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SONG FÜR MARION

11.03.2013 | FILM/TV

Ab 15. März 2013 in den österreichischen Kinos
SONG FÜR MARION
Song for Marion  /  GB  /  2012 
Regie: Paul Andrew Williams
Mit: Vanessa Redgrave, Terence Stamp, Gemma Arterton, Christopher Eccleston u.a.

Sieht man einen Film wie diesen, der ja nicht wirklich schlecht ist, vor allem nach konventionellen Maßstäben sehr gut gespielt, dann weiß man doch, warum Michael Haneke einen “Oscar” bekommt und andere nicht. Nur er ist imstande ein bitteres Thema wie das „hohe Alter“ ohne Beschönigung, Kitsch, spekulative Wendungen auf die Leinwand zu bringen.

Auch „Song für Marion“ handelt von alten Leuten, aber es geht wohl letztendlich darum, den Zuschauer zum Weinen zu bringen und tröstliche Botschaften über die Endlichkeit und das Noch-am-Leben-Sein zu verkünden – statt die Fakten so hart, klar, unerbittlich, aber auch wieder nicht verlogen übertrieben hinzustellen wie Haneke es tut…

Dieses Lied für Marion enthält alles, was die Trivialliteratur zum Thema zu sagen hat. Irgendwo in einer englischen Kleinstadt lebt die alte Marion (und natürlich ist Vanessa Redgrave wunderbar, eine große Künstlerin, die weiß, wie man so etwas gewissenhaft spielt). Sie ist schwer krebskrank, aber nein, sie gibt nicht auf: Immer wieder findet sie sich zu einer Gesangsgruppe ein, die die junge Lehrerin Elizabeth für Oldies veranstaltet (und Gemma Arterton bekommt ein unglückliches Frauenschicksal auch glaubhaft in den Griff): Von Elizabeth erfahren wir nach und nach, wie einsam sie ist, wie ihre privaten Beziehungen immer scheitern und wie sie sich mit diesem „Chor“ eine persönliche Aufgabe (und Ablenkung) geschaffen hat…

Und da ist Arthur, der Gatte von Marion (Terence Stamp, herrlich verschlossen und „grumpy“, um das englische Wort zu gebrauchen, das mit „mürrisch“ nur unzureichend übersetzt ist): Er liebt seine Frau heiß und innig, sieht den Sinn seines Lebens darin, für sie da zu sein, was ihn nicht daran hindert, die Singerei für einen Blödsinn zu halten – wenn sie Chorproben hat, wartet er irgendwo vor der Tür. Und weil das alles noch nicht ausreichend für gesammeltes Unglück sorgt, ist Arthur von seinem Sohn (der seinerseits allein erziehender Vater einer natürlich entzückenden kleinen Tochter ist, die immer vermitteln will) schwer entfremdet, die beiden haben sich nichts Freundliches zu sagen… Christopher Eccleston spielt ihn ähnlich verkrampft wie der Papa.

Wer könnte die Geschichte nicht selbst weitererzählen, wenn der Chor zu einem Wettbewerb angemeldet wird und Marion, die unbedingt mitmachen wollte, vorher stirbt? Natürlich springt Arthur ein, natürlich tröstet ihn Elizabeth (wirklich ganz platonisch), natürlich versöhnt er sich mit seinem Sohn, und wer am Ende, beim Song für Marion, nicht heult, der hat keine Knöpfe, an denen man drücken kann, um Tränen zu erzeugen… Und die losschmetternden Oldies sind natürlich weiterer lächelnder Rührung wert, auf die der ganze Film abzielt.

Was Regisseur Paul Andrew Williams da auf die Leinwand zaubert, ist gut gemeint, gut gespielt, was immer. Man möchte es nicht grundsätzlich verlogen nennen, denn vielleicht ändern Menschen ja ihre Meinung, kommen zur Einsicht, fallen sich über Gräbern um den Hals, und alles ist halbwegs gut. Aber so etwas bingt ja doch nur Getriefe hervor – sicherlich keine Erkenntnis.

Renate Wagner

 

 

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