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STUTTGART/ Liederhalle: 7. KAMMERKONZERT DES STAATSORCHESTERS MIT BACHS „KAFFEEKANTATE“

15.07.2016 | Konzert/Liederabende

STUTTGART/ Liederhalle: Johann Sebastian Bachs Kaffeekantate beim 7. Kammerkonzert des Staatsorchesters  (13. Juli 2016)

EINE REIZVOLLE MINI-OPER

 Johann Sebastian Bachs „Kaffeekantate“ als szenisch reizvolle Mini-Oper stand im Mittelpunkt des 7. Kammerkonzerts des Staatsorchesters Stuttgart. Josefin Feiler (Lieschen), Thomas Elwin (Erzähler) und Dominic Große (Schlendrian) ließen dieses Werk zwischen Badewanne und Küchen-Utensilien erfrischend aufleben. Josefin Feiler tummelte sich dabei mit glockenhellem Sopran in der Badewanne, um ein witziges Kaffeebohnen-Bad zu nehmen, das ihr der Schlendrian einträufelte. Diese bürgerliche Alltagsszene wurde hier wirklich humorvoll und ausgesprochen satirisch dargestellt.

Im Zentrum stand das Mädchen Lieschen mit ihrer Vorliebe für Kaffee, welche ihrem Vater missfiel. Um heiraten zu dürfen, sollte sie künftig auf ihr Lieblingsgetränk verzichten. Aber das schlaue Mädchen wusste sich durchzusetzen. Dominik Große gefiel dabei als wandlungsfähiger Vater Schlendrian, der seiner Tochter androhte, ihr keinen „Fischbeinrock nach itziger Weite“ zu kaufen – ein extrem weiter Tonsprung forderte den Bariton hier heraus. Mit transparenten Kantilenen und weichem gesanglichen Timbre sowie Charakterisierungsreichtum und Spielwitz agierten die Sänger dabei allesamt fesselnd. Die szenische Einrichtung besorgte Nina Dudek (Kostüme: Arndt Bareth, Mitarbeit Ausstattung: Geraldine Massing).

Gleich zu Beginn überzeugte die temperamentvolle Wiedergabe von Carl Philipp Emanuel Bachs Triosonate für Flöte, Violine und Basso continuo d-Moll mit Andreas Noack (Flöte), Elena Graf (Violine), Philipp Körner (Violoncello) und Alan Hamilton (Cembalo). Facettenreiche kontrapunktische Einfälle und ein abwechslungsreiches Hin und Her zwischen Tutti und Concertino sorgten für spannungsvolle Momente. Elena Graf (Violine) und Michael Kiefer (Oboe) zeigten als versierte Solisten zusammen mit den Kammersolisten des Staatsorchesters bei Johann Sebastian Bachs Konzert in d-Moll für Violine und Oboe ihr reifes Können. Klangfüllende Wirkungskräfte waren auch bei den zahlreichen chromatischen Figurationen auszumachen, die sich hier immer mehr verfeinerten und mit geradezu akribischer Genauigkeit vorgetragen wurden. Bei der interessanten Suite für vier Posaunen aus dem Jahre 1953 von Kazimierz Serocki waren die Posaunisten Bernhard Leitz, Reinhard Riedel, Alexander Erbrich und Matthias Dangelmaier in ihrem Element. Serocki komponierte später zwölftönig und baute auch aleatorische Abschnitte in seine Musik ein. Sehr neoklassizistisch klingt allerdings diese im Mozartsaal fulminant interpretierte Suite für vier Posaunen mit ihren Anklängen an Paul Hindemith und Igor Strawinsky. Strenger Kanon, schlichter Choral und die in vier Stimmen aufgeteilte Arietta und die abschließende Toccatina wurden sehr lebendig und erfrischend musiziert. Ulrich Hermann (Fagott), Florian Richter (Viola), Manuel Schattel (Kontrabass) und Alan Hamilton (Cembalo) spielten noch Carl Philipp Emanuel Bachs Triosonate F-Dur für Fagott, Viola und Basso continuo mit nie nachlassender Energie und innerem Feuer. Arabesken und Kaskaden entfalteten sich dabei mit graziöser Eleganz wie von selbst. Und die thematischen Verbindungslinien wurden dabei konsequent ausgelotet. Dieses Kammerkonzert unter dem vielsagenden Motto „No More Blues“ endete mit Hoagy Carmichaels „Georgia On My Mind“ im imponierenden Posaunen-Arrangement von Ingo Luis sowie „No More Blues/Chega de Saudade“ (Arrangement: Kim Scharnberg) mit eleganten Glissando-Schlenkern der Posaunen.

Eine famose Leistung – besonders bei der „Kaffeekantate“, wo man lernen konnte, wie schnell eine attraktive junge Dame im Bademantel einen Mann bekommt.

Alexander Walther

 

ALEXANDER WALTHER

 

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