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SCHWETZINGEN / 10. Barock-Opernfest „Winter in Schwetzingen“: DIDONE ABBANDONATA von Vinci/ Händel

06.02.2016 | Oper
  1. Barock-Opernfest „Winter in Schwetzingen“: „Didone abbandonata“ von Vinci / Händel (Vorstellung: 5. 2. 2016)

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Der in sein Schwert verliebte Enea (Kangmin Justin Kim) / Foto: Annemone Taake

Das 10. Barock-Opernfest „Winter in Schwetzingen“, das vom Theater Heidelberg veranstaltet wird und 2011 unter der künstlerischen Leitung des Heidelberger Operndirektors Heribert Germeshausen mit dem Zyklus Meisterwerke der Opera Napoletana eine inhaltliche Neuausrichtung erfuhr, brachte in dieser Spielzeit mit „Didone abbandonata“ von Leonardo Vinci (in einer Bearbeitung von Georg Friedrich Händel) eine Deutsche Erstaufführung.

Die im Jahr 1726 von Leonardo Vinci komponierte Oper Didone abbandonata führte Georg Friedrich Händel 1737 im Theatre Royal in London auf, wobei er das Werk stark straffte, dramatisch zuspitzte und durch Arien von Hasse und Vivaldi ergänzte. In seinem „Pasticcio“ veränderte er auch die Hierarchie der einzelnen Rollen, indem er die drei Hauptfiguren Didone, Enea und Jarba stärkte und die drei Nebenrollen Araspe, Osmida und Selene reduzierte. Löblich war, dass er den für Barockopern ungewöhnlichen Schluss der Oper, dessen Libretto Pietro Metastasio verfasste, nicht änderte.  Es gibt kein „Happyend“, die Oper endet tragisch und ist musikalisch von Vinci – ohne Schlussarie oder Schlusschor, sondern mit einer Kette von schroffen Rezitativen – beeindruckend gelöst.

Die Produktion in Schwetzingen in der Inszenierung der Südkoreanerin Yona Kim ist die erste Aufführung des Pasticcios seit dem Jahr 1737. Die Regisseurin kam fast ohne Requisiten aus (nur ein Teetischchen mit drei Stühlen) und hatte eine eigenartige Personenführung, die sich dem Publikum oftmals kaum erschloss. Während der Ouvertüre ließ sie die Darsteller auf der Bühne wild und wenig kontrolliert umherrennen, gottlob bekamen sie anschließend einen Tee zur Beruhigung serviert. Für die Gestaltung der Bühne und der Kostüme zeichneten Hugo Holger Schneider und Margrit Flagner verantwortlich.

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Didones (Rinnat Moriah) vergebliche Bemühungen um Eneas Liebe sind zum Haare-Raufen (Foto: Annemone Taake)

Das internationale Sängerensemble präsentierte sich stimmlich und schauspielerisch in Bestform. Allen voran die israelische Koloratursopranistin Rinnat Moriah in der Titelrolle. Sie überzeugte in jeder Szene – sowohl als Königin wie auch als liebende, mit allen Mitteln um Enea kämpfende Frau und besonders in ihrer Selbstmordszene am Schluss – und beeindruckte das Publikum mit ihrer strahlenden Stimme, wie der starke Szenenapplaus bewies. Ihr stimmlich nicht ganz ebenbürtig der koreanisch-amerikanische Countertenor Kangmin Justin Kim als Enea, dessen Stimme eine bemerkenswerte Bandbreite aufwies, wobei er sich allerdings des Öfteren ein wenig zu viel zumutete. Dass er mehr in sein Schwert als in Frauen verliebt zu sein schien, spielte er auf eine nervig übertriebene Art und Weise.

In der Rolle des Jarba beeindruckte der Schweizer Countertenor Terry Wey, der in den letzten Jahren nicht nur stimmlich gereift ist. Er spielte den König des Nachbarlandes ausgesprochen lässig, hatte hin und wieder mit seinem Gewand zu kämpfen, bot jedoch wie immer mit seiner verführerisch-weichen Stimme betörende Töne. Dass er dennoch bei Didone abblitzte, fegte seine lässige Art rasch hinweg. Siehe da, er konnte auch böse werden. 

Starken Szenenapplaus erhielt er verdientermaßen für seine im Publikumsraum gesungene Hasse-Arie. Warum Terry Wey, der seine Karriere als Wiener Sängerknabe begann, im Theater an der Wien keine Rolle in einer der vielen konzertanten Aufführungen von Barockopern mit Countertenören angeboten bekommt, ist mir ein Rätsel.

Sehr erotisch zeigte sich die deutsche Mezzosopranistin Elisabeth Auerbach in der Rolle der Selene, die mit allen Mitteln Enea zu verführen suchte. Doch weder ihr süßer Gesang noch ihre weiblichen Reize brachten ihr beim „Schwertkämpfer“ einen Erfolg. Nur das Publikum honorierte ihre Bemühungen mit tosendem Beifall. Araspe, der Vertraute Jarbas, der in Selene unglücklich verliebt ist, wurde vom südkoreanischen Tenor Namwon Huh dargestellt. Osmida, die Vertraute Didones, von der russischen Mezzosopranistin Polina Artsis. Beide trugen sowohl stimmlich wie schauspielerisch zur starken Ensembleleistung bei.

Das Philharmonische Orchester Heidelberg brachte unter der Leitung von Wolfgang Katschner – er wurde für sein großes Engagement für eine lebendige Alte Musik mit dem Preis der Dresdner Musikfestspiele 2000 und mit dem Händel-Preis der Stadt Halle 2004 gewürdigt – die zauberhafte Partitur des Pasticcios in allen Nuancen zur Geltung.  

Das von der Musik und den Gesangsleistungen begeisterte Publikum bejubelte am Schluss das Sängerensemble mit „Brava“– und „Bravo“-Rufen sowie das Orchester mit seinem Dirigenten mit „Bravi“-Rufen. Man muss den Verantwortlichen zu dieser Ausgrabung gratulieren.

Udo Pacolt

 Es ist eine Coproduktion (siehe www.lauttencompagney.de/index.php?m=159&f=03_werkdetail&ID_Vorstellungsart=&ID_Stueck=383&PHPSESSID=7707d047d5725).

 

 

 

 

 

 

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