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STUTTGART/ Oper: FESTKONZERT 5 JAHRE OPERNSTUDIO DER STAATSOPER STUTTGART. Feuerwerk der Koloraturen

FEUERWERK DER KOLORATUREN

Gelungenes Festkonzert des Opernstudios am 2. November 2014 in der Staatsoper/STUTTGART

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Die Mitglieder des Opernstudios. Foto: Martin Sigmund

Natürlich ist das seit 5 Jahren bestehende Opernstudio der Staatsoper Stuttgart eine große Talentschmiede (die unter anderem erfolgreich von der Schwabengarage unterstützt wird). Viele der 23 ehemaligen Stuttgarter „Opernstudiosi“ sind inzwischen an in- und ausländischen Opernhäusern fest engagiert. Davon konnte man sich beim begeistert gefeierten Festkonzert am Sonntag abend überzeugen. Operndirektorin Eva Kleinitz brachte es auf den Punkt: „Jeder soll so lange wie möglich singen können“. Dies sei die künstlerische Grundlage des Erfolgs. Auch Intendant Jossi Wieler lobte das große Engagement der Sängerinnen und Sänger, die auch an diesem Abend wieder mit einem Feuerwerk des Belcanto und der Koloraturen brillierten. Gleich zu Beginn überraschten Josefin Feiler (Despina), Irma Mihelic (Fiordiligi), Karin Torbjörnsdottir (Dorabella), Thomas Elwin (Ferrando), Dominic Grosse (Guglielmo) und Eric Ander (Alfonso) bei „Alla Bella Despinetta!“ aus Wolfgang Amadeus Mozarts Oper „Cosi fan tutte“ mit verschwenderischer melodischer Fülle, bestrickendem klanglichen Zauber, überirdischer Heiterkeit und feinem Gespür für die Reize der Opera buffa. Dies setzte sich bei der Arie „Done son?…Soave sia  il vento“ aus demselben Werk mit Elinor Sohn (Fiordiligi), Huiling Zhu (Dorabella) und Szymon Chojnacki (Don Alfonso) fort. Die Irrungen und Wirrungen blieben hier stets nachvollziehbar. Eine gesangliche Meisterleistung vollbrachte dann Kora Pavelic als Xerxes bei der als Zornesausbruch eines eifersüchtigen Monarchen konzipierten Arie des Xerxes aus Georg Friedrich Händels Oper „Xerxes“: „Crude furie degli orridi abissi“. Der temperamentvoll und einfühlsam zugleich begleitende Pianist Bernhard Epstein betonte bei seiner Wiedergabe die reizvollen buffonesken Züge der Partitur ebenso wie das graziöse Feuer, dem auch Kora Pavelic mit chromatischem und dynamischem Feinschliff gerecht wurde. Kai Preussker gewann der Arie des Grafen Homonay aus Johann Strauß‘ Operette „Der Zigeunerbaron“ viele klangliche Facetten ab, wobei die romantisch-stimmungshafte Tönung der Musik nicht zu kurz kam. Gerade die lyrischen Züge stachen nuancenreich hervor. Als zwei besondere Gesangstalente erwiesen sich ferner der britische Tenor Stuart Jackson (Nadir) und Ashley David Prewett (Zurga) beim Duett „Au fond du temple saint“ aus der Oper „Die Perlenfischer“ von Georges Bizet. Hier wurden die exotisch-lyrischen Momente und akustischen Steigerungen in eindrucksvoller Weise herausgearbeitet. Farbige Harmonik und der Einfluss der italienischen Oper gewannen immer größere gesangliche Intensität. Und Bernhard Epstein vermochte am Flügel die kontrapunktischen Reize des Werkes gut zu akzentuieren. Die „Rosenüberreichung“ aus dem „Rosenkavalier“ von Richard Strauss zeigte Mirella Hagen (Sophie) und Sylvia Rena Ziegler (Octavian) auf der Höhe ihrer Kunst. Verschwenderische melodische Kraft gewann dabei immer größere Dimensionen, weil auch der Pianist sich immer mehr steigerte. Vokale und instrumentale Einheit bildeten den Kernpunkt dieser wunderschönen Darbietung. Mirella Hagen sang übrigens im letzten Jahr den Waldvogel bei den Bayreuther Festspielen. Sämtliche Jahrgänge dieses ausserordentlich erfolgreichen Opernstudios vereinten sich bei Gaetano Donizettis Arie „Che mi frena in tal momento“ aus der Oper „Lucia di Lammermoor“ mit der hervorragenden Irma Mihelic (Lucia), Youn-Seong Shim (Edgardo), Ashley David Prewett (Enrico), Roberto Ortiz (Arturo), Don Lee (Raimondo) und Huiling Zhu (Alisa). Kantabler Wohlklang und großer Koloraturzauber hielten sich dabei in eindringlicher Weise die Waage.

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Opernstudio. Copyright: Staatsoper Stuttgart

Ausgezeichnet war nach der Pause die vokale Leistung von Stuart Jackson bei der Arie „Go there“ aus der Oper „Peter Grimes“ von Benjamin Britten, den dieser Ausnahmesänger als Monolog eines verzweifelten Außenseiters klangfarbenreich darbot. Das harmonische Ineinanderfließen unterstrichen Bernhard Epstein und Stuart Jackson facettenreich. Auch die Grenzen der Polytonalität wurden so greifbar samt knapper rezitativischer Wendungen und motivischer Kurzformen. Die bestimmende Rhythmik der Meeresstimmungen bildete dabei einen geheimnisvollen Untergrund. Auch impressionistische Effekte bis hin zur Folklore stachen hervor. Dass sich Britten radikaler Mittel bis zu 12tönigen Akkorden bediente, konnte man aufgrund der transparenten Wiedergabe nachvollziehen. Eine sehr überzeugende Ensembleleistung präsentierten weiterhin Pinelopi Argyropoulou (Rosina), Roberto Ortiz (Graf Almaviva) und Ronan Collett (Figaro) bei der Arie „Ah qual colpo, ah qual colpo inaspettato“ aus Gioachino Rossinis „Barbier von Sevilla“, wo sich die Gefühlskraft der Tonsprache Mozarts sowie der Zauber der italienischen Opera buffa voll behaupten konnten. Vor allem die für Rossini typischen Crescendo-Steigerungen traten leuchtkräftig hervor. Als Zerbinetta begeisterte Yun-Jeong Lee mit einem Koloraturfeuerwerk bei „Lieben, Hassen, Hoffen, Zagen…“ aus „Ariadne auf Naxos“ von Richard Strauss, wobei sie von Ronan Collett (Harlekin) und Josefin Feiler (Echo) leuchtkräftig begleitet wurde. Tänzerische Bewegtheit, formale Ausgewogenheit, kichernde Komik, Parlandotöne und kühne Überschneidungen betörten hierbei die Ohren. Und zum Abschluss rissen die mit satirischer Schärfe dargebotene Ausschnitte aus Jacques Offenbachs Operette „Die schöne Helena“ das Publikum zu weiteren Ovationen hin. Roberto Ortiz (Paris), Sylvia Rena Ziegler (Helene), Ronan Collett (Calchas), Huiling Zhu (Oreste), Kai Preussker (Menelas), Youn-Seong Shim (Achille), Thomas Elwin (Ajax Premier), Stuart Jackson (Ajax Deuxieme) sowie Ashley David Prewett (Agamemnon) erwiesen sich bei dieser bissigen Persiflage auf die damaligen Pariser Zustände und Sitten als überaus bewegliches Ensemble, das auch die Assoziationen zur damaligen Großen Oper eines Giacomo Meyerbeer fesselnd herausarbeitete. Tänzerische Beweglichkeit und pikante Rhythmik wechselten sich ab. Am Ende gab es frenetischen Schlussapplaus. Dieses Konzert fand in Zusammenarbeit mit der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart statt. Patrick Hahn moderierte diesen Abend kenntnisreich.

 Alexander Walther

 

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