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SEHNSUCHT NACH PARIS

09.02.2015 | FILM/TV, KRITIKEN

FilmPlakat Sehnsucht nach Paris~1

Ab 13. Februar 2015 in den österreichischen Kinos
SEHNSUCHT NACH PARIS
La ritournelle  /  Frankreich  /  2015
Regie:  Marc Fitoussi
Mit: Isabelle Huppert, Jean-Pierre Darroussin, Jean-Pierre Darroussin, Pio Marmaï u.a.

Ein großer Hof in der Normandie, Rinderzucht. „Bauer und Bäuerin“ sind jenseits der 60, die Kinder aus dem Haus, der Alltag bezieht sich auf die jeweiligen Probleme mit den Tieren und dem Geschäft, wenig mehr. Dass die Hausfrau einen ziemlichen Hautausschlag hat – na, die Nerven, das ist es ja wohl auch. Dass die sexuelle Frustration mitspielt, macht Isabelle Huppert mühelos klar, wenn man ihr auch – einer der Größten der Leinwand! – die Bäuerin Brigitte nicht wirklich glaubt: Die Dame in den Designer-Klamotten macht sich wohl nicht schmutzig, ist auch kein Trampel vom Land. Wenn sie zur Party bei den lauten Nachbarn eingeladen wird und ein junger Mann aus Paris ihr unter Missachtung all der Teenager rundum den Hof macht, glaubt man es – und sie glaubt es auch.

Die einzige wirklich real-realistische Phase in diesem Spielfilm von Marc Fitoussi, der im übrigen vor Klischees wabert, sind ihre ersten Tage, eigentlich Stunden in Paris, wo sie unter dem Vorwand eines Arztbesuchs hinfährt, aber eigentlich nur, um den jungen Mann zu suchen. Im Gesicht dieses Stan (glänzend: Pio Marmaï) spiegeln sich Triumph und Berechnung, er wird sich seine Dienste als Callboy bezahlen lassen, hält es wohl auch für richtig, die Dame eher schlecht zu behandeln, um sie bei der Stange zu halten… das ist so schmutzig und schäbig wie die Wirklichkeit.

Nur dass es im Kino anders läuft, Brigitte rechtzeitig vor dem Hässlichen zurückschreckt (das doch einst, bei Nachbars Party, so vielversprechend, hoffnungsvoll, nach einem Abenteuer schmeckte) – und als Ersatz im Hotel einen liebenswerten, liebenswürdigen Skandinavier findet, mit dem ein One-Night-Stand eine erfüllende Angelegenheit wird: Michael Nyqvist, der Däne, der es inzwischen in die internationale Karriere schaffte, spielt das mit wunderbarer Sensibilität, so dass man sich nur wünschen kann, dass es solche Männer auch wirklich gibt…

Interessanterweise ist nicht nur die Huppert die Heldin der Geschichte – der Film (Regisseur Marc Fitoussi ist auch sein eigener Drehbuchautor) wendet auch dem verwirrten Gatten seine Aufmerksamkeit zu, und Jean-Pierre Darroussin, dem man nun den Bauern, das schlichte Gemüt, aber den keinesfalls dummen Mann jede Sekunde glaubt, spielt wunderbar das „Erwachen“ durch den Ausflug der Gattin. Da er sie nicht erreichen kann, wittert er, dass etwas nicht stimmt, fährt ihr nach, sieht sie mit dem Skandinavier – und weiß, dass er, selbst ein oftmaliger Seitenspringer (wie sein Mitarbeiter ihn erinnert) da eigentlich gar nichts tun kann. Außer, es künftig von seiner Seite her besser zu machen. Na ja, fast zu schön, um wahr zu sein.

Freuen wir uns mit Isabelle Huppert, der angeblichen französischen Bäuerin, dass ihr kleiner Ausflug nach Paris samt Seitensprung so gut ausging und auch noch ihrer Ehe einen positiven Schupps versetzt hat. Aber irren wir uns nicht: Das Leben ist im allgemeinen nicht so. Andererseits – wozu wäre Kino da?

Schade nur, dass der französische Film, der einst so hart und schnell und intelligent war, jetzt so viele Soft-Produkte hervorbringt, die die schlechtesten Traumfabrik-Eigenschaften mitbringen.

Renate Wagner

 

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