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STUTTGART: KAMMERBALLETTE – (Beziehungs-)Spannungen und Neuronen

16.04.2016 | Ballett/Tanz

STUTTGART / Ballett:„Kammerballette“ am 14.04.2016–(Beziehungs-)Spannungen und Neuronen

Drei sehr verschieden Tanzstile hat Intendant Reid Anderson in den gemischten Ballettabend im Schauspielhaus vereint, so verschieden wie auch die Choreographen, von denen sie stammen.

 Das namensgebende Stück „KAMMERBALLETT“ stammt aus der erfahrenen und fein geschliffenen Feder von Hans van Manen und zeigt ein Beziehungsgeflecht der Extraklasse, in für ihn gewohnt minimalistischem Stil: lediglich vierbeinige Hocker auf der sonst leeren Bühne im runden Lichtkegel. In schlichten einfarbig-bunten Trikots erzählen die Tänzer Geschichten aus dem breiten Emotionsspektrum der Beziehungen: ‘mal in sehr präzisen, ‘mal in weichen und fließenden Bewegungen. Alicia Amatriain wirkt auch ohne der bei ihr in modernen Stücken gewöhnlichen Akrobatik sowohl in Soli als auch in Pas de deux mit dem kraftvoll-agilen Jason Reilly sehr ausdrucksstark, Miriam Kacerova und Alexander McGowan zeigen einen berührenden Pas de deux der Liebe und weitere vier Tänzerinnen und Tänzer ergänzen stimmungsvoll die Tanzdialoge auf Klavierstücken von Kara Karajew, Domenico Scarlatti und John Cage.

 Nach den harmonischen Klängen des ersten Stückes führt Morton Subotnicks verstörende Musik in die Atmosphäre von Glen Tetleys„ARENA“ein: das wohl immer noch als avantgardistisch geltende „The Wild Bull“ klingt so wie es der englische Name auch ausdrückt, als ob ein Bulle schreien würde. Daran muss man sich erst gewöhnen, denn die Töne ändern sich das ganze Stück über kaum, doch umso intensiver wirkt dadurch die aus Spannung pur bestehende Choreographie. Jason Reilly, Louis Stiens, Constantine Allen, Fabio Adorisio, Robert Robinson und Noan Alves de Souza überzeugen an dem Abend gleichermaßen in den heidnisch wirkenden Ritualen mit sexueller Note, ausgedrückt durch Bewegungen voller Spannung, teils wie in Zeitlupe, die den Tänzern an Kraft und konditionell alles abverlangt.

 Für„NEURONS“ ließ die junge Choreographin Katarzyna Kozielska ihre eigenen Gehirnströme messen, um zu sehen wie sich Stimmungen auf unser Gehirn auswirken. Symbolisch beginnt das Stück mit einer aus der Dunkelheit auftauchenden Tänzerin, Paula Rezende, gekleidet in einen Doppelkegel, die auf Spitze „bebt“ und über die ein großes Rad mit beleuchteten Speichen schräg hängt.

Neurons
Gehirnströme in Bewegung: Paula Rezende in „Neurons“ von Katerina Kozielska. Foto: Stuttgarter Ballett

 Vor allem darin und in den dunkelgrauen Ganzkörpertrikots mit silbernen Stoffstreifen über Brust und Schulter ist wohl das Leitmotiv des Stückes zu erkennen. In der Choreographie werden dafür umso mehr die Gefühle, Stimmungen und Verhaltensweisen, die durch die Kommunikation zwischen den Neuronen entstehen wiedergegeben, an dem Abend auch dank einer glänzendenMiriam Kacerova, den sprungsicher wirbelnden Fabio Adorisiooder durch sehr präzise Sequenzen von Agnes Su, auf Musik von John Adams und Max Richter.

 Ein sehr abwechslungsreicher Ballettabend, der das Publikum begeisterte.

Dana Marta

 

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