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SOFIA/Opera: ARIADNE AUF NAXOS. Premiere (Kurzbericht)

15.05.2022 | Oper international

SOFIA: Kurzbericht ARIADNE AUF NAXOS – NI am 14. Mai 2022

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Schlussapplaus mit Vera Nemirova und Evan Alexis Christ. Foto: Klaus Billand

 Erfrischender Strauss in Sofia

Gestern Abend erlebte die Neuinszenierung der „Ariadne auf Naxos“ von Richard Strauss in der Inszenierung der bulgarischen Regisseurin Vera Nemirova an der Sofia Opera ihre dritte Aufführung. Unter der musikalischen Leitung von Evan-Alexis Christ, der sich hier immer mehr im deutschen Fach profiliert, war eine erfrischende, ideenreiche Version der „Ariadne“ zu sehen und zu hören, die zudem staunen ließ, wie die bulgarischen Sänger des Sofioter Ensembles mit den semantischen Feinheiten und dem Witz des deutschen Librettos von Hugo von Hofmannsthal zurechtkamen. Das wirkte alles zu jeder Zeit authentisch und nicht zuletzt auch mit Hilfe von Anna Tomowa-Sintow, nicht nur eine ganz große Ariadne ihrer Zeit, bestens einstudiert.

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Stanislava Momekova (Zerbinetta). Foto: Klaus Billand

Das Vorspiel wurde aufgrund der ausgezeichneten Personenregie, in der jeder Handgriff saß, äußerst kurzweilig, unterhaltsam, und regte auch immer wieder um Schmunzeln an, wobei Nemirova der aufkeimenden Liebesbeziehung zwischen Zerbinetta und dem Komponisten feinfühlige Momente des Innehaltens wie eine Oase im allgemeinen Chaos gewährte. Ein schlichter grauer Container bildet hier das Bühnenbild von Jens Kilian, der sich mit Fallen der Vorhangs spektakulär zur Oper öffnet. Die Kostüme von Pavlina Eusterhus sind ebenso farbenfroh, unkonventionell wie aktuell und passend zu dieser Dramaturgie. In der Oper sehen wir dann den für Wien nicht unbedingt typischen „reichen Mann“ mit seiner Entourage als absolute Kunstbanausen vor einem kitschigen Venedig-Bild speisen und Zigarre rauchen. Kaum hat das Stück begonnen, ruft das Handy des Haushofmeisters den Herrn zum Geschäft. Die Truppe taucht dann nur noch einmal zu Zerbinettas Arie auf, wohl wegen der schönen Beine der auch ebenso schön singenden Stanislava Momekova. Starker Szenenapplaus und viel Brava!

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Vesela Yaneva (Dryade), (Silvia Teneva (Echo) und  (Najade), Lyubov Metodieva. Foto: Klaus Billand

Lilia Kehayova ist ein von Beginn an sich kräftig artikulierender und angesichts der Entwicklungen überaus echauffierter Komponist und Gabriela Georgieva eine klangvoll singende und lange depressive agierende Ariadne, die nach ihrem Monolog ebenfalls Szenenapplaus erhielt. Martin Iliev gibt einen sich langsam auf Ariadne einstellenden Bacchus. Starken stimmlichen Eindruck bei einer besonders phantasievollen Choreographie machen die Naïade der Lyubov Metodieva, die Dryade der Vesela Yaneva und das Echo der Silvia Teneva. Alle kleineren Rollen sind ebenfalls bestens besetzt und hervorragend geführt. Man merkte die Regie-Pranke der Nemirova. Und es ist auch hervorzugeben, dass der Generaldirektor der Sofia Opera, Plamen Kartaloff, eine komplette Zweitbestzung bereithält, bei Zerbinetta und Ariadne sogar eine Dreifachbesetzung, die heute Abend zum Einsatz kommen wird.

 Evan-Alexis Christ konnte das Orchester der Sofia Opera zu einem guten Strauss mit allen Feinheiten und emotionalen Ausbrüchen motivieren und sorgte mit exaktem Schlag nicht nur für perfekte Einsetze der Musiker sondern durch große Sängerorientierung auch bei den Akteuren auf der Bühne. Man konnte großen Teamgeist feststellen. Absolut sehens- und hörenswert!

(Detaillierte Rezension folgt in Kürze).

Klaus Billand aus Sofia

 

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