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SOLOTHURN/ Stadttheater: HUMAN LOVE, LOVE DIVINE. Ein Händel-Abend der Superlative

22.08.2021 | Konzert/Liederabende

Human Love, Love Divine • Stadttheater Solothurn • Konzert: 21.08.2021

gtr

Ein Händel-Abend der Superlative

Aller guten Dinge sind drei: Nach zwei pandemiebedingt abgesagten Terminen (17. Mai 2020 und 4. März 2021) konnte das Gastspiel der Capella Cracoviensis aus Solothurns Partnerstadt Krakau (im Rahmen der Feierlichkeiten «2000 Jahre Solothurn») nun endlich nachgeholt werden. Statt im Konzertsaal fand es im Stadttheater statt und anstelle eines Instrumentalprogramms stellten Nuria Rial und Juan Sancho das Gesangs-Programm ihrer CD «Human Love, Love Divine» (https://onlinemerker.com/cd-nuria-rial-juan-sancho-human-love-love-divine-capella-cracoviensis-jan-tomasz-adamus/) vor. Rial und Sancho präsentieren in der im Barock seltenen Kombination Sopran und Tenor Liebesduette (und -arien) Händels. Die Liebe kommt in all ihren Ausprägungen zur Geltung, sei es die klassische Liebe zweier Verliebter, Liebe des Vaters für seinen Sohn («Judas Maccabaeus»), die Liebe zu Gott («Samson») oder auch verschmähte Liebe («Alcina»).

Die erste Erkenntnis des Abends ist, dass hier zwei Sänger und ihre Stimmen schlicht perfekt miteinander harmonieren, die zweite Erkenntnis, oder besser Bestätigung ist, dass eine Live-Aufführung nie mit einer Einspielung zu konkurrieren vermag. Gerade in den sieben Duetten harmonieren die beiden Stimmen so perfekt, dass mehrfach die Magie des Augenblicks entsteht, wo der Zuhörer für einen kleinen Moment im Glück schwebt. Die Katalanin Nuria Rial begeistert mit ihrem glasklaren Sopran, blitzscharf gestochenen Koloraturen und einer so kaum je erlebten intensiven Bühnenpräsenz. «Eternal source of light divine» aus der «Ode for the Birthday of Queen Anne» (HWV 74): mehrfach verschmelzen hier Stimme und Instrument, ohne das die Stimme je scharf oder schneidend würde. Die Stimme des in Sevilla geborenen Juan Sancho ist eine jener Stimmen, die live wesentlich besser, intensiver, schöner wirken als auf einer Einspielung. Sein Tenor trägt bestens und weist erinnert wieder an einen Tenore di grazia. Wie seiner Partnerin gelingt es auch ihm an diesem Abend perfekt die verschiedenen Spielarten der Liebe in Gesang umzusetzen. Besonders intensiv gelingt ihm „È un folle, è un vile affetto“ aus «Alcina» (HWV 34).

Die Capella Cracoviensis unter musikalischer Leitung von Jan Tomasz Adamus spielt hoch konzentriert und klangschön auf, überzeugt in den Instrumentalstücken (Larghetto affettuoso aus dem IV. Concerto grosso in a-Moll HWV 322, Largo affettuoso- A tempo giusto aus dem VI. Concerto grosso in g-Moll HWV 324, Largo – Allegro aus dem IX. Concerto grosso in F-Dur HWV 327 und Largo e piano aus dem IV. Concerto grosso in a-Moll HWV 322) und erweist sich als hervorragende Sänger-Begleiterin.

Ein Händel-Abend der Superlative: So intensiv hat man Liebe auf der Opernbühne noch nie erlebt!

22.08.2021, Jan Krobot/Zürich

 

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