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STUTTGART/ Foyer der Staatsoper: DER ROSENKAVALIER – gesprochen. Und der Osterhase ist auch dabei…

21.03.2016 | Theater

Stuttgart/ Staatsoper/ Foyer: Hörstück „Der Rosenkavalier“ im Foyer der Staatsoper am 21.3.2016

UND DER OSTERHASE IST AUCH DABEI

„Der Rosenkavalier“ von Richard Strauss als Hörstück am 21. März im Foyer der Staatsoper/STUTTGART

Ja, er ist wirklich unverwüstlich – der „Rosenkavalier“ von Richard Strauss. Jetzt präsentierte man die Oper als eineinhalbstündiges Hörstück mit den beiden Schauspielern Katharina Knap und Florian Rummel, die sehr virtuos in die verschiedensten Rollen schlüpften. Da sah man dann plötzlich die Feldmarschallin Marie Therese („Resi“) Fürstin Werdenberg, die als Frau mit jugendlicher Leidenschaft agierte und als junges Mädchen „frisch aus dem Kloster in den heiligen Ehestand kommandiert word’n“ war. Als ihr 17jähriger Geliebter Octavian Graf Rofrano verkleidete sich dieser zweimal als Kammerzofe Mariandel, um das Wiener Original und den unverbesserlichen Schürzenjäger Baron Ochs von Lerchenau zu foppen und zu ärgern. Er war mit der jungen Sophie von Faninal verlobt. Als junge unfreiwillige Verlobte des Barons Ochs von Lerchenau trat Sophie als Anna Barbara von Faninal aufs Parkett. Schließlich machte der Kommissarius und Polizist der Sittenpolizei dem Treiben einen dicken Strich durch die Rechnung: „Was ist hier los?!“ Und das allgemeine Resümee lautete: „Die Zeit ist ein sonderbar Ding…“ Baron Ochs von Lerchenau wurde als Filou und Mitgiftjäger entlarvt.

Katharina Knap zauberte dann plötzlich den Osterhasen hervor, der die einzelnen Personen gehörig durcheinanderbrachte. Evgeny Popov (Violine), Reimer Kühn (Horn) und William Girard (Klavier) ließen den unverwechselbaren Zauber der Straussschen Tonsprache wirklich wie einen riesigen Blumenstrauß aufblühen. Mozart und Wagner grüßten musikalisch bei diesen nuancenreichen Arrangements. Eine verschwenderische melodische Kraft breitete sich im Foyer aus und übertrug sich auf die Schauspieler. Strahlende Klangfarben mit zarten Tönungen begleiteten den Auftritt Katharina Knaps und Florian Rummels auch als Liebespaar: „Wollen Sie dieses Mannsbild wirklich heiraten?“

Auch bei diesem gewitzten Kammerspiel und Hörstück wurde einmal mehr deutlich, dass es sich bei dieser Oper um ein Ensemblestück handelt, das von wahrhaft elektrisierender Wirkung ist. Alles wurde zueinander in Beziehung gesetzt und in feiner Weise miteinander verwoben – nicht nur musikalisch, sondern auch darstellerisch und sprachlich. Dies galt insbesondere für die Überreichung der silbernen Rose, die hier eher dunkelgelb war und mit der Florian Rummel seine liebe Not hatte. Das berühmte Terzett der drei Frauenstimmen im Schlussakt wurde dann von Florian Rummel vorgetragen. Inspiration und formal-szenische Ausgeglichenheit hielten sich die Waage. Der unaufhörliche Strom der Inspiration beherrschte dieses Hörstück, bei dem einem nie langweilig wurde.

Der Dichter Hugo von Hofmannsthal hat den „Rosenkavalier“ treffend charakterisiert: „Die Musik ist unendlich liebevoll und verbindet alles…“ In der geschmackvollen musikalischen Einrichtung von William Girard konnten sich die verblüffende Bildkraft und die prägnant gefassten Themen des Meisterwerks voll entfalten, dies galt ebenso für die nervös-sinnliche Glut der Melodien sowie die scheinbar entfesselt hin und her springende Harmonik. Auch der federnde Schwung des Rhythmus war hier immer deutlich zu spüren (Spielleitung: Vladislav Parapanov; Textfasung: Ann-Christine Mecke). Die Farbenglut dieser Musik übertrug sich auf die Sprache der Schauspieler. Die virtuosesten und bestechendsten Klangvisionen eines Liszt und Wagner wurden mühelos übertrumpft. Mit bestechender spieltechnischer Eleganz wurden alle technischen Probleme gelöst. Dass hinter dieser bewussten und unglaublich virtuosen technischen Perfektion die gesunde Sinnlichkeit des robusten Bayern steckt, machte dieser gelungene Abend einmal mehr deutlich.

Selbst der nervösen Empfänglichkeit des intellektuellen Psychologen wurde dabei Rechnung getragen. Kernige Kadenzformeln des Klaviers blickten melodisch gern zu Mozart, Schubert oder zum Volkslied. Strauss‘ Frau Pauline meinte, dass sich ihr Mann nur am Schreibtisch austobe. Und die Schauspieler tobten auch im Foyer in den verschiedensten Verkleidungen und Maskeraden herum. Als eigentlich kühl rechnender Grandseigneur des Bürgerlichen hatte Richard Strauss keinen Sinn für echte Tragik, aber für den Hymnus des Lebens. Das machte der humorvolle Abend deutlich.

Alexander Walther     

 

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