Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

STUTTGART/ Liederhalle: 4. SINFONIEKONZERT DES STAATSORCHESTERS

13.02.2022 | Konzert/Liederabende

4. Sinfoniekonzert des Staatsorchesters am 13. 2. 2022 in der Liederhalle/STUTTGART

Imposante Klangfülle

Georg Fritzsch, der Generalmusikdirektor des Badischen Staatstheaters Karlsruhe, stand diesmal am Pult des Staatsorchesters. Bei Wolfgang Amadeus Mozarts Klavierkonzert Nr. 24 c-Moll KV 491 stellte sich die in Venezuela geborene Ausnahmepianistin Gabriela Montero vor, die die explosionsartigen Effekte dieses Konzerts zusammen mit dem durchsichtig musizierenden Staatsorchester Stuttgart unter Georg Fritzsch  glänzend traf. Das Konzertproblem spitzte sich hier nicht so dramatisch zu wie im d-Moll-Konzert, sondern gipfelte eher in schmerzlicher Leidenschaft, für die Gabriela Montero ebenfalls starken Ausdruck fand. Das Kopfthema des Allegro überzeugte mit energischer Wiederholung des chromatischen Quartfalls. Rhythmen und Intervallschritte wurden sehr  präzis betont. Die Es-Dur-Lichtblicke gestaltete die Pianistin durchaus ergreifend. Das düstere Kopfthema lag jedoch ständig auf der Lauer – und Gabriela Montero gelang es, den elektrisierenden Charakter dieser Musik wirkungsvoll herauszuarbeiten. Und die Trompetenstöße wirkten wie eine leise Drohung. Das bewegende Larghetto verblüffte mit weichem Holzbläserklang. Doch auch hier zogen die c-Moll-Schatten herauf. Das Allegretto-Finale faszinierte als eine großartige Kette von Variationen, die Gabriela Montero mit imposanter Klangfülle gestaltete. Und wieder spielte der chromatische Quartfall eine bedeutende Rolle. Aber selbst die Dur-Variante nahm diesem Satz nichts von seinem dunkel-schmerzlichen Charakter, den Einstein als „revolutionären, unheimlichen Geschwindmarsch“ bezeichnete. Als Zugabe spielte Gabriela Montero noch eine kunstvolle Improvisation über ein Thema aus Ludwig van Beethovens drittem Klavierkonzert, das in lateinamerikanischen Rhythmen glanzvoll endete. 

Anschließend  folgte eine kompakte, mit zügigen Tempi aufwartende Wiedergabe der Sinfonie Nr. 6 in A-Dur WAB 106 aus dem Jahre 1881 von Anton Bruckner. Dieses Werk wurde übrigens im Jahre 1901 durch die Württembergische Hofkapelle (das frühere Staatsorchester Stuttgart) in Stuttgart erfolgreich uraufgeführt. Bruckner hat diese bedeutende Komposition zu seinen Lebzeiten nie gehört. Georg Fritzsch gelang es zusammen mit dem Staatsorchester Stuttgart, die beglückenden musikalischen Schönheiten verschwenderisch einströmen zu lassen. Dies zeigte sich sogleich beim Kopfthema des „Majestoso“, das die Bässe unter leisem, hartnäckigem Klopfrhythmus der Violinen anstimmten. Das innige zweite Thema schwang sich ins Freie hoch. Auch diese Sequenz kam bei der Wiedergabe sehr gut zum Vorschein. Nach dem Hörnereinsatz meldete sich das Trompetenmotiv als machtvolles drittes Thema. Das Kopfthema mit Umkehrungen bestritt die knappe Durchführung, die in eine prachtvolle Reprise mündete. Die Coda wurde in einer großen Crescendo-Steigerung glutvoll aufgebaut. Ein ruhiger Atem beherrschte dann  das weihevolle Adagio, dessen zweiter Streichergesang sich immer mehr zu steigern schien. Sehr tiefen Eindruck hinterließ ebenfalls die schmerzlich-ergebene Trauermarschweise in den Streichern. Ausdrucksvolle Klangfarben kamen nicht zu kurz. Aus einem ungewöhnlichen Motiv entwickelte sich das kunstvolle Thema. Der Elfenspuk des „Sommernachtstraums“ ließ nicht lange auf sich warten. Von ferne rief das Hauptthema der fünften Sinfonie wie ein berührendes Signal. Und wieder meldete sich der  unheimliche Traumspuk zurück. Das weit ausholende Geigenthema des Finales besaß sogleich einen triumphalen Charakter.
Es gelang Georg Fritzsch, diesem manchmal als schwächer eingestuften Satz seine Wucht zurückzugeben. Das Zitat aus „Isoldes Liebestod“ von Richard Wagner wirkte so nicht aufgesetzt. Dann folgte die Befreiung von der kühnen Fanfaren-Antwort. Das zweite Streicherthema erinnerte an den ersten Satz. Oboen und Klarinetten  meldeten sich im dritten Thema, das zusammen mit dem Kopfthema den Hauptanteil der Durchführung bestritt. Und in der gewaltigen Coda strahlte die choralhafte Fanfare hell auf. Posaunenpracht erinnerte nochmals an das Hauptthema des ersten Satzes.     

Alexander Walther

 

Diese Seite drucken