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STUTTGART/ Liederhalle: 3. SINFONIEKONZERT DES STAATSORCHESTERS unter Cornelius Meister

11.12.2018 | Konzert/Liederabende

3. Sinfoniekonzert des Staatsorchesters Stuttgart am 10. Dezember 2018 im Beethovensaal/STUTTGART 

MARKANTE RHYTHMEN UND SCHILLERNDE FARBEN

Ein aufregendes Programm hatte sich der Stuttgarter Generalmusikdirektor Cornelius Meister für sein Staatsorchesterkonzert ausgesucht. Von Brahms und Smetana deutlich beeinflusst ist die sinfonische Dichtung „Das goldene Spinnrad“ op. 109 von Antonin Dvorak. Selbst die kühnen harmonischen Abenteuer Liszts lassen sich hier heraushören. Die Handlung ist schnell erzählt: Ein Prinz verliebt sich in die schöne Dornicka, die mit Stiefmutter und Stiefschwester in einer Hütte lebt und die Tage am Spinnrad verbringt. Er bittet die Stiefmutter, Dornicka in seinen Palast zu bringen, wo er sie heiraten will. Die Alte zieht dann mit beiden Töchtern los. Auf dem Weg tief im Wald schlachtet sie Dornicka ab, trennt ihr Hände und Füße ab, entnimmt ihrem Kopf die Augen. Der Prinz dagegen feiert Hochzeit mit der Falschen. Ein wunderlicher Alter findet Dornickas Torso jedoch im Wald, schickt einen Diener zum Schloss. Die Körperteile werden gegen ein goldenes Spinnrad eingetauscht. Das Spinnrad erzählt dem Prinzen jedoch die wahre Geschichte über den Mord an Dornicka. Dornicka wird wieder zusammengeflickt und heiratet den Prinzen, während Stiefmutter und Stieftocher versinken. Musikalisch wird diese Geschichte filmartig erzählt. Der Prinz erhält ein Jagdhornmotiv, während man den Pferdegalopp der Celli deutlich heraushört. Ein betörender Oboenklang beschreibt Dornicka. Neben der hereinbrechenden Motivik und dem erhabenen Posaunenchoral arbeitete Cornelius Meister auch das romantische Liebesthema einfühlsam und bewegend heraus. Gerade die kontrapunktischen Spitzfindigkeiten blitzten bei dieser ausgezeichneten Wiedergabe deutlich hervor.

Die aus St. Petersburg stammende russische Geigerin Alina Pogostkina gestaltete dann anstelle des kurzfristig erkrankten Renaud Capucon die erfrischende Wiedergabe von Felix Mendelssohn Bartholdys Violinkonzert in e-Moll op. 64. Der Komponist machte sich dabei die Ratschläge des Geigers Ferdinand David zunutze. Alina Pogostkina interpretierte zusammen mit dem ansprechend musizierenden Staatsorchester Stuttgart unter Cornelius Meister die drei ineinander übergehenden Sätze sehr formbewusst und energievoll. Der lyrische Grundzug des Werkes dominierte in jeder Beziehung. Die großzügige Fortspinnung dieses Themas mündete nach der kraftvollen Wiederholung des Orchesters in einen frappierenden Seitengedanken, der überaus elektrisierend wirkte. Alina Pogostkina besänftigte mit ihrer Solovioline die leidenschaftliche Unruhe im Ochester. Ruhig ließ Cornelius Meister das zweite Thema anstimmen, dessen schlichte Harmonie und edle Wärme die Zuhörer fesselte. Melodisch kostete Alina Pogostkina die Melodie aus. Auf die Reprise folgte die Coda mit viel Schwung. Nach diesem „Lied ohne Worte“ konnte das Finale die Zuhörer mit seiner blitzenden Sonaten- und Rondoform ungemein fesseln, es kreiste raffiniert um das knisternde Thema. Beseelte Gegenmelodien ergänzten die funkelnden Kaskaden und Arabesken der Solovioline. Und der unbeschreibliche Elfenzauber des „Sommernachtstraums“ wurde von Alina Pogostkina in ausgezeichneter Weise beschworen. Als Zugabe spielte sie noch eine elegant vorgetragene, reizvolle Piece von Johann Sebastian Bach.

Zum Gedenken an Nathalie Kussewitzky schrieb Bela Bartok im Jahre 1943 das „Konzert für Orchester“. Dieser Auftrag des Boston Symphony Orchestra unter Serge Kussewitzky rettete ihn aus einer schwierigen materiellen Situation. Solistische und konzertanten Neigungen wurden hier von Cornelius Meister und dem Staatsorchester Stuttgart in hervorragender Weise herausgearbeitet. Der fulminante Schritt des Bassthemas blieb dabei stark im Gedächtnis – das Hauptthema behaupete sich fast schon majestätisch. Und der lyrische Seitengedanke in den Oboen prägte sich tief ein. Auch die Klarinettenmelodie wollte auf eine Fuge hinaus, was Cornelius Meister mit dem Staatsorchester facettenreich unterstrich. Intervalle und Quarten schufen und ergänzten symmetrische Bögen. Auch die parallelen Melodien der Instrumente stachen deutlich hervor. Und „das Spiel der Paare“ im zweiten Satz mit seinen quirligen Doppelgruppen eröffnete einen turbulent musizierten Reigen. Auch das Fagottpaar im Abstand eines Sextintervalls und die Oboen im Terzabstand sorgten bei dieser Wiedergabe für schillernde Klangfarben. Und im Septabstand blitzten die Klarinetten auf. Von leidenschaftlichem Schmerz geprägt war bei dieser Wiedergabe mit dem Staatsorchester Stuttgart unter der Leitung von Cornelius Meister die „Elegie“ des dritten Satzes. Harfenglissandi und Holzbläserpassagen spielten dabei atemlos um die Wette. Die Hornfanfare eröffnete dann überaus munter das Finale. Das vorlaute Tanzthema wurde von Cornelius Meister und dem exzellenten Staatsorchester Stuttgart kurz und bündig in die strenge Form einer Fuge gesteckt. Und die funkelnd dahinjagende Coda mit ihren dahinrasenden Streicherpassagen war ein Meisterstück.

Riesenapplaus.

Alexander Walther

 

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