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STUTTGART/ Liederhalle: SWR.SINFONIEORCHESTER MIT MAHLERS 3. SINFONIE /Currentzis

Wie Pan erwacht

22.09.2018 | Konzert/Liederabende

Das SWR Symphonieorchester unter Teodor Currentzis am 21. September 2018 im Beethovensaal der Liederhalle/STUTTGART

WIE PAN ERWACHT

Der ungeheuer ausgedehnte erste Satz von Gustav Mahlers dritter Sinfonie schildert „wie Pan erwacht. Der Sommer marschiert ein, da klingt und singt es…“ Wie ein ausgedehnter Marsch entwickelt sich hier aus einem wanderartigen Thema die opulente Musik, der Teodor Currentzis zusammen mit dem klangschönen SWR Symphonieorchester bei seinem bejubelten Antrittskonzert viele Facetten ablauschte. Er ist ein Dirigent, der bei jedem Detail fast tänzerisch agiert und dadurch auch die betont sphärenhaften Momente dieser glutvollen Musik voll erfasst. Dieses gewaltige sinfonische Thema wuchs und verwandelte sich bei diesem geglückten Konzert in vielerlei Gestalten. Faunisches, Mystisches und Naturpoesie wechselten sich in reizvoller Weise ab. Und die Blumen erzählten im zweiten Satz ein überaus berührendes Lied, während die Tiere im dritten Satz in der Art des Scherzos in tausend Farben musizierten. Ein volksliedhaft schlichtes Thema setzte sich dabei ganz durch, denn Currentzis gelang es vorzüglich, sich als Dirigent mit den einzelnen Instrumenten zu identifizieren. Auch die schalkhaften Klagegebärden setzten sich hier immer wieder in vehementer Weise durch. Einen idyllischen Charakter besaß dann das erfrischend gestaltete Trio, wo das Posthorn eine gefühlvolle Volksweise blasen ließ. Sensibel kosteten die Streicher das Volksliedglück aus. Überhaupt ließ Currentzis die Streicher in verblüffend-bewegender Einheit musizieren, die Unisono-Einsätze wirkten stets wie aus einem Guss. Sobald sich die Dynamik steigerte, wurde auch die Bewegung fließender.

Die versierte Altistin Gerhild Romberger interpretierte klangfarbenreich und mit weichen Legato-Bögen den langsamen vierten Satz mit dem Solo-Alt – es war das Lied vom Leid mit Nietzsches Worten „Was mir der Mensch erzählt“. Die Altistin sang hier überaus schmerzlich und überzeugend vom Weh der Welt, von ihrer „Lust, tiefer noch als Herzeleid“. Jesu Worte an den Sünder Johannes rückten das Ganze in ein ergreifendes jenseitiges Licht. Die Damen des MDR-Rundfunkchores (Einstudierung: Hannes Reich) und der Knabenchor collegium iuvenum Stuttgart (Einstudierung: Michael Culo) übrzeugten beim fünften Satz „Was mir die Engel erzählen“, wo sie sich zusammen mit Bim-bam-Lauten und Glockenklang facettenreich profilieren konnten. Träumerische Entrücktheit arbeitete Currentzis mit dem SWR Symphonieorchester hier in hervorragender Weise heraus. Die Streichermelodie breitete sich in ergreifender Ruhe aus. Alle seelischen Stürme wurden in einer überaus aufwühlenden Schluss-Apotheose überwunden. Im sechsten Satz „Was mir die Liebe erzählt“ erreichte Teodor Currentzis mit dem SWR Symphonieorchester eine wahrhaft berührende Nähe. Da erfuhr man in bewegender Weise, wie Pan erwachte. Der Gesang baute sich in monumentaler Harmonie immer weiter auf, wobei die Intentionen von Teodor Currentzis mit dem SWR Symphonieorchester immer mehr verschmolzen. Geradezu atemlos ertönten die monumentalen Paukenschläge am Schluss des Werkes, wo sich dann das Portal zum Paradies in ekstatischem Glanz zu öffnen schien.

Alexander Walther

 

 

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