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STUTTGART/Liederhalle: „Liedkonzert mit dem Bariton JARRETT OTT“

21.06.2020 | Konzert/Liederabende


Jarrett Ott. Foto: Matthias Baus

Stuttgart: Liedkonzert mit dem Bariton JARRETT OTT“ 19.6. 2020 (Liederhalle Mozartsaal)

Forschen Schrittes betrat Jarrett Ott das Podium im Kammermusiksaal der Liederhalle und warf sich voller Tatendrang in Positur. Bereits damit ist klar mit welchem Heißhunger sich der seit der Spielzeit 2018/19 zum Ensemble der Stuttgarter Staatsoper gehörende amerikanische Bariton, wie wahrscheinlich viele seiner Zunft, in die Wiederaufnahme seiner Kunstausübung vor Publikum stürzt, waren ihm durch die Theaterschließung doch zwei attraktive Rollen wie der Figaro-Graf und Valentin in „Faust“ versagt geblieben.

Mit einer Reihe von Veranstaltungen im sogenannten kleinen Format (Liedkonzerte, Beethovens Symphonien 1-8, Open-Air-Vorstellungen, Klanginstallationen und musikalisch-literarische Salon-Gespräche) meldet sich auch die Stuttgarter Oper aus der Corona-Zwangspause zurück und ermöglicht Künstlern wie Publikum im begrenzten Rahmen wieder eine direkte Begegnung. Die Nachfrage zu diesem verkleinerten Neustart ist offensichtlich vorhanden, der Mozartsaal war mit 99 möglichen zu belegenden Plätzen an diesem Abend ausverkauft, so komisch das unter diesen Gegebenheiten auch klingen mag. Jarrett Ott nützte die Gelegenheit sich im Liedbereich zu präsentieren ohne durch eine etwas mühsam beherrschte körperliche Zurückhaltung ganz verbergen zu können, dass ihm die Szene fehlte. Seine bisherigen Operneinsätze haben deutlich gezeigt, welches Bühnentier mit dem Drang zum Spielen in ihm steckt. Dabei ist alleine die Stimme des mit einer charaktervoll charismatischen Erscheinung gesegneten Sängers mit prachtvoll ausgebildeter Mittellage und Höhe sowie einer idiomatisch in die Linie eingebundenen, noch etwas ausbaubaren Tiefe schon eine erhöhte Beachtung wert. Artikulation und tonliche Präzision sind so bestechend, dass gerade auch das intimere Liedgut davon profitiert.

Das betrifft nicht nur die muttersprachlichen Beiträge „Walt Whitman in 1989“ von Chris DeBlasio, „Three Songs op.45“ sowie „Solitary Hotel“ und „Sure in this shining night“ von Samuel Barber, wo sich Poesie und Expressionismus in teils richtig spätromantischer Melodik mischen; gerade auch das lautmalerisch in Töne gesetzte „Don Quixote a Dulcinée“ von Maurice Ravel mit seinem sich durch Wortwiederholungen steigernden Refrain würzt Ott durch eine klare Textbehandlung und  teils bissig humorvoll zugespitzte Akzente. Da war die Szene mit einer leibhaftigen Angebeteten fast greifbar, so vital nuanciert in den Farben servierte der Sänger mit sich geschmeidig füllig öffnender Stimme und köstlich unterstützender Mimik und hinreichender Gestik diesen Leckerbissen. Ruhig, getragen und ebenfalls von großer textlicher Einfühlsamkeit bestimmt waren zuletzt die Beispiele aus der deutschen Lied-Literatur wie Brahms „Ständchen“, „Es träumte mir“ und „Auf dem Kirchhofe“, Beethovens „Ich liebe Dich“ und Schuberts „Litanei auf das Fest Allerseelen“.

Hinreichend sicher und doch mit dem gewissen persönlichen Freiraum accompagnierte. Alan Hamilton am Klavier. Zwei Künstler, die sich absolut einig waren und mit kräftig animierendem Applaus, durchsetzt mit Begeisterungsrufen, erst nach der Wiederholung des markanten Hauptabschnitts von Ravel entlassen wurden.

  Udo Klebes

 

 

 

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