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SIDE EFFECTS

21.04.2013 | FILM/TV

Ab 26. April 2013 in den österreichischen Kinos
SIDE EFFECTS
USA  /  2013 
Regie: Steven Soderbergh
Mit: Jude Law, Rooney Mara, Catherine Zeta-Jones, Channing Tatum u.a.

Der Regisseur dieses Films heißt Steven Soderbergh, was zwar keine hundertprozentige Qualitätsgarantie ist, aber doch ein Name, von dem man immer wieder Erstklassiges gesehen hat. Darum schaffte es dieser Streifen auch ohne weiteres ins Berlinale-Programm – denn man kann ihn durchaus als zeitkritisch nehmen. Wenngleich er viel mehr ist und unbedingt auch die Unterhaltung der Zuschauer ins Visier nimmt.

Was die „Side Effects“ so spannend macht, sind die zahlreichen Ebenen, auf denen der Film funktioniert. Da stehen scheinbar die Psychiater am Pranger, die ihre Patienten mit Medikamenten zuschütten, was einerseits das ist, was die Patienten erwarten; was auch manchmal, in engen Grenzen, sinnvoll sein kann; was aber auch, jeder weiß es, auf Manipulationen von Seiten der Pharma-Industrie zurück geht…

Es ist absolut bekannt, was das Überfüttern mit Medikamenten an Bewusstseinsveränderungen, an Beeinträchtigung der Selbstkontrolle, ja an Blackouts nach sich ziehen kann. Und vielleicht wissen kluge Patienten das auch… Die titelgebenden „Nebenwirkungen“ sind hier trickreich versponnen.

Da mixt sich ein vielschichtiger Krimi zusammen, der auf der einen Seite Emily Taylor zeigt (Rooney Mara, die Lisbeth Salander der amerikanischen Stig Larsson-Verfilmung), Luxusfrau eines Luxusmannes (Channing Tatum, der mit dem langweiligen Gesicht, wird bald wegen Börsenspekulationen ins Gefängnis abgeführt und ist überhaupt nicht lange dabei), auf der anderen Seite Dr. Jonathan Banks, ihren Therapeuten, herrlich glatt und undurchsichtig gezeichnet von Jude Law.

Er hat sich mit der depressiven Emily zu befassen, und der Pillenmix scheint der einzige Weg, sie vom Selbstmord, den sie schon versucht hat, abzuhalten (abgesehen von der kleinen finanziellen Zuwendung da oder dort, wenn man dies oder jenes verschreibt oder als „Berater“ fungiert? Eine Million, wie für ein Telefongespräch mit einem ehemaligen österreichischen Kanzler, ist es wohl nicht, doch immer noch genug…).

Als Knalleffekt gibt es einen Mord, es gibt eine wahrlich undurchsichtige Psychiater-Kollegin mit gefährlichen Ratschlägen (wieder Catherine Zeta-Jones in einer ihrer interessanten Nebenrollen-Darstellungen – welche Summen können Ärzte verdienen, die sich in unheilige Allianzen mit der Pharma-Industrie begeben?). Und wenngleich die Pointe bezüglich des Mordes und die Schlusspointen nicht gänzlich unerwartet kommen, für manchen mag es dann doch ein Knaller sein – jedenfalls schlägt das Drehbuch, das sich ja nun auch mit Gericht, Recht und Wahrheit (ha!) auseinandersetzen muss, mit dem vagen Faktum der  „Unzurechnungsfähigkeit“ Purzelbäume…

Gerade, weil Steven Soderbergh mit Schauspielern arbeitet, die imstande sind, „schillernde“ Charaktere zu spielen (im Leben weiß man ja auch oft nicht, mit wem man es wirklich zu tun hat…), wird der Zuschauer immer wieder über die Aufrichtigkeit seiner Figuren aufs Glatteis geführt. Ein unterhaltsamer Psychothriller, der mit einem in unserer Zeit der Medikamentenflut höchst virulenten Thema jongliert und dabei gleichzeitig die Krimi-Unterhaltung nicht vergisst, ist es jedenfalls geworden.

Renate Wagner

 

 

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