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STÄDTE UND STÄTTEN DES ERZGEBIRGES: MUSIKFEST ERZGEBIRGE MIT DEN WIENER SÄNGERKNABEN UND ANDEREN RENOMMIERTEN CHÖREN, SOLISTEN UND ORCHESTERN

19.09.2016 | Konzert/Liederabende

Städte und Stätten des Erzgebirges /MUSIKFEST ERZGEBIRGE MIT DEN WIENER SÄNGERKNABEN UND ANDEREN RENOMMIERTEN CHÖREN, SOLISTEN UND ORCHESTERN – 9. – 18.9.2016

 Tiefverwurzelt im Erzgebirge, einer ehemaligen Bergbauregion mit ehemals reichen Silber-, Zinn-, Kobalt-, Wismut-, Nickel-, Flussspat- und anderen Vorkommen, ist die Musik (neben der Holzschnitz- und Drechselkunst und dem Spitzen-Klöppeln)ein unverzichtbarer Bestandteil des Lebens der Bewohner. Nicht nur gute Musikinstrumente werden hier seit Jahrhunderten gebaut, seit jeher kommen auch sehr gute Musiker, Instrumentalisten und Sänger, aus dieser Gegend.

Die alte Kulturlandschaft ist reich an großen sakralen Bauten in einem eigenen, für diese Gegend typischen Baustil, einer Verbindung von führender Architektur der jeweiligen Zeit und handwerklicher Umsetzung, Hochkultur und Bodenständigkeit. Gerade diese Verbindung von Landschaft, Baukunst und Musik scheint es zu sein, die die Besucher von Kanada bis Tokio, vor allem aber aus ganz Deutschland, zu dem aller 2 Jahre stattfindenden Musikfest Erzgebirge in diese Gegend lockt. Als Veranstaltungsorte werden vor allem die erstaunlich großen, reichverzierten Kirchen, die vom einstigen Reichtum und Bürgerstolz der Bewohner künden, einbezogen, verteilt über das gesamte Erzgebirge mit seinen idyllisch in der bergigen Landschaft gelegenen Städten, Dörfern und Ortschaften.

Das Programm ist sehr vielseitig, vor allem aber auf die Barockzeit orientiert, und lockte unter dem Motto „WEGE“ mit neugierig machenden Titeln wie z. B. „EWIGER FROST“, hinter dem sich „Winterreise“ von Franz Schubert verbarg, „PILGERN“, „IN DER UNTERWELT“, „WIE KLINGT DAS WETTER“ usw. zu den verschiedensten Aufführungsorten.

Unter dem Titel „BERÜHMTE KNABENCHÖRE“ (16.9.) traten die zu den renommiertesten und bekanntesten Chören der Welt zählenden Wiener Sängerknabenmit ihren hellen Stimmen und spezifischem Klangcharakter, zusammen mit dem Bach Consort Wien sowie den Solisten Joowon Chung, Sopran und Terry Wey, Altus unter der Leitung von Ruben Dubrowskyin der Bergstadt Schneeberg, in der St. Wolfgangskircheauf, die 1945, zum Ende des 2. Weltkrieges, bis auf die Grundmauern niederbrannte. Der wertvolle, von Lucas Cranach d. Ä. und Lucas Cranach d. J. gemeinsam in insgesamt 67 Jahren gemalte Altar konnte damals noch aus der brennenden Kirche gerettet werden. Seit mehr als 28 Jahren wurde die Kirche wieder aufgebaut, und der Altar ist wieder zu bewundern. In diesem Jahr, dem Jahr des 500. Jahrestages der Grundsteinlegung, konnten die Baumaßnahmen abgeschlossen werden.

Die„WEGE“des Elite-Knabenchores führten auf einer musikalischen Reise in die Musikzentren der Barockzeit, nach Neapel, Venedig, Wien, Dresden und Leipzig. Musikalische Ideen, Stilrichtungen und Formen breiteten sich damals trotz beschwerlicher  Reise- und Postverbindungen über ganz Europa aus, ohne dass der Begriff „Europa“ üblich gewesen wäre.

Entgegen der Richtungen, in der sich die Musikstile ausbreiteten und sich gegenseitig beeinflussten, begann das Programm „in Dresden“mit einer „Sonata c-Moll für Orchester“ des einstigen Konzertmeisters der Dresdner Hofkapelle, Johann Georg Pisendel (1687-1755), von den Mitgliedern des Bach Consort Wien in andächtiger Hingabe, klangvoll und mit Feingefühl musiziert.

Es folgte das „Miserere c‑Moll für Soli, Chor und Orchester“ von Johann Adolf Hasse (1699-1783), des gebürtigen Norddeutschen, der in Dresden und später in Venedig wirkte. Im hellen Knabenchorklang waren einige sehr schöne Stimmen zu vernehmen, nur der Wohlklang der alten Instrumente wurde durch die Notwendigkeit des häufigen Nachstimmens, was leider den Gesamteindruck und den musikalischen Flussstörte, etwas getrübt.

 Joowon Chungwidmete sich der Sopranpartie mit zarter, sauber geführter Stimme, die, im Piano sehr sanft im Forte jedoch, besonders in der Höhe, leicht guttural klang, zuweilen aber auch schöne klangvolle Passagen enthielt. Terry Wey sang als Altus besonders engagiert, sehr klar, mit sehr sauberer Stimmführung, exakt ausgeführten Trillern und weiterenVerzierungen. Er gestalteteseine Partie besonders ausgeglichen und besonnen und ließ die musikalischen Linien klar erkennen. Wie ein großer Bogen umspannte seine Gestaltung die gesamte Altpartie. Beide Solisten bevorzugten eine sachliche, schlichte Ausführung mit entsprechender Frische. Im Duett verbanden sich die beiden hohen Stimmen kongenial, nur die Innigkeit wie bei zwei Frauenstimmen war naturgemäß in dieser Konstellation nicht gegeben.

Ein Musiker der aus Böhmen kam und am DresdnerHof faszinierende Kirchenmusik komponierte, die erst jetzt wieder wirklich geschätzt wird, war Jan Dismas Zelenka (1679-1755). Seinem „Christeeleison“ für Alt und Orchesterverliehen Terry Wey mit sehr klarem, exaktem Gesang und guter Phrasierung und das Bach Consort Wien mit seinem angenehmen Klang Glanz.

Der musikalische Weg führte weiter über Wien mit dem „Salve Regina“für Chor und Orchester von Johann Joseph Fux (1660-1741) in gutem Zusammenklang zwischen den jungen, hellen Chorstimmen und dem gut klingenden Orchester nach Italien, wobei der Venezianer Antonio Caldara (1670-1736), der in Wien wirkte quasi als„Bindeglied“ zwischen Italien und Wien angesehen werden kann. Bei seinem „Ego sumpanisvivus“ für Chor wurde sehr auf Feinheit orientiert. Es war feine Musik, sehr fein ausgeführt.

Mit dem „Concerto op. 3 Nr. 10 h‑Moll für Orchester“von Antonio Vivaldi (1678-1741) war man endgültig in Italien angekommen.Böse Zungen behaupten zwar, Vivaldi hätte nur ein Violinkonzert geschrieben und das immer wieder variiert, und in der Tat fühlte man sich hier an seine„Vier Jahreszeiten“ erinnert, aber es war eben sein (gefragter) Personalstil. Das Bach Consort spielte etwas anders als gewohnt, fein, sanft, mit zartem Klang und unauffälliger Stufendynamik, wobei die 1. Geigerin auch die solistische Aufgabe übernahm.

Schließlich schloss sich der Kreis mit der Motette für Sopran, Alt und Orchester „Tilge Höchster meine Sünden“ (BWV 1083) von Johann Sebastian Bach nach dem „Stabat Mater“von Giovanni Batista Pergolesi, bei der alle Ausführenden noch einmal zusammenwirkten.

Bach hatte keine Gelegenheit, nach Italien zu reisen. Er holte sich die künstlerischen Anregungen aus den Notenblättern seiner italienischen „Kollegen“, bearbeitete ihre Kompositionen (z. B. Vivaldis Violinkonzerte als „Orgelkonzerte nach Vivaldi“) oder schuf eigene Kompositionen im italienischen Stil (z. B. das „Italienische Konzert“).

Die Programmgestaltung machte deutlich, wie eng die Beziehungen und Verbindungen zwischen den einzelnen Musikzentren, Stilrichtungen, Schulen und Komponisten im 18. Jh. waren. „Auf dem ganzen Kontinent wurde die gleiche Musik gemacht“, und doch gab es neben den Gemeinsamkeiten individuelle Unterschiede und regionale Besonderheiten. Über alle möglichen Wege gab es einen regen Austausch, ein gegenseitiges Geben und Nehmen.

Im Gegensatz zu anderen Knabenchören mit entsprechenden Jungmännerstimmen, wurde hier der Klangcharakter des Chores durch die hellen Knabenstimmen bestimmt, worunter einige besonders klare, zarte, sichere Stimmen auffielen.

Die beiden Solisten steigerten sich bei dieser Motette noch einmal in ihren Solopartien, wobei auch hier im homogenen Duett mehr auf gute Gesangstechnik und gegenseitiges Abstimmen, Exaktheit und Klarheit der Ausführung als Innigkeit orientiert wurde.

Insgesamt wurde alles etwas zurückhaltender als gewohnt ausgeführt, schon der zarten Knabenstimmen wegen. Es war vor allem ein feines, verhaltenes Musizieren mit kammermusikalischem Charakter.

Die Zugabe entsprach ganz der wienerischen Mentalität. Der Dirigent wollte die Buben nach so viel Ernsthaftigkeit fröhlich entlassen, mit echt Wiener Musik, der Polka „Leichtes Blut“ von Johann Strauss, einschließlich Mitklatschen, was noch einmal als Zugabe der Zugabe wiederholt wurde. Damit hatte der Ernst endgültig seinen „Schrecken“ verloren! 

Das Konzert wurde vom Deutschlandfunk aufgezeichnet und wird am 5.3.2017, 21.05 Uhr gesendet.

Das Musikfest Erzgebirge fand nicht nur auf der Erde in sakralen Räumen statt, sondern auch unterirdisch. Zu Orpheus „… IN DER UNTERWELT“ (17.9.) genauer in Europas größte, geologisch interessante, aus der Zeit des Uranbergbaus (1967-1990) stammende Zinnkammern führte ein, dem „Orpheus“-Mythos gewidmetes Konzert. Die sehr gefühlvollen, leidenschaftlichen Klänge, der die Liebe betonenden Concerti und Kantaten des französischen Barock um 1700 von André Campra(1660-1744), Jean-Baptiste Lully (1632-1687). Louis-Nicolas Clérambault (1676-1740), Michel Blavet (1700-1768) und Jean-Philippe Rameau (1683-1764) standen in hartem Kontrast zur rauen Wirklichkeit, in der das Konzert stattfand.

Bereits die 25minütige „Höllenfahrt“ mit der ratternden und rumpelnden, ächzenden und stöhnenden Grubenbahn über 3 km war eine „Einstimmung“ auf die „Hölle“, die Orpheus nicht fürchtete, um seine Geliebte wiederzufinden. Das 2008 von dem Südtiroler Geiger Johannes Pramsohler gegründete Ensemble Diderot, das seinen Namen nach dem französischen Schriftsteller der Aufklärung („Die Nonne“ u. a.), Philosophen und Enzyklopädisten gewählt hat und in Paris beheimatet ist, hatte ebenfalls keine Mühen gescheut, seine wertvollen Originalinstrumente unter Tage zu befördern. Ein besonderer Wohlklang von Cello und Cembalo, zu denen sich noch (Solo-)Violine und 2. Violine und (Solo‑)Flöte alsursprüngliche, klangvolle Besetzungsform der Triosonate gesellten, war der Lohn.

Die Musik begann zunächst unsichtbar im Hintergrund von der Flöte getragen, während die sichtbaren Musiker untätig dastanden – ein Effekt, der schon öfters zu erleben war und jetzt offenbar Schule macht – bis sie zusammen mit der Flötistin, die aus dem Dunkel hervortrat, mit energievollem, virtuosem Spiel in variierender Besetzung den akustisch durchaus geeigneten Raum füllten.

Zu ihnen gesellte sich auch der chinesische Tenor Yu Shao, dessen kräftige Stimme eher einen „Hauch“ von Verdi verriet, hier aber durchaus nicht unpassend schien und die lamentierenden, in der Originalsprache gesungenen Kantaten – die deutschen Texte wurden per PC an die Grubenwand projiziert – mit guter Stimmführung und moderner Gesangstechnik, deutlich in Wort und Ton, belebte. Bewundernswert war seine Kondition, mit der er mit Exaktheit und Frische immer wieder unermüdlich die Sentenzen aufnahm und mit interner Spannung erfüllte.

Zu einem experimentellen Familienkonzert lockte der, Neugier erweckende Titel, „WIE KLINGT DAS WETTER?!“ (17.9.). Wie Wetter wirklich klingt, war an den letzten drei Tagen des Musikfestes auch live zu erleben, von den ersten leisen Regentropfen, die auf das Straßenpflaster fallen, bis zum Rauschen der Blätter, wenn es „wie aus Kannen gießt“, auch auf dem Weg zum Veranstaltungsort, der Stadtkirche von Olbernhau.

Wie es in den „Vier Jahreszeiten(„Le quattrostagioni“) von Antonio Vivaldi, gespielt von dem, 2007 gegründeten La Folia Barokorchester in sehr kleiner Besetzung, Violine und Leitung: Robin Peter Müller, eigentlich hätte klingen können, konnte man nur ahnen. Der Begriff  „la folia“ stand in der Barockzeit für Kühnheit, Wildheit, Ausgelassenheit, Lustbarkeit und überbordende Kreativität, wovon bei dieser Ausführung nicht viel zu spüren war. Das Orchester sucht nach eigenem Bekenntnis, „die Emotionen und Inhalte der vergangenen Jahrhunderte in der Gegenwart erlebbar werden zu lassen“, was hier nur als Simplifizierung realisiert zu sein schien. Die von Vivaldi für die entsprechende Jahreszeit sehr spezifisch auf musikalische Art geschilderten Erscheinungsformen in jedem der vier Violinkonzerte, einschließlich „kleiner Eiszeit“ im„Winter“, die das Schlittschuhlaufen auf dem Canal Grande in Venedig ermöglichte, waren nicht leicht zu erkennen. Vielleicht sollte es auf das Niveau der Schülerinnen und Schüler einer 6. Klasse, die per Bildschirm ihre sehr simplen Vorstellungen von den Jahreszeiten als „Gemeinschaftsprojekt präsentierten“, heruntertransformiert werden.

Einiges Einfühlungsvermögen in die Musik bewies fast nur die 1. Geigerin, das geringste die Bratschistin, die ihre (aus Rücksicht auf das damalige Klangideal vom Komponisten untergeordnete) Partie ohne „Rücksicht auf (Gesamtklang-)Verluste“ und die anderen Instrumente „herunterschruppte“. Da konnte auch der als Solist a la André Rieu „tanzende“ Robin Peter Müller mit Vehemenz und mal hartem, mal weicherem Ton nicht viel aufwerten. Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ sind zu bekannt und oft hervorragend interpretiert worden, so dass die Latte sehr hoch liegt, aber sie sind andererseits auch „nicht totzukriegen“. Sie verfehlen ihre Wirkung nie. Mag sein, dass manchem Erwachsenen die einfache Wiedergabe etwas gegeben hat, den zahlreich erschienenen Kindern offenbar nicht, sie suchten sich meist andere Beschäftigungen.

Die WEGE des Musikfestes hatten im Abschlusskonzert (18.9.) in der St. Marienkirche, derHauptkirche der Stadt Marienberg,ihr Ziel erreicht, angekündigt als „LETZTE REISE“, worunter sich die von W. A. Mozart 1780 während seiner Tätigkeit als Hofkomponist des Erzbischofs von Salzburg komponierte „Vesperae solennes de Confessore“ für Soli, Chor und Orchester (KV 339) und sein „Requiem“, zwei der herausragenden Kirchenmusikwerke der europäischen Musikgeschichte, verbargen. Die dem Requien vorangestellte Vesper ließ gewisse kompositorische Zusammenhänge zwischen beiden Werken erkennen. Sie schien vieles vom Requiem schon vorwegzunehmen.

Der renommierte Chorleiter, Intendant des Musikfestes und offizieller Botschafter des Erzgebirges, Hans-Christoph Rademann, dessen Anliegen und Schwerpunkt seiner Arbeit die Alte Musik und insbesondere die Erschließung unbekannter Schätze der Dresdner und sächsischen Musikgeschichte ist, ließ es sich nicht nehmen, das Eröffnungskonzert „DER RICHTIGE LEBENSWEG“ mit Werken von G. F. Händel (9.9.) in der St. Georgenkirche in Schwarzenberg, der „Perle des Erzgebirges mit Renaissanceschloss und großer, überreich ausgestatteter Kirche, hoch über dem Fluss Schwarzwasser auf einem Felssporn gelegen, wo er, in Dresden geboren, aufwuchs, sowie das Abschlusskonzert mit dem von ihm bereits während seines Studiums in Dresden gegründeten Dresdner Kammerchor zu leiten.

 Auf diesen Chor mit seinen 19 Sängerinnen und 16 Sängern ist seit jeher Verlass, stand er doch ohne Unterbrechung unter Rademanns gewissenhafter Leitung, dessen Anliegen bei jeder, von ihm geleiteten Aufführung, nicht nur die perfekte Ausführung und Abstimmung zwischen Chor, Orchester und Solisten ist, sondern auch ein Eindringen in die geistigen Tiefen der Komposition.

Deshalb gibt es bei ihm auch keine, den Fluss der Aufführung störenden„Kunstpausen“ wegen „Positionswechsel“ der Ausführenden usw. Die Solisten erheben sich schon leise, während der Chor noch singt, von ihren Plätzen und gehen zu ihren „Standorten“, was der Aufführung einen geschlossenen Charakter verleiht, da auch der Kontrast zwischen Chor und Solo zu den kompositorischen Gestaltungselementen in den Oratorien gehört.

In der Akustik der St. Marienkirche mit ihrer längeren Nachhallzeit, die den beiden Werken aber eine gewisse Feierlichkeit verlieh, konnte sich der gut einstudierte Chor erst allmählich zu seiner gewohnten Hochform und Homogenität entwickeln, die er dann im „Confutatis“des „Requiem“, wo einige sehr schöne Frauenstimmen dem Chor Klang und Glanz verliehen und erst recht im „Lacrimosa“in schöner Homogenität von Chor und Orchester mit weichen Übergängen erreichte. Gute Männerstimmen waren dann im “Benedictus“ zu hören.

Das Barockorchester Wroclaw erfüllte seine Aufgaben zuverlässig und nicht vordergründig und fügte sich gut in den Gesamtklang ein.Ähnliches galt auch für die vier Solisten, die sich im Oratoriengesang auskannten und sich aufeinander und auf die beiden Werke einstellten.

Ohne vordergründig zu wirken, fand die Schweizer Sopranistin Regula Mühlemann die richtige Balance, um mit dem richtigen Gespür für ihre Partie und ihrer wunderbar klaren, höhensicheren Stimme im Solistenensemble die nötige Führung zu übernehmen und sehr sicher und stilsicher einige Glanzpunkte – auch in kürzeren Passagen – zu setzen. Sie sang alle Details mit Akribie aus und verlieh ihren solistischen Einsätzen innere Spannkraft. Mit durchgestalteten kantablen Linien, noch sanft zurückhaltend in der„Vesperae“ und sich voll entfaltend im „Requiem“, beeindruckte sie mit ihrer Anmut und der Leichtigkeit, mit der sie ihre Partie gestaltete. Sie beherrscht die große Kunst des Oratoriengesanges im besten Sinne und führt die besten Traditionen und Erfahrungen weiter.

Gut, aber mit Zurückhaltung sang Aneta Petrasová die Altpartie. Der Tenor Paul Schweinester fügte sich in das Solistenquartett ein. Mit kraftvoller Bassstimme, guter Tiefe und langem Atem, alle Details exakt aussingend, widmete sich KrešimirStražanac den beiden Basspartien, die er als guter Oratoriensängerausgeglichen und in sich abgerundet gestaltete.

Vielleicht sollte das gelegentliche Umschalten der Beleuchtung während des „Requiems“ eine gewollte Lichtregie andeuten. Ganz gelungen war die Ausführung nicht, aber es störte auch nicht gerade, da man bei Rademanns Dirigaten immer in das Werk vertieft ist.

Seien wir nicht abergläubisch, hoffen und wünschen wir, dass für den Titel „LETZTE REISE“ nicht „nomenestomen“ gilt und es durchaus nicht die „letzte Reise“ der Musikfeste im Erzgebirge war, sondern dass es noch viele musikalische Feste dieser Art geben wird.

Ingrid Gerk

 

 

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