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ST.GALLEN/ Theater: LIEDER IM MÄRZ. Streamings

29.03.2021 | Konzert/Liederabende

Lieder im März, Theater St.Gallen, Streamings: 18.03.2021, 26.03.2021 und 28.03.2021

Die Streaming-Serie «Lieder im März» ist einen bewundernswerte Ensembleleistung der Musiktheatersparte des Theaters St. Gallen: Über Wochen hinweg haben die Ensemblemitglieder mit den Repetitoren das Programm entwickelt und zur Aufführungsreife gebracht. Alle Aufnahmen entstanden coronakonform in der Tonhalle St.Gallen.

Als Flucht vor dem Alltag erwähnen die Lieder weder Krieg und Elend. Marius Bolten, Leitender Dramaturg und Referent Musiktheater und Tanz, und Caroline Damaschke, Dramaturgin, moderieren und bringen die Lieder dem Zuhörer näher.

 

Der Himmel über dem Dach: 18.03.2021, Moderation: Marius Bolten

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Die erste Folge beginnt mit dem luftig-leicht von Stéphane Fromageot und Roberto Forno dargebrachten Musette-Walzer «L’Embarquement pour Cythère» («Die Einschiffung nach Kythera») Francis Poulenc (1899–1963). Inspiriert von Antoine Watteaus gleichnamigen Gemälden beschwört der Komponist seiner Kindheit so teuren Ufer der Marne. In der «Der Himmel über dem Dach» geht es um französische Lieder, die Folge spannt den Bogen vom Impressionismus zur Moderne, mit einer Zwischenstation beim Neo-Klassizismus und der Groupe des Six (Georges Auric (1899–1983), Louis Durey (1888–1979), Arthur Honegger (1892–1955), Darius Milhaud (1892–1974), Francis Poulenc (1899–1963), Germaine Tailleferre (1892–1983)). Francis Poulenc bildet den Roten Faden der ersten Folge.

Die Mezzosopranistin Jennifer Panara, am Klavier begleitet von Stéphane Fromageot, beginnt den Abend mit zwei Liedern aus «Les Chansons de Bilitis» von Claude Debussy (1862-1915) (Text Pierre Louÿs 1897): «La Flûte de Pan» («Die Panflöte») und «La Chevelure» («Das Haar»). Es folgen drei Lieder aus «Fiançailles de rire» («Verlobung zum Spass») von Francis Poulenc (1899–1963) (Text Louise Vilmorin): «La dame d’Andre» («Andres Dame»), «Violon» («Violine») und «Les Chemins de l’amour» («Die Wege der Liebe»).

Paul Verlaines (1844-1896) Gedicht «Le ciel est par-dessus le toit» («Der Himmel über dem Dach»), das zum Titel der Folge inspirierte, ist in zwei Fassungen zu hören: gesungen von Jennifer Panara in einer klassische Vertonung von Déodat de Séverac (1872–1921) und gesungen vom Bariton David Maze, am Klavier begleitet von Roberto Forno, in der Vertonung des 1938 in New York geborenen Komponisten und Literaturwissenschaftlers Seth Wolitz. Wenn nun, am Klavier begleitet von Roberto Forno, die Sopranistin Tatjana Schneider und David Maze Seth Wolitz Vertonung des bekannten «Sonnet à Hélène» von Pierre de Ronsard (1524-1585) singen, handelt es sich um einen Uraufführung: Bariton David Maze besass eine Kopie der vom Komponisten verschollen geglaubten Komposition.

Am Klavier von Roberto Forno begleitet gibt Tenor Riccardo Botta drei Lieder aus Poulencs Zyklus «Banalités» (1940) (Texte von Guillaume Apollinaire): «Chanson d’Orkenise» («Lied von Orkenise»), «Hôtel» («Hotel») und «Voyage a Paris» («Reise nach Paris»). Die «Elégie en accords alternés» (1959) ist wahrscheinlich Poulencs letztes Klavierwerk: die beiden Klaviere wechseln sich mit jedem Akkord ab, und so entsteht ein zugleich klarer und verschwimmender Klang. Es spielen Stéphane Fromageot und Roberto Forno. Es folgen, dargebracht von Botta und Forno, zwei Lieder von Reynaldo Hahn: «L’heure exquise» («Die erlesene Stunde») (1880, Text von Paul Verlaine) und «A Chloris» («Für Chloris») (1916, Text von Théophile de Viau). Den Abschluss des ersten Teils bilden Poulencs «Colloque» («Gespräch») (1940, Text Paul Valéry) und «Villanelle» («Hirtenlied») der belgischen Komponistin Eva Dell’Aqua (1893, Text von Frédéric van der Elst) gesungen von David Maze («Colloque»), Tatjana Schneider, begleitet von Roberto Forno.

Tatjana Schneider und Riccardo Botta begeistern beide mit grosser Textverständlichkeit und superben Höhen.

 

Frühlingswasser: 26.03.2021, Moderation: Marius Bolten

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Tatjana Schneider, von Miho Tanaka am Klavier begleitet, eröffnet den Abend mit Liedern der deutschen und russischen Romantik mit Pjotr. I. Tschaikowsky «Otschego» («Warum») op. 6, Nr. 5 (Text/Nachdichtung von Lew Mei nach Heinrich Heine) die Folge «Frühlingswasser». Es folgen zwei Lieder Sergei Rachmaninoff: «Sdes choroscho» («Hier ist es schön», op 21 Nr. 7, Text von Glafira Galina) und eine rauschende Hymne auf das Wiedererwachen des Lebens mit der Schneeschmelze, «Wessennije wody» («Frühlingswasser», op. 14 Nr. 11, Text von Fjodor Tjuttschew).

 

David Maze, am Klavier begleitet von Miho Tanaka, interpretiert dann «Nachtwanderer» von Erich Wolfgang Korngold (op. 9, Nr. 2, Dichtung Josef von Eichdorff). Nik Kevin Koch, am Klavier von Roberto Forno begleitet, singt vier Lieder: «Nacht und Träume» von Franz Schubert (op. 43, Nr. 2, Text von Matthäus von Collin), «Das Wirtshaus» von Schubert (op. 89, Nr. 21, Text von Friedrich Müller), Robert Schumanns «Schöne Wiege meiner Leiden» (op. 24, Nr. 5, Text aus dem Buch der Lieder von Heinrich Heine und «Gebet» von Hugo Wolff (Text von Eduard Mörike).

Stéphane Fromageot und Roberto Forno bieten dann ein heiteres Intermezzo: Quadrille für Klavier zu vier Händen «Souvenirs de Bayreuth», von Themen aus dem Ring des Nibelungen» inspiriert, von Gabriel Fauré und André Messager.

Den letzten Teil des Abends beginnen Tatjana Schneider, Nik Kevin Koch und David Maze und Roberto Forno am Klavier mit Schuberts Komischem Terzett «Der Hochzeitsbaten» (op 104, Text Franz Schober). Zwei Lieder von Hans Pfitzner, dargeboten von David Maze und Roberto Forno, beschliessen den Abend: «Sehnsucht» (op. 10, Text von Detlev von Liliencron) und «Ist der Himmel darum im Lenz so blau?» (Op. 2, Nr. 2, Text von Richard von Volkmann).

Nik Kevin Koch begeistert mit der intensiven Gestaltung seiner Beiträge.

Diamant auf dem Märzschnee: 28.03.2021, Moderation: Caroline Damaschke

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Selten gespielte und gesungene Werke aus den Heimatländern der Sänger (Finnland und die Vereinigten Staaten) stehen im Mittelpunkt des letzten Abends. Sam Taskinen, von Roxana Ionescu-Beck am Klavier begleitet, beginnt ihren Beitrag mit drei schwedischsprachigen Liedern des Spätromantikers Jean Sibelius (1865-1957): «Demanten på marssnön» («Diamant auf dem Märzschnee», op. 36 Nr. 6, Text von Josef J. Wecksell), «Drömmen» («Traum», aus: Sieben Lieder op. 13, Text Johan Ludvig Runeberg) und «Hjertats morgon» («Des Herzens Morgen», aus: Sieben Lieder op. 13, Text Johan Ludvig Runeberg). Es folgen drei finnischsprachige Lieder des Sibelius-Schülers Toivo Kuula (1883-1918): «Jääkukkia» («Eisblumen», op. 24 Nr. 2, Text von Veikko A. Koskenniemi), «Suutelo» («Kuss», op. 8 Nr. 1, Text von Arnold Kandolin) und «Epilogi» («Epilog», op. 6 Nr. 2, Text von Veikko A. Koskenniemi).

Mit David Maze, am Klavier Stéphane Fromageot, wechselt der Abend in die USA: Maze singt «Song – Is it dirty» («Lied – Ist es dreckig», von Frank O’Hara) und «The new suit Zipperfly» («Der neue Anzug Reisverschluss») von Christopher Berg. Zusammen mit Jennifer Panara singt er dann «Croone spoone» (Erzählen – Kuscheln) aus dem Musical «The Cradle will rock» Mark Blitzstein.

Shea Owens, von Roxana Ionescu-Beck am Klavier begleitet, interpretiert drei Lieder von Samuel Barber, einem spätromantisch komponierenden Zeitgenosse von John Cage und Eliott Carter: The monk and his cat» («Der Mönch und seine Katze», op. 29 Nr. 8, Text von W.H. Auden), «The beggar’s song» («Lied des Bettlers», Text von William Henry Davies) und «Sure on this shining night» («Sicherlich in dieser leuchtenden Nacht», op. 13 Nr. 3, Text von James Agee). Es folgen zwei Kompositionen der 1955 geborenen amerikanischen Komponistin Lory Laitman: «The apple orchard» («Der Apfelhain», Text von Dana Gioia) und «The ballad singer» («Der Balladen-Sänger», Text von Thomas Hardy).

Mit Auszügen aus Gershwins Porgy Bess Suite (für zwei Klaviere von Dimitri Alexejew) lassen Stéphane Fromageot und Roberto Forno den Abend zu Ende gehen.

Die dritte Folge ist der Höhepunkt der kleinen Serie, denn hier lassen die Solisten, Sam Taskinen, Jennifer Panara, David Maze und Shea Owens, den Zuhörer mit ihrer Bühnenpräsenz direkt spüren, dass sie in ihrer Muttersprache singen.

Bewundernswerte Ensembleleistung der Musiktheatersparte

Unter dem Titel «Lieder im März» erlebt der Zuhörer drei sorgfältigst gestaltete Programme abseits des bekannten Repertoires. Hier lässt sich frischer, lebendiger, mitreissender Liedgesang erleben! Die drei Folgen zeigen, in welch gutem Zustand Peter Heilker, der nach Wien wechselt, die Musiktheatersparte hinterlässt und vor allem, welches Potential die einzelnen Ensemblemitglieder haben. Umso mehr freut sich der Zuhörer und hofft auf die Zeit nach Corona, wenn in St.Gallen wieder Musiktheater zu erleben sein wird.

Glücklich das Theater, das solche Solisten und Repetitoren hat!

So kann Lied auch gehen!

31.03.2021, Jan Krobot/Zürich

 

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