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SNOW WHITE AND THE HUNTSMAN

30.05.2012 | Allgemein, FILM/TV

Ab 1. Juni 2012 in den österreichischen Kinos
SNOW WHITE AND THE HUNTSMAN
USA  /  2012 
Regie: Rupert Sanders
Mit: Charlize Theron, Kristen Stewart, Chris Hemsworth, Sam Claflin, Bob Hoskins u.a.

So richtig begreift man es ja nicht, warum „Schneewittchen“ innerhalb kürzester Zeit gleich zweimal auf der Filmleinwand landen musste – für so aktuell hat man die Geschichte gar nicht gehalten. Allerdings hat die neue Verfilmung gar nichts mit Julia Roberts eitler, das Spieglein an der Wand befragenden Königin zu tun. Wenn „Snow White“ hier letztlich einen „Huntsman“ (Jäger) als ihren Prinzen erhält, dann wird ihre Geschichte zu einem Horror-Abenteuer, das sichtlich im Stil düsterer „Gothic“-Movies gehalten ist… Regie führte Rupert Sanders, seines Zeichens britischer Werbefilmer, der sich ganz an die vorgegebenen Traditionen dieser Art von Filmen hält.

Von Grimms Märchen (einer anderen Generation von Kindern in der Disney-Zeichentrickfassung ein Begriff) ist wenig übrig geblieben. Allerdings rückt auch in dieser Fassung die „böse Stiefmutter“ ins Zentrum, die mit Charlize Theron ähnlich stark besetzt ist wie zuletzt mit Julia Roberts in „Spieglein, Spieglein“, nur dass es diesmal kaum Humor gibt: Wenn die Theron sich den König angelt, ist sie die vollendete blonde Schönheit – aber sie entpuppt sich über kurz oder lang als so abgrundtief grausam und damit dann auch als hässlich, dass hier die Urängste angesprochen werden, die man in Märchen ja immer wieder findet. Und wenn sie zaubert, dann stehen Schneewittchen im Wald auch die schauerlichsten Monster entgegen…

Dieses Schneewittchen ist zwar, streng genommen, nicht so wunderschön, wie es die Geschichte verlangt, aber sie ist immerhin Kristen Stewart, oft ganz weißgesichtig und damit unübersehbar erkennbar als die Heldin der „Twilight-Saga“. Kurz, ein Teenie-Idol, das seinerseits schon die Kassen füllt und auch ein Schneewittchen von heute spielt: eine entschlossene junge Dame, auch kämpferisch geübt, die ihre eigenen Entscheidungen trifft.

Ihr Kindheitsschwarm ist in Gestalt von Sam Claflin zwar hübsch und sogar ein Prinz, wie es sich gehört, aber wer kümmert sich noch um Vorlagen? Wenn ihr die böse Königin einen Jäger nachschickt, der sie eigentlich töten soll, aber schnell die Seiten wechselt, dann weiß auch die Prinzessin, wen sie an ihrer Seite haben will. Und wenn man ihr in dieser Funktion den als „Thor“ filmbekannten Chris Hemsworth zur Seitestellt, dann hat Hollywood nach derzeitigen Maßstäben hoch besetzt.

Nur die sieben Zwerge, die im anderen  Film noch etwas wie individuelle Persönlichkeiten entfalten durften, bleiben hier so am Rande, dass man sie eigentlich gar nicht bräuchte (einer von ihnen ist der einst berühmte Bob Hoskins – ja, der mit Roger Rabbit damals!, aber nur noch schwer als er selbst zu erkennen).

Alles in allem ist das, was hier unter dem Markenzeichen „Schneewittchen“ läuft, kaum ein Märchen mehr, sondern düstere Fantasy-Horror-Action mit einem minimalen Hauch Romantik.

Frage: Wenn man sich Mühe gibt, findet Hollywood vielleicht noch drei, vier ganz verschiedene Arten, weitere „Schneewittchen“-Versionen zu erzählen…?

Renate Wagner 

 

 

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