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STUTTGART/ Liederhalle/ Mozartsaal: LIEDKONZERT IDA RÄNZLÖV/ Rita Kaufmann

11.07.2020 | Konzert/Liederabende

Ida Ränzlöv | Staatsoper Stuttgart
Ida Ränzlöv. Foto: Matthias Baus

Liedkonzert Ida Ränzlöv am 10.7.2020 im Mozartsaal der Liederhalle Stuttgart

Bewegende Momente

Hierzulande recht unbekannte schwedische Komponisten wurden bei diesem Konzert vorgestellt. Interessant war insbesondere die Verbindung zu Johannes Brahms. Die ebenfalls aus Schweden stammende Mezzosopranistin Ida Ränzlöv machte den harmonischen Ausdrucksreichtum des Liedes „Schön ist’s, wenn es dunkel ist“ von Gunnar de Frumerie in wunderbarer Weise deutlich. Dabei wurde sie von Rita Kaufmann am Klavier einfühlsam begleitet.

Ein Höhepunkt dieses „schwedischen“ Liederabends waren die mit leidenschaftlicher Emphase vorgetragenen Lieder von Johannes Brahms. Von „O liebliche Wangen“ spannte sich ein riesiger Bogen über „Wie Melodien zieht es mir“, „Meerfahrt“, „Schön war, das ich dir weihte“, „Feldeinsamkeit“ bis „Über die Heide“. Dabei schimmerte auch immer wieder der geheimnisvolle Geist Schumanns durch. Mit weichem Timbre und ebenmäßigen Kantilenen ließ Ida Ränzlöv das verführerische Zauberspiel dieser berührenden Lieder lebendig werden. Auch das Fortschrittliche und Moderne dieser Musik kam bei der sensiblen Wiedergabe nicht zu kurz. Überquellendes Gefühl und erstaunlicher kontrapunktischer Reichtum beherrschten außerdem die mit bewegender Emphase vorgetragenen Brahms-Lieder „Ständchen“ und „Unbewegte laue Luft“, über die sich ein eindrucksvoller dynamischer Baldachin spannte, den Ida Ränzlöv mit ihrem tragfährigen Mezzosopran ausgezeichnet ausfüllte. Spätromantisch und harmonisch aufwühlend wirkten ferner die Lieder „Nachtgebet“, „Das Mädchen unterm Neumond“, „Flügel in der Nacht“ sowie „Ein Lied für Karin, als sie getanzt hatte“ von Ture Rangström, deren melancholischer Charakter hervorstach. Auch von Wilhelm Peterson-Berger erklangen eingängig interpretierte Lieder, die dieser als gefürchteter Musikkritiker geschrieben hatte. Der 1942 gestorbene Komponist schuf sich dadurch viele Feinde, wie bei diesem Liederabend bekannt wurde. Doch seine Lieder klingen absolut nicht kompliziert, sondern besitzen einen harmonischen Reichtum, der unter die Haut geht. Die Nummern „Wenn ich allein im dunklen Wald laufe“, „Deinen Namen hatte ich geschrieben“, „Wie die Sterne am Himmel“ und „Zwischen des Waldes hohen Kiefernstämmen“ gefielen bei dieser Interpretation nicht nur aufgrund der tonalen Zusammenhänge, sondern auch wegen der thematischen Vielfalt und klanglichen Vielseitigkeit.

Ein ausgewiesener Spätromantiker war zudem Wilhelm Stenhammar, der bei diesem Konzert ebenfalls zu Ehren kam. Von ihm erklangen die sehr lyrisch und ausdrucksvoll angelegten Lieder „Lehnend am Holzzaun“, „Zu einer Rose“ und „Schweden“ (eine Komposition, die fast zu einer Nationalhymne geworden wäre). Stenhammar war auch von Bruckner und Wagner beeinflusst, was eher bei seinen sinfonischen Werken zur Geltung kam. Seine Lieder dagegen beeindruckten auch bei diesem interessanten Liedkonzert durch ihre große melodische Kraft. Als Zugabe war unter anderem noch das Wiegenlied „Guten Abend, gut‘ Nacht“ von Johannes Brahms zu hören, das in der Wiedergabe durch Ida Ränzlöv und Rita Kaufmann stark an Profil gewann. 

Alexander Walther           

 

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