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STUTTGART/ Gustav Siegle-Haus: „DURCH DIE NACHT MIT FRANZ SCHUBERT“ mit der Internationalen Bach-Akademie Stuttgart

10.05.2021 | Konzert/Liederabende

Stream: Gaechinger Cantorey und Stuttgarter Philharmoniker am 10.5.2021 im Gustav-Siegle-Haus/STUTTGART

„Durch die Nacht mit Franz Schubert“ im Gustav-Siegle-Haus Stuttgart mit der Internationalen Bach-Akademie Stuttgart

Feine, ausgewogene Dynamik

 Unter der Leitung von Hans-Christoph Rademann bewies die Gaechinger Cantorey bei Chorwerken von Franz Schubert ihren besonderen Sinn für fein abgestufte Dynamik. Eindringliche Harmonik, Akkorde aus fremdesten Tonarten und abwechslungsreiche Melodik beeindruckten schon bei „Gesang der Geister über den Wassern“, wo die Gaechinger Cantorey facettenreich von den Stuttgarter Philharmonikern begleitet wurde. Lyrisch geformte Thematik und viel Sinn für die motivische Durchführungsarbeit kennzeichneten diese konzentrierte Wiedergabe. Die weiteren Chornummern „Grab und Mond“ sowie „Nachtgesang im Walde“ mit Hörnern und geheimnisvollen Echo-Effekten überzeugten aufgrund des Klangfarbenreichtums, der sich hier aus dem strengen Formschema zu lösen schien. Die Gaechinger Cantorey fesselte unter der souveränen Leitung von Hans-Christoph Rademann auch noch bei den weiteren Werken „Nachtmusik“ und „Der Geistertanz“, wo der thematische Reichtum kunstvoll hervorblitzte. Das sensible Klangideal der Romantik strahlte hier durchaus auf und erreichte auch bei den lyrischen Passagen eine eindringliche Intensität. Wuchtig und feurig zugleich gelang den Stuttgarter Philharmonikern dann die Wiedergabe der Sinfonie Nr. 4 in c-Moll aus dem Jahre 1816 von Franz Schubert, der so genannten „Tragischen“. Schon die wehmütig-schmerzliche Adagio-Einleitung des ersten Satzes überzeugte mit elektrisierender Energie. Und die innige Sangesseligkeit des zweiten Satzes mit seiner schönen Andante-Melodie in As-Dur wuchs tatsächlich zu „himmlischer Länge“ heran. Bei der fantasievollen f-Moll-Episode erstrahlten die Holzbläser in nuancenreichen Klangfarben. Das rasch musizierte Scherzo-Menuett besaß viel Inspirationskraft und Eigenart. Dem Trio wurde hier ebenfalls ein gewichtiger Moment zugestanden, es nahm sich keineswegs dürftig aus. Eindrucksvoll verlief die mühelose Aufhellung des eigentlich „tragischen“ Finales von Moll nach Dur – und vor allem das aufsteigende Kopfmotiv der Celli hinterließ hier einen bewegenden Eindruck. Assoziationen zu Beethovens fünfter Sinfonie blieben zwar im Hintergrund, waren aber spürbar.   

Alexander Walther

 

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