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STUTTGART: LA CENERENTOLA

07.02.2016 | Oper

Stuttgart: LA CENERENTOLA am 6.2.2016

gtr
Copyright: Staatsoper Stuttgart/ A.T. Schaefer
 
In Jacopo Ferrettis Libretto zu Gioachino Rossinis Oper La cenerentola (Aschenputtel) geht es im Unterschied zu Grimms Märchen um die Werbung des Prinzen in der Verkleidung als Diener im Haus des Weinhändlers Don Magnifico. Der Prinz muß innerhalb kürzester Zeit heiraten, um seine Erbschaft antreten zu können. Eingefädelt wird diese Caprice von dem Philosoph und Erzieher des Prinzen Alidoro. Don Magnifico hat aber noch zwei weitere Töchter, die er gewinnbringend unter die Haube bringen will, seine Stieftochter Angelina, die den Haushalt führt, ist ihm zuwider. Tatsächlich machen sich die beiden Schwestern beim Diener-Prinzen unmöglich, so dass Alidoros Plan, dem die sehr selbstbewußt auftretende Angelia am Schluss sogar unheimlich wird, aufgeht. Der die Stelle des Prinzen vertretende Diener Dandini, der sich auch in Cenerentola verliebt hatte, geht leer aus. Der „Aufsichtsrat“ genehmigt die Hochzeit.

Regisseurin Andrea Moses hat daraus ein wildes spritziges Spektakel auf die Bühne gezaubert. Zwei Frauen in sexy business Kostümem säubern immer wieder den großen runden Aufsichtsratstisch, der zu Beginn den Bick direkt zu den Innenräumchen des Hauses von Don Ramiro freigibt. Da keifen die prolligen Schwestern Clorinda und Tisbe in ihren Kleiderfetzen vor laufendem Fernseher. Wenn Don Magnfico seine 3.Tochter zeigen soll, kramt er eine Urne der „Verstorbenen“ hervor, die pummelige Angelina gibt er als Servicekraft aus. Später findet eine Party beim Prinzen neben und auf dem Drehbühnentisch statt, die später fast in eine kleine Orgie mit den Höflingen/Aufsichtsräten ausartet, darunter auch zwei köstliche Damen. Schließlich kann der Prinz seine Braut  in einer riesigen dunkelroten Robe präsentieren und unter dem Geheul der Schwestern und des `Schwiegervaters` mit ihr abgehen. Wenn auch sehr grell,ist es eine interessante durchdachte Inszenierung mit viel zeitgenössischen Elementen, die auch vom Publikum stark akklamiert wird.

Die leger lockere bis knisternd spannend perlende Musiksprache Rossinis wird vom Staatsorchester ganz erlesen aufbereitet unter der zuverlässigen Stabführung von Stephen Barlow. Der Herrenchor schlägt sich musikalisch beachtlich (Christoph Heil). Das Hammerklavier in den Rezitativen übernimmt ganz abgeklärt Alan Hamilton. Mit ganz starker Geste und großem Schauspieler-Einsatz besonders in der ersten Aufsichtsratssitzung, gibt Adam Palka den Alidoro. Dabei steht ihm auch bei eher zierlicher Gestalt ein mächtiger sehr sonorer Baß zu Verfügung, den er in seiner Reflexionsarie sehr wirkungsmächtig einsetzt. Einen wohlklingenden Bariton in Mezzavoce stellt Lionel Lhote als Dandini. Der Prinz D.Ramiro wird von Bogdan Mihai ganz fein gezeichnet tenoral gesungen. Die Koloraturen gelingen ihm dabei immer besser. Eine Übereinstimmung mit Angelina wird sogleich augenfällig, vielleicht auch, weil körperliche Gegensätze sich anziehen sollen. Don Magifico als Enzo Capuano ist ein verschlagen wirkender leicht böser Italiener, der in allen Lagen seinen ausgepicht tollen Baß ins Spiel bringt. Catriona Smith, Sopran, und Maria Theresa Ullrich, Mezzo, singen Clorinda und Tisbe und brennen dabei oft ein kleines Feuerwerk ab. Beide kommen dabei mit schön timbrierten Stimmen sehr beweglich und schräg herüber.

Den Vogel schießt aber Diana Haller als Titelfigur ab. Sie kann ihren Mezzosopran auch wirklich herausschleudern, ohne eine wohltuende Gesangslinie vermissen zu lassen. Ihr edel rundes Timbre schraubt sie bis in höchste Sopranlagen hinauf und gewinnt sich so den Prinzen mit Leichtigkeit.                                               

Friedeon Rosén

 

 

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