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STUTTGART: COSÌ FAN TUTTE

14.11.2015 | Oper

STUTTGART: COSÌ FAN TUTTE am 13.11.2015

 In Stuttgart läuft seit Mai diesen Jahres eine Così fan tutte-Neuinszenierung, und sie ist tatsächlich bemerkenswert. Schon das Bühnenbild stellt eine Augenweide dar. Wir sehen den Längsschnitt durch einen Palazzo mit vielen asymmetrisch neben- und untereinanderliegenden Räumen mit je abgerundeten Ecken und mit schöner marmorierter brauner Verkleidung. In den Zimmern sind Wände mit Tapeten in Grautönen und verschiedenen Schraffuren sowie weißen Gardinen sichtbar. Vorne führen drei Stufen herab auf die Vorderbühne, die in ähnlicher Aufmachung mit dem Haus verbunden ist, zentral steht vorne ein vielbenutztes blaues Sofa, die mittigen Räume sind mit grünen Couchgarnituren bestückt. Im 2.Akt wird auch eine Wendeltreppe nach oben sichtbar. In diesem von Herbert Murauer entworfenen Bühnenbild spielt sich die von Regisseur Yannis Houvardas als Tragikomödie bezeichnete Oper ab. und er bevölkert  diese Räume auch ausgiebig, indem der oft nur als Staffage wirkende Chor die Protagonisten-Paare sozusagen potenziert. Bei den Chorauftritten reichen sich in jeder der etwa sieben ‚Logen‘ ganz ähnlich wie Fiordiligi und Dorabella gekleidete vorzüglich singende Damen und Herren, die Ferrando und Guglielmo multiplizieren, sich gegenseitig Sträuße. Fiordiligi trägt ein blaues Kleid, Dorabella ein weißes mit roten Punkten und schwarzen Linien, die Herren heutige bürgerliche legere Anzüge, die sie nach ihrer Wiederkunft nur leicht-lässig modifizieren und sich mit breiter Hutkrempe bzw. Sonnenbrille etwas tarnen.(Kost. Anja Rabes) Einen genialen Sinn bekommt diese Chorbehandlung, wenn in der Abschiedsszene gezeigt wird, dass vielleicht in der Realität in diesem Moment Hunderte von Paaren in dieser Weise voneinander Abschied nehmen. Mit beachtenswerten Kammerspiel-Wirkungen sind die anschließenden Verführungen inszeniert. Besonders die Trennung in Reflexionsphasen (so Arie der Fiordiligi „Come scoglio“/Wie ein Fels) und Flirtphasen ist gut herausgearbeitet, indem sich die  Frauen sich auch schnell bezirzen lassen und selber heftig mitflirten. Auch die dann folgenden ‚Treuebrüche‘ werden sehr plastisch herausgestellt und mit heute üblichen symbolischen Handlungen begleitet. Dagegen kommen die Einlagen der ‚Dienersphäre‘ mit Don Alfonso und Despina, die in schwarzer Kleidung kontrastieren, elegant und witzig herüber. Es mündet dann alles in einen offenen Schluss.

 Das Staatsorchester unter der Leitung von Uwe Sandner spielt einen guten Part mit immer köstlich-elegischer Begleitung so dass man Mozarts besondere Weichzeichnung, – so nah soll er ja seinen Figuren sonst nie gekommen sein, selbst nicht im ‚Figaro‘ – , immer musikalisch nachvollziehen kann. Sandner interpretiert oft mit vibratolosem Streichersound eher klassisch als romantisch und legt den Sängern einen schönen Klangteppich aus. Die Rezitative werden von Alan Hamilton auf dem Hammerklavier begleitet.

 Den Alfonso gibt ganz drahtig und mit guttimbriertem Bariton Shigeo Ishino. Ihm zur Seite sehr bewegungsfreudig die Despina Yoko Kakuta mit hübschen tragendem Sopran, und die am Anfang rechts neben einem Nachtischchen mit O-saft sitzt, das aus der Stuttgarter ‚Götterdämmerung‘ von Peter Konwitschny stammen könnte. Den Ferrando gibt Sebastian Kohlhepp mit wohlklingendem Tenor, sein Freund Guglielmo singt André Morsch mit ausdrucksreich schmuckem Bariton. Ihre erst parallel, dann ‚über Kreuz‘ geführten Verlobten bzw. Liebhaberinnen sind Juanita Lascarro/Gesang und Mandy Fredrich/szenisch als Fiordiligi und Sophie Marilley als Dorabella. Lascarro singt auf der rechten Seite des halbhoch gefahrenen Orchestergrabens mit schönem voluminösem Sopran, während die erkältete Mandy Fredrich sich ganz auf ihre vielfältigen Aktionen konzentrieren kann. Marilley stellt einen gut durchgestyten Mezzo mit Applomb in den Arien und ist in den Verführungsszenen auch sehr sexy.                                                                   

Friedeon Rosén

 

 

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