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ST. GALLEN/ Livestream: IL MAESTRO DI CAPPELLA (Cimarosa)/ MAHAGONNY-SONGSPIEL (Weill)

23.01.2021 | Oper international

Domenico Cimarosa: Il maestro di cappella / Kurt Weill: Mahagonny Songspiel, Theater St.Gallen, Livestream: 23.01.2021

Livestreams | Theater St.Gallen

Zwei Raritäten zwischen Konzert und Bühne

Die halbszenische Fassung von Giuseppe Verdis «Aida», die nach ursprünglicher Planung am 23. Januar 2021 Premiere gehabt hätte, nicht realisiert werden kann, bietet Theater St.Gallen den Livestream konzertanter Aufführungen von Domenico Cimarosas Intermezzo «Il maestro di cappella» und Kurt Weills «Mahagonny Songspiel».

Domenico Cimarosas «Il maestro di cappella» («Der Kapellmeister»), um 1790 entstanden, zeigt Arbeit eines Dirigenten mit dem Orchester. Ein Bariton verkörpert den Maestro und lobt das Spiel des Orchesters: dabei kritisiert und imitiert er auch einzelne Instrumente. Nur bruchstückhaft überliefert, bat der Schweizer Bariton Fernando Corena in den 1950er-Jahren Maffeo Zanon, Archivar des Verlagshaus Ricordi, eine Spielfassung zu erstellen. Seither ist das Stück wieder zu erleben.

1927 begann Kurt Weill mit Bertolt Brecht zusammenzuarbeiten. Die szenische Kantate «Mahagonny Songspiel» war die Inspiration für die späteren Erfolge mit «Die Dreigroschenoper» und «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny».

Bariton Shea Owens überzeugt mit hervorragend sitzender Stimme und zeigt veritable Buffoqualitäten. Auch die Solisten des Mahagonny Songspiel, Nik Kevin Koch als Charlie, Riccardo Botta als Billy, David Maze als Bobby, Sam Taskinen als Jimmy, Tatjana Schneider als Jessie und Jennifer Panara als Bessie, sind mit grossem Engagement und hörbarer Freude am Werk.

Das Sinfonieorchester St. Gallen unter seinem Chefdirigenten Modestas Pitrenas ist erneut in grossartiger Form. Die vielen solistischen Stellen in «Il maestro di cappella» gelingen grossartig, der Klang des Orchesters macht eindeutig Lust auf mehr. Der Wechsel zu Kurt Weill und seinem «Mahagonny Songspiel» gelingt blendend: mitreissend entführen die Klänge in die zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts.

Der Schwachpunkt des Abends ist leider die Qualität der Übertragung, die viele der mutmasslich vorhandenen Pluspunkte zunichtemacht und dem Umbau, der Ausweichspielstätte während der Generalsanierung des grossen Hauses, und seiner vor Ort hervorragenden Akustik nun gar nicht zum Vorteil gereicht. Das Orchester klingt phasenweise dumpf und fern, die Sänger sind kaum verständlich. Zudem wäre es wünschenswert gewesen, mindestens «Il maestro di cappella» mit Untertiteln zu streamen.

Schade um die vertane Chance, die hervorragende Arbeit des Theaters ins rechte Licht zu rücken.

23.01.2021, Jan Krobot/Zürich

 

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