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SHUFFLE.Play.Listen – Matt Haimovitz und Christopher O’Riley spielen Stravinsky…..

15.02.2016 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

0827949054662 SHUFFLE.Play.Listen  – Matt Haimovitz und Christopher O’Riley spielen Stravinsky, Radiohead, Janacek, Herrmann, Martinu, Piazzolla, Mclaughlin und Cocteau Twins –  PENTATONE Oxingale Series 2 SACDs

 Endlich ist sie auch bei uns erhältlich! Die wahrlich köstliche Frucht der Zusammenarbeit zwischen dem Cellisten Matt Haimovitz und dem Pianisten und genialen Arrangeur Christopher O’Riley. 2011 ist diese Doppel-CD feinster Kammermusik entstanden. Ich möchte gar nicht von Querverbindungen zwischen Pop und Klassik sprechen, die gibt es nicht. Aber man kann Kammermusik auf allerhöchstem Niveau – wie zu beweisen war – offensichtlich nicht nur mit Bach und Beethoven, Ravel und Debussy, sondern auch auf Basis von Stücken machen, die landläufig den Genres Pop, Rock und Film zuzuordnen waren. Dazu braucht es eines Arrangeurs, der weiß, wie man Stimmen schreibt, wie sich Klavier und Cello auch der Vertigo Suite oder Stücken von Arcade Fire zusammenfügen. O’Riley hat sich aber Grosso Modo von Stravinsky inspirieren lassen, was zu tun sei. Eine gute Idee, wie das Ergebnis zeigt. 

Shuffle heißt ja eigentlich „Zufallsverfahren“ in der Reihenfolge etwa von Musikstücken. Diese „technische“ Funktion nimmt dem Hörer die eigene Qual der Wahl ab und dieser kann sich von der maschinell getroffenen Zusammenstellung überraschen lassen. Nun: Die Zusammenstellung der Doppel CD ist viel zu intelligent, um einem reinen Zufall zu genügen. Insbesondere auf CD 1 überzeugt die Durchmischung der Ausschnitte aus Bernhard Herrmanns Soundtrack zum Hitchcock Film „Vertigo“ mit Stücken von Janacek (Fairy Tale), Martinu (Variationen auf ein slowakisches Volkslied), Stravinsky (Pulcinella Suite) und Astor Piazzola (Le Grand Tango). Aber auch die Songs auf der zweiten CD eignen sich in ihrer musikalischen Komplexität und Qualität erstaunlich gut für diese sonderbar eindrücklichen Interpretationen voller Passion, urwüchsigem Musikantentum und Grenzauslotungen vor allem der klanglichen und technischen Möglichkeiten des Cellos.  

Das Geniale und eigentlich Aufregende ist die Art, wie die beiden musikalisch mit den sich annähernden Galaxien umgehen. Der Mut und die Selbstverständlichkeit, mit denen Romantisches mit Struktur und Formales mit Emotion geladen wird. Wie spielerische Improvisation das streng Geprobte mit großer Leichtigkeit schweben lässt, wie die beiden sich die rhythmischen und thematischen  Bälle zuwerfen und die beiden Instrumente eine ganz neue und intensive Symbiose miteinander einzugehen vermögen. Das alles ist so schön und überzeugend, dass unabhängig vom zugrundeliegenden Genre von einer klassischen Aneignung im tieferen Sinn des Wortes gesprochen werden kann. Kein Cross-Over, sondern die neue Definition von Klassik in der Zeit, in der wir leben. Audiophil! Überzeugend! Anhören! 

Dr. Ingobert Waltenberger 

 

 

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