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STRASSBURG/ Opéra national du Rhin: CENDRILLON von Ermanno Wolf-Ferrari

13.01.2016 | Oper

Opernrarität in Straßburg: „Cendrillon“ von Ermanno Wolf-Ferrari (Vorstellung: 13. 1. 2016)

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Szenenbild mit Familienidylle – Cendrillon (Francesca Sorteni) unter dem Tisch (Foto: Alain Kaiser)

Wieder einmal brachte die Opéra national du Rhin eine echte Opernrarität zur Aufführung: „Cendrillon“ von Ermanno Wolf-Ferrari (1876  – 1948). Diese erste Oper des deutsch-italienischen Komponisten mit dem Libretto von Maria Pezzè-Pascolato nach dem Märchen der Gebrüder Grimm wurde im Jahr 1900 in Venedig uraufgeführt.  In Straßburg wurde es vom Opernstudio im Musik-Konservatorium – extra für Kinder von Vincent Monteil adaptiert und gekürzt – aufgeführt. Aus diesem Anlass brachte die Opéra national du Rhin auch noch das Kinderbuch Cendrillon mit Texten und Illustrationen von Antoine Bouteiller heraus.

Die Oper „Cendrillon“ in drei Akten, die identisch mit dem bekannten Märchen „Aschenbrödel“ der Gebrüder Grimm ist, wurde in Straßburg überaus realistisch von Marie-Eve Signeyrole inszeniert. Die aufwendige Bühnengestaltung stammte von Fabien Teigné, die hübschen und modisch adretten Kostüme entwarf Yashi. Für die kreativen Lichteffekte sorgte Philippe Berthomé.

Die Titelrolle des Aschenbrödels gestaltete die italienische Sopranistin Francesca Sorteni sowohl stimmlich wie schauspielrisch erst als Leidende, später als Liebende hervorragend. Ihre böse Stiefmutter wurde von der belgischen Mezzosopranistin Coline Dutilleul sehr ausdrucksstark gegeben, ebenso Cendrillons Stiefschwestern Anastasia und Javotte durch die spanische Sopranistin Rocío Pérez und durch die französischen Sopranistin Gaëlle Alix, die beide mit sichtlicher Spielfreude als böse Mädchen agierten.

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Liebesglück: der Prinz (Camille Tresmontant) mit Cendrillon (Francesca Sorteni) Foto: Alain Kaiser

Den von allen Mädchen begehrten Prinzen spielte der französische Tenor Camille Tresmontant. Eindrucksvoll sein Duett mit Cendrillon, das er mit Inbrunst und Feuer zugleich gestaltete. Als seine beiden Freunde agierten der polnische Bassbariton Jaroslaw Kitala und der französische Bass Nathanaël Tavernier nicht minder ausdrucksstark, auch wenn sie zeitweise stark outrierten. Den Journalisten Le Fou gab der mexikanische Bariton Emmanuel Franco, der König wurde vom Schauspieler Laurent Berecz dargestellt.

Das Orchester der Straßburger Musikakademie und des Konservatoriums wurde von Vincent Monteil geleitet, dem es gelang, die farbenreiche Partitur des Komponisten Wolf-Ferrari, dessen Werke zurzeit eine Renaissance erleben, facettenreich wiederzugeben.

Das Publikum, das sich großteils aus kleinen Kindern und ihren Eltern oder Verwandten zusammensetzte, bejubelte am Schluss alle Mitwirkenden mit minutenlangem Applaus. Dennoch stellte sich mir die Frage, ob die Inszenierung, die teils sehr realistische Szenen hatte (schallende Ohrfeigen für die bösen Stiefschwestern und auch andere „Brutalitäten“), tatsächlich kindergerecht war. Hoffentlich waren die Kleinen nicht zu verschreckt, dass sie der ganzen Vorstellung gebannt lauschten und keinen Ton von sich gaben. Ich bin anderes von Kindervorstellungen gewöhnt.

Udo Pacolt

 

 

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