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STUTTGART/ Gaisburger Kirche. SWR VOKALENSEMBLE “ VOM HIMMEL“

16.12.2019 | Konzert/Liederabende

SWR Vokalensemble am 15. Dezember 2019 in der Gaisburger Kirche/STUTTGART 

SPHÄRENHAFTE KLANGWELTEN

Unter dem vielsagenden Motto „Vom Himmel“ erklangen an diesem Abend Werke von Mocnik, Gallus und Reger.

Max Regers Chorsätze „Es kommt ein Schiff geladen“, „Unser lieben Frauen Traum“ op. 138 Nr. 4, „Vom Himmel hoch“, „Schlaf mein Kindelein“und vor allem „In Dulci Jubilo“ wurden mit sphärenhaften Klangflächen und vielgestaltiger harmonischer Ausdruckskraft dargeboten. Unter der inspirierenden Leitung von Martina Batic interpretierte das gut aufeinander abgestimmte SWR Vokalensemble die Kompositionen des slowenischen Komponisten Damijan Mocnik mit den Titeln „Anrufung“, „Johann, lasse die Pferdchen“, „Geburts-Nacht“, „Ein Kind ist geboren“ (Solo: Johanna Zimmer, Sopran) und „Weihnachtswiegenlied“ mit spannungsvollen Intervallen und einer ausdrucksstarken Intonation. Mocnik legt seinen Kompositionen Melodien aus der slowenischen Volksmusik oder gregorianische Choräle zugrunde. Modale Skalen und eine reichhaltige Harmonik von einfachen Terz- und Quartakkorden bis hin zu komplexen Mehrklängen und Polytonalität kennzeichneten die hervorragende Wiedergabe von Damijan Mocniks „Sacra Religio“ für 12-stimmigen Chor. Übereinanderliegende Akkordschichten und Cluster-Bildungen zeichneten diese sensible Wiedergabe des SWR Vokalensembles aus. Kanon und Umkehrungen unterstrich das SWR Vokalensemble einfühlsam und differenziert. Auch dynamische Kontraste wurden hier nicht vernachlässigt. Die Ausweitung des Klangspektrums machte sich vor allem in den Männerstimmen bemerkbar.

Der dritte im Bunde dieser ungewöhnlichen Komponisten war Jacobus Gallus, der eine wirklich ungewöhnliche Biografie hat. Er trat im Jahre 1580 in die Dienste des Bischofs von Olmütz ein. Im Jahre 1585 kündigte er seine gute und sichere Stellung als Hofkapellmeister, weil er sich mit ganzer Kraft seiner kompositorischen Tätigkeit widmen wollte. Gallus gilt als Vater jener Tonarten, die später als Dur und Moll bekannt wurden. Über 500 Motetten, Messen und Madrigale hat er komponiert. In der akustisch weiträumigen Gaisburger Kirche waren Gallus‘ Kompositionen „Mirabile Mysterium“und „Heute ist Christus geboren“ zu hören. Sie wurden mit ausgesprochen sensibler Ausdruckskraft interpretiert. Querstände und Dissonanzen waren hier nicht zu überhören. Claudio Monteverdi und Carlo Gesualdo zeigten dabei ihren stilistischen Einfluss. Vor allem der zukunftsweisende Kompositionsstil trat hier deutlich hervor.

Alexander Walther

 

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