Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

SOFIA: SIEGFRIED und GÖTTERDÄMMERUNG / Kurzbericht

11.07.2015 | Oper

Kurzbericht „Siegfried“ und „Götterdämmerung“ in Sofia 7. – 9. Juli 2015

!cid__2a6891c4-4173-a0b4-7bac-6acc0a844a5f@yahoo
Schlussapplaus „Götterdämmerung“. Zwei der Nornen, Martin Iliev und Jordanka Derilova. Foto: Klaus Billand

 Vorgestern fast um Mitternacht ging die zyklische Aufführung des „Ring des Nibelungen“ an der Oper Sofia mit stehendem Applaus des zahlreich erschienenen und zum großen Teil internationalen Publikums zu Ende, allen voran für die Dessauer Brünnhilde Jordanka Derilova und Erich Wächter mit dem Orchester der Sofia Oper und Ballett. Es hatte über die letzten fünf Jahre, in denen dieser wahrlich sehenswerte „Ring“ entstanden ist, enorme Fortschritte gemacht. Im „Siegfried“ erlebte man den stimmstarken Kostadin Andreev als jungen Siegfried, der zwar mit beachtlichem Höhepotenzial aufwartete, aber im musikalischen Duktus, in Phrasierung und deutscher Aussprache noch einige Wünsche offen ließ. Dennoch, durch seine Aktivität auf der Bühne und sehr authentische Rollendarstellung konnte er einige Sympathien wecken. Radostina Nikolaeva, die hier eine gute Isolde in vergangenen Februar sang, war die Brünnhilde im „Siegfried“. Sie gestaltete die Partie mit einer vorwiegend sängerischen Note, wenngleich sie mit der Brünnhilde in ihrer noch so jungen Karriere etwas vorsichtig sein sollte. In der „Götterdämmerung“ war die in Dessau engagierte und dort das gesamte schwere Fach singende Jordanka Derilova als Brünnhilde der Star des Abends. Mit einer hervorragenden Leistung erhielt sie zu Recht den größten Applaus. Neben ihrer ausgezeichneten Technik und einem beachtlichen Durchstehvermögen ist sie auch bildhübsch und sollte Wagners Idee von einer jungen und attraktiven Brünnhilde sehr nahe kommen. Noch weniger als zwei Wochen zuvor hatte sie in Dessau – der Rezensent war auch dort und eine Rezension folgt – noch alle drei Brünnhilden im dortigen „Ring“ gesungen und gestaltet. Ihr Partner in Sofia war der Sofioter Tristan, Martin Iliev, der trotz geringer Ermüdungserscheinungen gegen Ende der „Götterdämmerung“ einen sehr musikalischen und charismatischen Siegfried gab, mit einem schönen, baritonal unterlegten Timbre und ebenfalls exzellenten Höhen. Martin Tsonev, beeindruckender Boris Godunov hier im Vorjahr, war ein sehr guter Wanderer mit exzellentem Deutsch, guter Phrasierung und großer Musikalität. Er empfahl sich an diesem Abend für die Besetzung auch des Wotans im „Rheingold“ und in der „Walküre“, die er schon 2013 sang (detaillierte Rezension unter http://klaus-billand.com/deutsch/rezensionen/ring-des-nibelungen/sofia-der-ring-des-nibelungen-ni-22-bis-29-juni-2013.html). Auch der Hagen von Angel Hristov konnte stimmlich und mit einer den allgegenwärtigen üblen Strippenzieher verkörpernden Darstellung voll überzeugen.

 Vom 12. bis 17. September d. J. wird dieser „Ring“ nun als Gastspiel im Festspielhaus Füssen zu erleben sein, wo einst das König Ludwig II Musical gespielt wurde. Im Anblick von Neuschwanstein und Hohenschwangau wird das im übertragenen Sinne eine Rückkehr Richard Wagners an einen wichtigen Ort seines künstlerischen Lebens, in gewissem Maße auch eine Hommage…. Man darf gespannt sein.

 Klaus Billand

 

Diese Seite drucken