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SCHLUSSMACHER

09.01.2013 | FILM/TV

Ab 11. Jänner 2013 in den österreichischen Kinos
SCHLUSSMACHER
Deutschland  /  2013
Regie: Matthias Schweighöfer
Mit: Matthias Schweighöfer, Milan Peschel, Heiner Lauterbach u.a.

Also, Teenager brauchen dergleichen nicht, die machen bekanntlich per SMS mit ihren Partnern Schluss, das geht ganz schnell und ist angeblich üblich. Nur die ein bisschen ältere Generation zerbricht sich bei dieser Gelegenheit noch ein wenig den Kopf, macht sich noch ein Quentchen Gewissen, ist aber jedenfalls feig genug, die brutale Tat nicht selbst vollziehen zu wollen. Ja, es scheint, als sei der „Schlussmacher“ das durchaus zeitgemäße Pendant zum einstigen Heiratsvermittler. Man legt den Vorgang in professionelle Hände – und zahlt auch noch gern und erleichtert, wenn man sich den emotionalen Sturm und Stress erspart hat…

Und Paul Vogt ist ganz zufrieden mit seinem Job als Schlussmacher, hat für Krisensituationen die richtigen Phrasen bereit und zählt die Trennungen, die er vollzieht, nur numerisch (nicht von ihrem Schwierigkeitsgrad her), denn bei 1000 wird er Partner in der Firma. Das ist der Ausgangspunkt dieser Komödie, die Drehbuchautor Doron Wisotzky massgeschneidert nach dessen Wünschen für Matthias Schweighöfer schrieb.

Schweighöfer – so blond, so hübsch wie sonst nur Frauen sein sollten. Vielleicht war er deshalb so umwerfend in Frauenkleidern in „RubbeldieKatz“ (ja, man dachte an Dustin Hoffman). Der junge Mann (immerhin erst 31!) ist durchaus fürs Anspruchsvolle zu brauchen, was er vor allem im Fernsehen (Baal, Lulu, Schiller, Reich-Ranicki) immer wieder unter Beweis gestellt hat. Im Kino wachsen Geld und Popularität vor allem auf den Komödienbäumen – und da hat er festgestellt, dass er sich absolut nicht immer im Schatten von Til Schweiger bewegen muss (wie in „Keinohrhasen“ oder „Zweiohrküken“). Er kann’s auch allein, und das auch als sein eigener Regisseur und Hauptdarsteller (und die Produktionsfirma scheint ihm auch zu gehören). In „What a Man“, seiner ersten Regiearbeit rund um seine Person, hat er gezeigt, dass Männerherzen und –schmerzen noch so gut gehen wie zu Zeiten des jungen Barylli, und mit „Schlussmacher“ liegt er ganz auf der romantischen Linie, wo der Technokrat am Ende die Frau seines Herzens um das gemeinsame Happyend regelrecht anbettelt. Vom Hardie zum Softie, and all is well… Im Kino wird dem Zuschauer das Vertrauen wiedergegeben, dass dauerhafte menschliche Beziehungen auch heute noch möglich sind. Wenn das keine Aussage ist.

Allerdings hat sich Schweighöfer diesmal wirklich in erster Linie auf  brachiale Komik eingelassen, schon indem er sich selbst mit Milan Peschel „paarte“, der nun wirklich nicht diskret ist  – je gegensätzlicher die Männer, umso schöner wird der Hübsche. Peschel ist ein ungewaschener, eher unappetitlicher Typ – aber er ist auch ein hervorragender Komiker von starker Präsenz, der Schweighöfer das Leben nicht leicht macht. Wenn sich dieser von seiner großen Liebe gewaltsam getrennte Toto sentimental durch die Handlung raunzt, reißt er sie immer wieder an sich (und kriegt auch sein weinerliches Happyend).

Darüber hinaus wird’s nicht nur grob, wenn man den Kopf in die Klomuschel steckt, es ist auch eher ungehörig, wie mit der fetten Lady verfahren wird, aber sie (Manuela Wisbeck – Achtung, Comedy-Alarm!) macht so entschlossen-enthemmt mit und knallt mit Busen, Bauch, Doppelkinn und was sie noch an schwabbeligen Massen hat, so überzeugend aufs Auto, Bett oder wo immer hin, dass sich emanzipatorische Überlegungen erledigen: Das soll einfach Spaß sein.

Von der billigen Sorte, wie gesagt, und manchmal so überdreht, dass es kaum noch lustig ist, aber immer mit dem Augenzwinkern, das verkündet: Wer es ernst nimmt, ist selbst schuld. Da kann man dann auch alle Beziehungsklischees verkochen – Matthias Schweighöfer wollte keine anspruchsvolle Komödie machen, sondern eine mit Sicherheit erfolgreiche. Vielleicht sollte er sich gelegentlich wieder einmal eine Fernsehrolle suchen, damit man nicht vergisst, was er sonst noch kann.

Renate Wagner

 

 

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