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STUTTGART/ Liederhalle / Beethoven-Saal: BEETHOVENS „SIEBTE“ unter Cornelius Meister

18.07.2020 | Konzert/Liederabende
Beethovens siebte Sinfonie mit dem Staatsorchester am 18.7.2020 im Beethovensaal der Liederhalle/STUTTGART
Kompakte Geschlossenheit
 Diese Wiedergabe von Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 7 in A-Dur op. 92 mit dem Staatsorchester Stuttgart unter der Leitung von Cornelius Meister wirkte harmonisch am geschlossensten. Es war die beste der bisherigen Interpretationen im Beethovensaal. Meister erfasste den lichten und in die Höhe strebenden Charakter dieses Werkes sehr genau. Und das Staatsorchester Stuttgart folgte seinen Intentionen konzentriert. Dies zeigten bereits die beiden ersten lichten Themen der Einleitung mit ihrem freudig beschwingten Grundton. Wagner bezeichnete sie nicht umsonst als eine „Apotheose des Tanzes“, wobei er sicherlich auch das grandiose Finale mit einschloss. Aus den rhythmischen Energien stieg das hüpfende Hauptthema des Vivace elektrisierend empor. Auch die verschiedenen Seitengedanken entsprossen dabei deutlich dem scharf geprägten Hauptthema. Neben träumerischer Besinnlichkeit herrschte hier geradezu beschwingte Rastlosigkeit. In heftigen dynamischen Kontrasten spiegelten sich die Stimmungswechsel, auch die vielseitigen Schattierungen der Harmonik besaßen einen ausgesprochen romantischen Impetus, den Cornelius Meister mit dem Staatsorchester Stuttgart facettenreich herausarbeitete. Der Einfluss Schuberts machte sich dann im zweiten Satz, einer stimmungsvollen Allegretto-Elegie, bemerkbar. Herb wie ein Trauermarsch hob in den tiefen Streichern das Thema an und weckte in Bratschen und Celli bald eine klagende Gegenmelodie wirkungsvoll zum Leben. Innig erklang dann die Klarinettenweise – und im Bass-Rhythmus meldete sich unheimlich der „Trauermarsch“.

Stimmungsumschwünge und schillernde Dreiklänge beherrschten das Presto des dritten Satzes, wo das Zusammenspiel der Musiker ebenfalls sehr überzeugte. Feierlich wirkte der Trio-Teil. Geheimnisvoll erklang auch der Zauber des „Wallfahrtsliedes“. Ekstatischer Taumel beherrschte zuletzt das ausgesprochen atemlos interpretierte Finale, wo die Musiker des Staatsorchesters Stuttgart voll aus sich herausgingen. Das Kopfthema wirkte wie entfesselt und unglaublich ausgelassen, war nicht mehr zu bändigen. Cornelius Meister lockerte die Zügel schließlich risikoreich, doch in dieser harmonisch aufwühlenden Prärie kam es zu keinem Unfall. Die eigensinnige Akzentuierung des Themas stach klar hervor. Kapriziös-tänzerisch, fast böhmisch-grotesk erschien dieses Motiv, das in eine wirbelnde Durchführung mündete. Hörner und Trompeten stimmten in diese überwältigende Coda als „Apotheose der Lebenfreude“ ein.

 
Alexander Walther
 

 

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