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STAATZ /NÖ/ Felsenbühne: WEST SIDE STORY

26.07.2014 | KRITIKEN, Operette/Musical

Felsenbühne Staatz bei Hollabrunn

BERÜHRENDE  AUFFÜHRUNG DER „WEST SIDE STORY“ (25.7.2014)

Der Burgfelsen von Staatz erinnert heuer an die Upper West-Side  von New York in den 50er Jahren. Der umtriebige Intendant von Staatz, Werner Auer,  hat sich für die „Urmutter“ der Musicals, für Leonard Bernstein‘s „West Side Story“ entschieden. Und die Adaption von Shakespeare’s Romeo und Julia – Drama  aus dem Jahr 1957 (mit Texten von Stephen Sondheim)  wird ganz im Stil der Uraufführung des Musicals betrieben und bleibt so von zeitloser Aktualität. Hass, der die Herzen vergiftet, kollektive Aggression, soziale Konkurrenz – und dagegen die Ohnmacht der Individuen. Die berührende  Liebestragödie von Maria und Tony unterliegt gegen die Dschungel-Gesetze der Gangs. Im konkreten Fall der puortoricanischen „Sharks“ und der „Jets“-europäische Einwanderer der zweiten Generation! Werner Auer verzichtet also auf die  naheliegende  Aktualisierung und erreicht dadurch noch mehr Betroffenheit. Wichtigster Partner ist ihm denn auch das Musical-Orchester von Staatz unter der Leitung Gregor Sommer. Der Musikschulleiter aus Staatz leistet hier  einmal mehr erstaunliches. Auch das „leading team“ blieb gleich. Jack Hamal (Bühne), Doris Graf Sommer(Chor), Eva Klug (Choreographie), Brigitte Hamal (Kostüme) , Jürgen Erntl (Licht) – Werner Auer motiviert offenbar einen ganzen Ort ein ganzes Jahr lang…Mit dem Ergebnis von 2014 kann er besonders zufrieden sein. Das junge Ensemble strotzt vor Vitalität und verfügt über zwei hervorragende Solisten:  Daniela Lehner ist ein wunderbare lyrische Maria, Christoph Apfelbeck ein hinreißender Tony; sie kommt aus Oberösterreich, er aus Wien. Und beide lassen den berühmten West-Side-Story-Film  aus dem Jahr 1961 mit Natalie Wood vergessen. Das gelingt Anita und Bernardo nur bedingt: Alixa Kalaz und Roberto Martinelli sind das „zweite Paar“ und sind beide tänzerisch stärker als in ihren vokalen Leistungen. Aber was soll’s? Diese West Side Story hat Schwung, geht unter die Haut und bietet zwei Dutzend jungen Talenten ideale  Startbedingungen. Stellvertreten für andere möchte ich Lukas Strasser als A-Rab nennen: der junge Mann hat alle Voraussetzungen für eine echte Musical-Karriere. Komödiantik, tänzerische Begabung und exzellenter Vortrag. Und das gilt auch für Johann Bech als Riff und David Rodriguez-Yanez als Chino. Werner Auer erweist  sich  in Staatz zweifellos auch als Talente-Entdecker. Apropos Werner Auer – er spielt auch wieder mit  – diesmal ist es der erfolglos um Frieden bemühte Lieutenant Schrank. Nächstes Jahr wird Werner Auer übrigens einen weiteren Musical-Klassiker bieten.Kiss me Kate von Cole Porter – wieder nach Shakesspeare. Die Abgründe der Seele bleiben offenbar konstant.

Peter Dusek

 

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