballet war an dem Abend sehr sicher und präzise bis in den kleinsten Rollen, und WOLFGANG HEINZ setze am Dirigentenpult stets die richtigen Akzente, was den perfekten Rahmen für eine vom Publikum mit entsprechendem Applaus gewürdigte Vorstellung abrundete.

Dana Marta

 

 

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